Wirtschaftskrise Auftragseingang im Maschinenbau bricht dramatisch ein

Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau ist im Februar noch stärker eingebrochen als in den Vormonaten. Im vergangenen Monat lagen die Bestellungen 49 Prozent unter dem Vorjahresniveau, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau mit.


Frankfurt am Main - Die Lage bei den ohnehin angeschlagenen deutschen Maschinenbauern hat sich dramatisch verschlechtert. Im Februar halbierten sich die Bestellungen. Der Branchenverband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat daraufhin seine Jahresprognose abermals gesenkt. Nun werde mit einem Produktionsrückgang von zehn bis 20 Prozent gerechnet, teilte der Verband VDMA am Mittwoch in Frankfurt mit.

Arbeiter im Maschinenbau: Unklar, ob Investoren wieder Vertrauen finden
DPA

Arbeiter im Maschinenbau: Unklar, ob Investoren wieder Vertrauen finden

"Natürlich ist die Tatsache, dass wir unsere Prognose bereits nach sechs Wochen wieder zurücknehmen müssen, auch für uns extrem unbefriedigend", räumte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse ein. "Doch der dramatische Rückgang von Auftragseingang und auch Umsatz lässt uns keine andere Wahl." Der Rückgang der Bestellungen von real 49 Prozent im Februar war der schlimmste, den die Branche jemals gesehen hat.

Nach den jüngsten Daten sank die Inlandsnachfrage um 45 Prozent, die Nachfrage aus dem Ausland sogar um 50 Prozent. Der Maschinenbau ist mit 975.000 Angestellten einer der größten Industriezweige in Deutschland. Schätzungen des VDMA zufolge werden im Laufe des Jahres rund 25.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz in der Branche verlieren. Allerdings, betonte der Verband, hätten die Unternehmen in den vergangenen fünf Boomjahren auch Zehntausende neuer Arbeitsplätze geschaffen.

Noch im Herbst hatten die Maschinenbauer damit gerechnet, die Produktion 2009 stabil halten zu können. Zu Jahresbeginn gingen sie dann von einem Rückgang der Produktion um sieben Prozent aus. "Da nach wie vor unklar ist, ob und wann die Investoren wieder Vertrauen finden, haben wir uns entschlossen, mit einer Bandbreite zu arbeiten", begründete Hesse die ungewöhnliche Entscheidung. Binnen drei Monaten sind die Aufträge um 44 Prozent zurückgegangen, in einzelnen Betrieben gibt es mittlerweile mehr Stornierungen als Bestellungen.

Das entscheidende Problem sei die Finanzierung und Liquidität, sagte Hesse. Er forderte die Politik auf, die steuerlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, um etwa den Einstieg eines Investors in ein sanierungsbedürftiges Unternehmen attraktiver zu machen. Ziel müsse es letztlich sein, so Hesse, den Unternehmen ihr eigenes Geld zurückzugeben. "Sie werden so in ihren Bemühungen unterstützt, diese Krise aus eigener Kraft zu meistern."

kaz/dpa/dpa-AFX/AP



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