Wettbewerbsranking Schweiz triumphiert, USA stürzen ab

Studien zur Wettbewerbsfähigkeit einzelner Nationen gibt es viele – an der jüngsten Umfrage des Weltwirtschaftsforums aber haben sich immerhin 11.000 Manager aus 125 Nationen beteiligt. Deutschland verliert leicht an Boden, mehrere kleinere Staaten aus Europa aber trumpfen mächtig auf.


Genf – Großer Verlierer sind die USA: Nach dem am Dienstag in Genf veröffentlichten Wettbewerbsfähigkeits-Ranking des Weltwirtschaftsforums (WEF) rutschte die größte Volkswirtschaft der Welt von Rang eins im Vorjahr auf Platz sechs ab. Der neue Spitzenreiter ist die Schweiz, die erstmals zum wettbewerbsfähigsten Land der Welt gekürt wurde - 2005 war sie noch auf Rang vier gelandet. Deutschland nimmt nach Platz sechs im vergangenen Jahr nun nur noch den achten Rang ein.

Die Umfrage wird bereits seit 27 Jahren durchgeführt, in diesem Jahr allerdings zum zweiten Mal mit einer veränderten Berechnungsmethode. Ziel ist es aus Sicht des WEF, nicht nur nackte ökonomische Daten wie Lohnkosten in den Blick zu rücken, sondern auch "weichere" Faktoren zu berücksichtigen, die mittelfristig über Erfolg oder Misserfolg einer Volkswirtschaft mitentscheiden. Dazu gehören zum Beispiel funktionierende Gerichte, Rechtssicherheit und ein leistungsstarkes Bildungssystem.

Das vergleichsweise schlechte Abschneiden der USA wurde mit den hohen Haushalts- und Außenhandelsdefiziten des Landes erklärt. Auch Mängel bei der Bildung und im Gesundheitswesen beeinträchtigten die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten, so die WEF-Studie. Strengere Ausländergesetze hätten zum Teil schon dazu geführt, dass der Wirtschaft nicht mehr ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stünden.

Zürich schlägt Frankfurt

Zum guten Abschneiden der Schweiz – in der das WEF jedes Jahr in Davos tagt - hieß es, dies sei durch die gute Infrastruktur und funktionierende Institutionen ermöglicht worden. Auch eine effiziente Funktionsweise der Märkte und ein hohes Innovationspotential seien Stärken des Landes.

Zu Deutschland heißt es in der Studie, wenige Länder hätten modernere und innovativere Unternehmen, "auch wenn diese durch eine wenig flexible Arbeitsmarktpolitik, eine unbewegliche Bürokratie und unproduktive Staatsausgaben" eingeschränkt würden. Nach wie vor bedenklich sei aber das hohe Haushaltsdefizit und die steigende Staatsverschuldung. Die wenig flexible Arbeitsmarktpolitik erschwere den Abbau der Arbeitslosigkeit.

Entgegen den häufigen Klagen, dass Europa weltweit an Wettbewerbsfähigkeit verliert, konnten im WEF-Ranking aber viele Staaten des alten Kontinents ihre Platzierung halten oder gar zulegen. So verteidigte Finnland seinen zweiten Platz, Schweden rückte von Platz sieben auf Platz drei vor, die Niederlande steigerten sich von Platz elf auf Rang neun. Auch Norwegen (Vorjahr: Platz 14) konnte drei Ränge gutmachen. Die nordischen Länder schneiden in der WEF-Umfrage traditionell gut ab. In der Studie wurden die hohen Bildungsausgaben, das Sozialsystem und die soliden öffentlichen Haushalte dieser Länder gelobt.

Polen der Klassenletzte in der EU, Kritik an China

China hingegen rutschte sechs Plätze nach unten und liegt nun nur noch auf Rang 54. Für das Milliarden-Land sprechen aus Sicht der befragten Manager die hohe Sparquote und die guten Wachstumsaussichten. Negativ schlugen aber die starke staatliche Kontrolle über das Bankensystem und das Maß an Umweltverschmutzung in China zu Buche.

Indien landete auf Platz 43 und konnte sich damit um zwei Ränge verbessern. Das WEF lobte zwar die Innovationsfähigkeit der indischen Wirtschaft – das Land werde aber durch schlechte Gesundheitsfürsorge, Schwächen des Bildungssystems, Mängel der Infrastruktur und eine hohe öffentliche Verschuldung belastet.

Ganz am Schluss der 125 Länder umfassenden Rangliste liegen mit dem Tschad, Burundi und Angola drei afrikanische Staaten. Innerhalb der EU ist Polen mit Platz 48 am schlechtesten platziert. Italien steht nicht viel besser da und fiel von der 38. an die 42. Stelle zurück.

itz/AP/dpa



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