Wie Hedgefonds funktionieren Rendite-Hatz im Steuerparadies

Teufelszeug oder Königsklasse? An Hedgefonds scheiden sich die Geister. Viele Anleger glauben, alle Hedgefonds seien hochspekulativ und eine Gefahr für das Weltfinanzsystem. Das stimmt nur sehr bedingt - ein Blick auf die wichtigsten Strategien der Renditejäger.

Von Christopher Nachtweh


366 Prozent im Jahr 2006, im Schnitt 80 Prozent pro Jahr seit Auflegung im September 2001: Manager wie Kenneth Hung und Eddie Wong mit ihrem Trophy Funds prägen mit spektakulärer Performance das Bild von Hedgefonds ebenso sehr wie die nicht minder spektakuläre Pleite des Hedgefonds Amaranth Advisors im Herbst vergangenen Jahres. Hedgefonds gelten den meisten Anlegern als hochspekulative Produkte, die zwar Traumergebnisse liefern, aber auch zum Absturz eines Portfolios oder gleich des gesamten Finanzsystems führen können. Das Bild, das Anleger von den Fonds haben, stimmt dabei nur begrenzt: Spektakuläre Spekulationen sind die Ausnahme in der Welt der Hedgefonds.

Finanzmarkt (in New York): Relativ junge Anlageklasse mit zwei Billionen Dollar Vermögen
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Finanzmarkt (in New York): Relativ junge Anlageklasse mit zwei Billionen Dollar Vermögen

Das Ziel: Hedgefonds dienen meist eher dazu, ein klassisches Aktien- und Rentenportfolio zu stabilisieren, als dessen Erträge zu steigern. Sie bündeln wie traditionelle Investmentfonds das Geld vieler Anleger, um es gewinnbringend an den Kapitalmärkten anzulegen. Ziel der meisten Manager sind dabei nicht besonders hohe, sondern von der allgemeinen Entwicklung an den Kapitalmärkten unabhängige Erträge. Hedgefonds werden daher auch als Absolute-Return-Fonds klassifiziert.

Der Anfang: Die noch relativ junge Anlageklasse geht zurück auf ein Portfolio des amerikanischen Soziologen und Finanzjournalisten Alfred W. Jones. Um sich gegen die Schwankungen des Aktienmarkts abzusichern (englisch "to hedge": absichern), setzte er gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse. Auf einen fallenden Aktienkurs spekulierte er, indem er sich Aktien lieh, die er sofort verkaufte (Leerverkauf). Um die Aktien zurückgeben zu können, musste er sie später zurückkaufen – war der Kurs tatsächlich gesunken, zahlte er weniger, als er zuvor eingenommen hatte.

Die Branche: Mittlerweile gibt es mehr als 9000 Hedgefonds, die zusammen ein Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar verwalten. Noch immer verfolgt ein großer Teil der Hedgefonds-Manager eine Long-Short-Strategie wie Jones. Doch längst nicht alle Hedgefonds sind überhaupt an den Aktienmärkten aktiv. Die Manager setzen auf Anleihen, Währungen, Rohstoffe und andere Anlageklassen, die an irgendeinem Finanzmarkt gehandelt werden.

Die Strategien: Die einzelnen Hedgefonds-Strategien unterscheiden sich stark voneinander. Das führt dazu, dass es den klassischen Hedgefonds nicht gibt. Hedgefonds ist nur der Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte, die einige Gemeinsamkeiten haben.

Die Regulierung: Ein wesentliches Merkmal der Fonds ist ihre gegenüber traditionellen Fonds viel größere Freiheit. Hedgefonds werden von den Aufsichtsbehörden kaum reguliert. Über die Hälfte der Fonds ist ohnehin in Staaten wie den Cayman Islands oder den British Virgin Islands registriert, die den Managern keine Vorschriften machen und als Steuerparadiese gelten. Doch auch in den USA und Europa aufgelegte Fonds genießen große Freiheiten.

Reguliert ist fast ausschließlich der Zugang zu den Produkten: Die meisten Fonds dürfen keine Werbung machen und nicht öffentlich vertrieben werden. Damit wollen die Aufsichtsbehörden Anleger vor den häufig komplexen Produkten schützen. Hedgefonds-Manager müssen nur begrenzt Rechenschaft über die Positionen in ihren Portfolios abgeben und den Preis ihrer Fondsanteile nicht täglich, sondern nur in größeren Zeitabständen berechnen. Sie können eine Mindesthaltedauer festlegen und frei entscheiden, wann und wie häufig sie Anteile ausgeben und zurücknehmen.

