Widerstand gegen EU-Beschluss Seehofer will Reinheitsgebot für Weine

Zuckerwasser und künstliche Aromen - so was will Bundesagrarminister Seehofer nicht in deutschen Weingläsern haben. Ein bereits geplantes EU-Handelsabkomen mit den USA will er deshalb verhindern und stattdessen ein Reinheitsgebot für Wein durchsetzen.


Berlin - "Wir dürfen nicht zulassen, dass unser Markt mit Kunstwein aus den USA überschwemmt wird", sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse". Deutschland werde sich bei der heutigen Sitzung des EU-Agrarministerrates dafür einsetzen, dass das geplante EU-Abkommen zum Weinhandel mit den USA gestoppt wird. "Wir haben einen sehr hohen Standard bei den deutschen Weinen. Diese dürfen wir nicht auf dem Altar der internationalen Handelsfreiheit opfern", sagte Seehofer.

Wein-Liebhaber Seehofer: "Wir dürfen den Standard nicht auf dem Altar der Handelsfreiheit opfern"
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Wein-Liebhaber Seehofer: "Wir dürfen den Standard nicht auf dem Altar der Handelsfreiheit opfern"

Die EU-Kommission will mit dem Abkommen die Entwicklung des Weinhandels mit den Vereinigten Staaten fördern. Darin ist vorgesehen, die Auflagen für die Verfahren zur Weinherstellung zu senken. Eine grauenhafte Vorstellung, findet Seehofer. In den USA dürfe Wein bis zu sieben Prozent Wasser oder 35 Prozent Zuckerwasser zugesetzt werden, kritisierte der Minister.

Außerdem würde Wein in amerikanischen Labors mithilfe von Maschinen in Alkohol, Wasser und Aromen zerlegt und dann neu zusammengemischt. Sogar mit Gerbstoffen dürften die Getränke versetzt werden. "Es ist wichtig, die deutsche Position jetzt zu formulieren. Deutschland will Nachverhandlungen über das Abkommen erreichen", schlussfolgerte der Minister.

Der für Weinbau zuständige Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, hält die Forderung Seehofers dagegen für "wenig qualifiziert". "Es geht nicht um ein Reinheitsgebot wie beim Bier, sondern um eine Kennzeichnungspflicht für Verfahren, die von den in der EU anerkannten Methoden abweichen", sagte Wissing. Seehofer habe mit seinen Äußerungen sehr hohe Erwartungen geweckt, indem er angekündigt habe, er werde das Abkommen zum Weinhandel mit den USA stoppen. Nun müsse er sich an seinen Taten messen lassen.



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