Wiener Affäre: Finanzminister wegen Yachturlaubs mit Bankier unter Beschuss

Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser gehörte schon immer zu den umstritteneren Politikern seines Landes. Nun sieht er sich wieder heftigen Vorwürfen ausgesetzt – wegen eines Yachturlaubs auf dem Schiff eines Bankiers.

Wien – Der parteilose Grasser bestätigte heute im Österreichischen Rundfunk (ORF), er habe vergangenen August eine Yacht-Reise vor der kroatischen Küste gemacht. Gastgeber war der Vorstand der in Familienbesitz stehenden Meinl Privatbank, Julius Meinl.

Grasser mit Gattin Fiona Swarovski beim Opernball: Opposition fordert Rücktritt
DPA

Grasser mit Gattin Fiona Swarovski beim Opernball: Opposition fordert Rücktritt

Der Kurzurlaub des Ministers schlägt in Österreich auch deshalb hohe Wellen, weil sich neben Meinl auch der frühere Bankmanager Wolfgang Flöttl an Bord der Yacht befand. Gegen Flöttl ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag.

Die oppositionellen Sozialdemokraten (SPÖ) und die Grünen forderten daher den Rücktritt des Ministers. Grasser betonte, er habe sich ans Gesetz gehalten. "Die Rücktrittsaufforderungen lassen mich völlig unberührt."

Der Bankier Flöttl verwaltete von 1995 bis 2000 mehrere Fonds der Bawag. Durch Spekulationsgeschäfte in der Karibik häufte die viertgrößte Bank des Landes in diesen Jahren 1,9 Milliarden Euro Verlust an. Als Finanzminister ist Grasser für die Bankenaufsicht verantwortlich. Er kann einen der beiden Vorstände und drei von sechs Mitgliedern des Aufsichtsrates der Finanzmarktaufsicht (FMA) bestellen. Die FMA ist in ihrer Arbeit aber unabhängig.

Die SPÖ sagte zum Kontakt von Grasser und Flöttl, es sei in jedem Fall aufklärungsbedürftig, wenn der Leiter der Aufsichtsbehörde den Hauptverdächtigen in einem der größten Bankenskandale treffe. In jeder entwickelten Demokratie werde zudem Alarm ausgelöst, wenn der Finanzminister und Chef der FMA sich von einem Bankier auf dessen Yacht einladen lasse und mit ihm schöne Tage in der Adria verbringe, sagte der Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Norbert Darabos. Der Vorfall sei Grund genug, dass Grasser seinen Posten räume.

Grasser: Das Treffen mit Flöttl war Zufall

Grasser sagte im Interview zu dem ORF-Reporter: "Wenn Sie mir sagen, was an einem Abendessen und eineinhalb oder zwei Tagen unvereinbar sein soll? Ich stelle mir diese Fragen immer und ich bin sicher, dass es vereinbar ist." Das Zusammentreffen mit Flöttl auf der Yacht sei zufällig gewesen. Von Flöttls Anwesenheit habe er zuvor nicht gewusst. Er behalte sich wegen der Angriffe auf ihn rechtliche Schritte vor, sagte Grasser.

In Deutschland war der frühere Bundesbankchef Ernst Welteke 2002 zurückgetreten, nachdem er hatte einräumen müssen, dass die Dresdner Bank den Aufenthalt seiner Familie im Berliner Luxushotel Adlon bezahlt hatte. Die Rechnung hatte sich auf 7661 Euro belaufen.

itz/Reuters

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