"Wetten, dass..?": Gottschalk-Brüder warben auch für Teldafax

Der Skandal um Schleichwerbung bei "Wetten, dass..?" weitet sich aus. Laut "Handelsblatt" soll Christoph Gottschalk, der Bruder des Moderators, auch einen Vertrag mit Teldafax geschlossen haben. Der Deal sicherte dem mittlerweile insolventen Stromanbieter Werbezeit in der ZDF-Sendung zu.

Brüder Thomas (r) und Christoph Gottschalk (Archivfoto): "Das Mitmachen lohnt sich" Zur Großansicht
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Brüder Thomas (r) und Christoph Gottschalk (Archivfoto): "Das Mitmachen lohnt sich"

Düsseldorf - Wie tief stecken die Brüder Thomas und Christoph Gottschalk in der Affäre um Schleichwerbung im ZDF? Nachdem der SPIEGEL über dubiose Verträge der Gottschalk-Firma Dolce Media mit den Konzernen DaimlerChrysler und Solarworld berichtet hatte, wird nun ein ähnlicher Deal mit dem inzwischen insolventen Stromanbieter Teldafax bekannt. Auch diesmal geht es offenbar um Werbung, die sowohl der Rundfunkstaatsvertrag als auch die ZDF-eigenen Richtlinien eigentlich verbieten.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, vereinbarte Christoph Gottschalk über Dolce Media mit Teldafax eine Werbepartnerschaft in Millionenhöhe. Ähnlich wie bei Daimler und Solarworld sei dabei vertraglich genau festgelegt worden, in welcher Form Teldafax in der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?" in Szene gesetzt werden und mit welchem Wortlaut Moderator Thomas Gottschalk den Billigstromanbieter anpreisen sollte.

Dem Vertrag zufolge sollte Teldafax für sechs Sendungen von 2009 bis 2010 insgesamt 1,5 Millionen Euro an Dolce Media zahlen, zitiert das "Handelsblatt". Der Betrag sei später auf rund eine Million Euro reduziert worden, weil Teldafax schon damals Geldprobleme gehabt habe. Auch die Zahl der Sendungen sollte auf drei gekürzt werden. Nach Angaben des ZDF kam Teldafax dann aber doch in sechs Sendungen vor.

Es ging dabei um ein Gewinnspiel. Moderator Thomas Gottschalk sollte laut Vertrag sagen: "Und das Mitmachen lohnt sich auch für Sie, denn für drei Jahre wird unser neuer Partner Teldafax Ihr Haushaltsversorger."

Das ZDF teilte am Dienstag auf Anfrage mit, TelDaFax sei als Preisstifter akquiriert worden. Die kostenlose Bereitstellung der Preise, mit dessen Akquise Dolce Media beauftragt war, sei erfolgt. Einen Vertrag zwischen Dolce Media und TelDaFax kenne das ZDF aber nicht. Auch sei die Preisbeschreibung nie so umgesetzt worden, wie es das "Handelsblatt" aus einem Vertrag zitiert. Die Präsentation des Preises habe vielmehr den den rechtlichen Rahmenbedingungen entsprochen, die Einspieler seien vom ZDF juristisch abgenommen worden. An das ZDF sein kein Geld geflossen.

Größtes Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik

Dolce Media wollte sich laut "Handelsblatt" auf Anfrage zunächst nicht zu Teldafax äußern. Der Vorgang liege Jahre zurück und könne in der kurzen Zeit nicht rekonstruiert werden, sagte Michael Bartsch, der Anwalt des Unternehmens.

Teldafax hatte im Juni 2011 Insolvenz angemeldet und damit einen gewaltigen Schaden verursacht. Insgesamt haben mehr als 700.000 ehemalige Kunden noch Geld von dem Stromhändler zu bekommen. Gemessen an der Gläubigerzahl gilt es als das größte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Zahl ist so hoch, weil viele Teldafax-Kunden Vorauszahlungen geleistet hatten, die die Pleitefirma ihnen nun schuldet.

Das ZDF beteuert, zum Zeitpunkt des Gewinnspiels habe niemand wissen können, dass Teldafax im Sommer 2011 insolvent werden würde. Man habe in Anbetracht der langen Laufzeit des Preises im September 2009 eine Bonitätsprüfung des Unternehmens durchführen lassen, deren Ergebnis positiv war.

Laut "Handelsblatt" könnten aber sowohl Christoph Gottschalk als auch der Teldafax-Werbepartner Bayer 04 Leverkusen schon frühzeitig von der brenzligen Lage des Unternehmens gewusst haben. In der Werbeaktion bei "Wetten, dass..?" nahm der Fußballverein eine tragende Rolle ein. Sportdirektor Rudi Völler, der damalige Trainer Jupp Heynkes und das ganze Team traten als Werbeträger von Teldafax auf.

stk

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insgesamt 120 Beiträge
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1. optional
o.b.server 15.01.2013
Gottschalk musste sich doch etwas dazu verdienen, schließlich hat er doch so viel Geld bei Immobiliengeschäften in Leipzig und Dresden verloren, der arme Kerl.
2. Jetzt gehts den Gottschalk-Brüdern...
privado 15.01.2013
...auch mal an den Kragen. Wie es aussieht völlig zurecht. Korrupte Bande, die den Hals offenbar nicht voll genug bekommt.
3. Tja ja, die Privaten
BettyB. 15.01.2013
So kommt´s, wenn öffentliche Aufgaben von privaten Interessen zum eigenen Nutzen ausgenutzt werden. Warum Moderatoren sich nicht auf´s moderieren beschränken müssen - zumal bei den öffentlich rechtlichen Sendern - ist und bleibt ein Rätsel. Da bieten sich dann natürlich Schunentore zum einfahren von viel Heu...
4. Jeder wusste von der Schleichwerbung
hman2 15.01.2013
Zitat von sysopDer Skandal um Schleichwerbung bei "Wetten, dass..?" weitet sich aus.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir aufgefallen sein soll, dass jedes Auto bei "Wetten, dass" ein Audi ist, dass Stromanbieter immer von Teldafax waren etc. pp. Es gibt eine lange Liste von Dauerwerbekunden... Das ging soweit, dass die Rückseite von Gottschalks Cuecards von einem Partnerlogo "geziert" war. In keiner Sendung ist illegale Schleichwerbung so penetrant wie in dieser.
5. Clips der betroffenen Sendungen?
ls451 15.01.2013
Kann man sich irgendwo anschauen, ob und wie das umgesetzt wurde in den jeweiligen WettenDass-Sendungen?
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