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Wirtschaftskrise: Amerikanische Autoindustrie will unter Rettungsschirm schlüpfen

Die Absätze brechen ein, und das Geld wird knapp: Die amerikanische Autoindustrie will staatliche Hilfen aus dem Bankenrettungspaket in Anspruch nehmen - und erhält prominente Unterstützung: In einem Brief an Finanzminister Paulson fordern die demokratischen Spitzenpolitiker Pelosi und Reid diese Unterstützung.

Washington/Detroit - Es war ein ungewöhnlicher Name für ein ungewöhnliches Projekt: "Blau" hieß das Team, das man beim US-Autobauer Ford schon im Jahr 2000 zusammenstellte, um kleine, energieeffiziente Konkurrenzmodelle gegen die Übermacht japanischer Anbieter zu entwickeln. Aus dem Projekt ist nichts geworden - weil man sich damals nicht vorstellen konnte, dass es je Zeiten geben würde, in denen sich die spritschluckenden Großfahrzeuge wie Pick-ups oder SUVs nicht mehr verkaufen lassen.

Mehrheitsführerin Pelosi: "Finanzkrise gefährdet unsere heimische Industrie"
REUTERS

Mehrheitsführerin Pelosi: "Finanzkrise gefährdet unsere heimische Industrie"

Doch die Zeiten haben sich geändert: Der Benzinpreis in den USA hat sich verdreifacht, die Finanzkrise hat den Verkauf amerikanischer PKW drastisch einbrechen lassen - und das trifft die amerikanische Autoindustrie so sehr, dass die demokratische Parteispitze im Kongress jetzt drastisch eingreifen will: In einem Brief an den US-Finanzminister Henry Paulson fordern Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, und der Fraktionsvorsitzende im Senat, Harry Reid, das Banken-Rettungspaket im Wert von 700 Milliarden Dollar auch auf die Autoindustrie auszuweiten.

"Eine funktionierende Automobilindustrie ist grundlegend für die Stabilisierung des Finanzmarkts, das Funktionieren unserer Wirtschaft und für die Existenz der Arbeiter in der Autobranche", heißt es in dem Brief. "Der wirtschaftliche Abschwung und die Finanzkrise gefährden unsere heimische Industrie und damit auch die Menschen."

Diskussion über weitere Programme

Die Regierung wollte sich bislang nicht direkt dazu äußern, ob auch die drei großen Automobilhersteller einen Teil der 700 Milliarden Dollar in Anspruch nehmen können. Das Finanzministerium arbeite daran, die verbleibenden Gelder so effizient wie möglich zu verteilen und damit den Kreditmarkt wieder in Bewegung zu bringen, sagte Sprecherin Brookly McLaughlin lediglich.

Es wäre nicht die erste staatliche Hilfe: Die Autohersteller haben auch den Kongress schon um Kredite in Höhe von 50 Milliarden Dollar gebeten, um die wirtschaftlich schweren Zeiten zu überleben und genügend Geld für Rentenzahlungen ehemaliger Mitarbeiter zu haben. Am Dienstag wollen sich die Manager von General Motors Chart zeigen(GM), Ford Chart zeigen, Chrysler und der führenden Autogewerkschaft mit Abgeordneten des Kongresses treffen und das Hilfsprogramm diskutieren.

Schon im September hatte der Kongress 25 Milliarden an Krediten gebilligt, um die Umrüstung auf energieeffizientere Autos zu unterstützen. "Diese Treffen haben uns davon überzeugt, dass unsere Automobilindustrie - das Herz unserer produzierender Wirtschaft - und die Arbeitsplätze von Zehntausenden Amerikanern in Gefahr sind", heißt es in dem Brief an Paulson weiter. Der größte Autohersteller GM hatte am Freitag davor gewarnt, dass ihm bis zum Ende des Jahres das Geld ausgehen könnte.

sam/AP

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