Das Handwerkszeug: Vor allem aber dürfen Hedgefonds-Manager Strategien einsetzen, die den Managern traditioneller Fonds nicht oder nur sehr begrenzt offen stehen. Sie können Papiere kaufen, die die Manager klassischer Fonds gar nicht oder nur in engen Grenzen einsetzen dürfen, etwa komplexe Derivate und nicht an einer Börse gehandelte Wertpapiere.

Zwei der wichtigsten Werkzeuge sind bis heute der Leerverkauf und der Einsatz eines Hebels: Oft leihen sich Hedgefonds Geld von Banken, das sie zusätzlich zu ihren eigenen Mitteln an den Kapitalmärkten investieren. Mit einem solchen Hebel steigern sie die Wertentwicklung, allerdings häufig auch das Risiko.

Die Kosten: Hedgefonds-Manager lassen sich das Fondsmanagement gut bezahlen. Außer einer fixen Managementgebühr kassieren sie in der Regel eine erfolgsabhängige Gebühr. Üblich sind zwei Prozent des Fondsvolumens als Fixum plus 20 Prozent des Wertzuwachses – eine Kombination, die in der Branche unter 2/20 bekannt ist. Besonders erfolgreiche Manager nehmen noch mehr.

Die Risiken: Hebel, Leerverkäufe, komplexe Instrumente, dazu hohe Kosten – wie schwankungsanfällig und risikoreich ein einzelner Fonds ist, ist für Laien häufig nicht einzuschätzen. Zumal viele Manager ihre Strategien im Verborgenen umsetzen und nicht bereit sind, detaillierte Auskünfte über ihren Managementstil zu erteilen. Die Manager haben zwar den Anspruch, unabhängig von den Entwicklungen an den Finanzmärkten Erträge zu erwirtschaften. Aber nicht alle Strategien entwickeln sich in jeder Marktphase positiv.

Dachfonds: Hedge-Dachfonds haben sich in den vergangenen Jahren etabliert. Sie investieren in Hedgefonds und verteilen dabei die Risiken auf verschiedene Strategien und Manager. Ziel ist es, sowohl die jeweils attraktivsten Strategien als auch die am meisten versprechenden Einzelfonds für diese Strategien zu identifizieren. Viele institutionelle Investoren überlassen es in dem unübersichtlichen Markt lieber einem Dachfondsmanager, die richtigen Fonds auszuwählen. Auch für Privatanleger sind Dachfonds eine Einstiegsmöglichkeit. Aufgrund der breiteren Streuung auf verschiedene Einzelfonds sinkt das Risiko deutlich. Und durch den Strategie-Mix bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, tatsächlich absolute Erträge zu erwirtschaften. Allerdings potenzieren sich durch den Dachfondsmanager die ohnehin hohen Kosten.

Produkte für Privatanleger: Seit 2004 können Privatanleger in Deutschland offiziell Hedgefonds kaufen. Öffentlich vertrieben werden dürfen allerdings nur Dachfonds. Nur für sie darf Werbung gemacht werden, und nur sie dürfen den Kunden von Banken oder Fondsgesellschaften aktiv empfohlen werden.

Das Spektrum der Dachfonds mit einer Vertriebszulassung für den deutschen Markt ist sehr überschaubar. Nachdem einige Fondsgesellschaften ihre Produkte wegen mangelnden Erfolgs und Anlegerinteresses bereits wieder vom Markt genommen haben, können Anleger gerade noch zwischen sechs Dachfonds wählen. Wirklich überzeugt haben aber auch diese Produkte bislang nicht.

Eine Alternative zum streng regulierten Fondsmarkt sind Zertifikate. Bereits seit 2000 bieten Zertifikatehäuser Papiere auf Hedgefonds an. Außer Dachfonds bilden sie auch einzelne Hedgefonds ab; zudem gibt es Zertifikate auf Hedgefonds-Körbe, auf breite Hedgefonds-Indizes und ihre Subindizes, die einzelne Strategien abbilden.



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