Wiederaufbau-Politik Die Ultra-Kurz-Hilfe der USA

Der Wiederaufbau des Irak hat nicht ernsthaft begonnen, da sorgt sich Amerikas Regierung schon wegen der hohen Ausgaben. Der Chef der US-Hilfsbehörde findet, das Land solle die Renovierung der zerbombten Infrastruktur bald selbst finanzieren - und im Übrigen könne Deutschland einen Teil der Kosten tragen.


Bombentrichter in Badgad: Durchaus kein Dritte-Welt-Land?
AP

Bombentrichter in Badgad: Durchaus kein Dritte-Welt-Land?

Washington - Zwei Jahre, mehr auf keinen Fall. Diese Deadline für ein Ende der Hilfsfinanzierung hat der Chef der für humanitäre Aufgaben zuständigen US-Behörde USAID nun in Washington verkündet. Nach Möglichkeit solle das Engagement noch früher beendet werden, sagte Andrew Natsios.

Anders als nach dem Krieg in Afghanistan, wo Hilfsprogramme für einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren veranschlagt wurden, könnten die humanitären Hilfen im Irak vielleicht gar in nur einem Jahr abgewickelt sein, so der USAID-Chef. Die USA wollen für die Irak-Hilfe in diesem Jahr 2,5 Milliarden Dollar bereitstellen. Natsios zufolge handelt es sich um eine Überbrückungsfinanzierung bis zur Etablierung einer neuen, demokratischen Regierung.

Der Irak verfüge über potenziellen Reichtum und sei deshalb durchaus kein Dritte-Welt-Land, so Natsios' These. In den kommenden Jahren könne das Land durch Ölverkäufe zwischen 18 und 20 Milliarden Dollar jährlich einnehmen und so die Entwicklung zu einem "Mittelklasse-Land" aus eigener Kraft vorantreiben.

Beim Wiederaufbau werde USAID im Irak auch mit kompetenten Technokraten aus den Reihen der Baath-Partei des verschwundenen Präsidenten Saddam Hussein zusammenarbeiten. Einzige Ausnahme seien Personen, denen Grausamkeiten an der eigenen Bevölkerung oder Kriegsverbrechen zur Last gelegt würden. Viele tüchtige Leute hätten sich der Baath-Partei angeschlossen, weil sie dazu gezwungen gewesen seien, sagte Natsios, sie hätten aber keine Verbrechen begangen.

Inzwischen halten die USA bereits Ausschau nach Mitfinanzierern der Wiederaufbauhilfe. Natsios nannte neben der Türkei, Saudi-Arabien, den Golf-Staaten und Japan auch Deutschland als potenzielles Geberland. Es lägen bereits Zusagen im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar vor.



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