Wirtschaftskrise Automarkt in den USA bricht dramatisch ein

Der November wurde in den USA zum Horrormonat für Autobauer: Die Verkaufszahlen von Chrysler und General Motors stürzen ab, auch die Konkurrenten verlieren im Vergleich zum Vorjahr dramatisch. Verzweifelt bitten die Konzerne die US-Regierung um milliardenschwere Soforthilfe.


New York - Die Talfahrt hält an: Zahlreiche Autohersteller mussten auch im November drastische Einbußen beim Verkauf in den USA hinnehmen. Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) hat im November in den USA erneut einen kräftigen Absatzeinbruch erlitten. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sei um 41 Prozent auf 154.877 Stück zurückgegangen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Detroit mit. Die Zahl der verkauften Pkw sank danach um 44 Prozent auf 58.786 Fahrzeuge, außerdem wurden mit 96.091 Stück 39 Prozent weniger Lastwagen als im Vorjahreszeitraum verkauft.

Noch schlechter sehen die Zahlen von Chrysler aus. Der Autobauer meldete einen Rückgang der Verkaufszahlen im November von 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Pkw-Absatz sank demnach um 59 Prozent, der Lkw-Absatz um 42 Prozent.

Ford-Händler in den USA: Absatz ist um 30 Prozent eingebrochen
DPA

Ford-Händler in den USA: Absatz ist um 30 Prozent eingebrochen

Auch der US-Autoriese Ford gab bekannt, dass 30 Prozent weniger Pkw verkauft worden seien als ein Jahr zuvor. Die Verkäufe seien im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 123.222 Fahrzeuge gefallen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Dearborn mit. Während der Absatz der Marke Volvo um 46,5 zurückging und sich damit fast halbierte, lag das Minus bei den Marken Ford, Lincoln und Mercury insgesamt bei 29,8 Prozent.

GM braucht noch im Dezember vier Milliarden, Chrysler sieben

Verzweifelt versuchen die großen US-Autobauer angesichts der dramatischen Zahlen, ihr Überleben zu sichern: GM benötigt nach eigenen Angaben zur Sicherung seiner Existenz von der US-Regierung bis Ende März ein Darlehen von 12 Milliarden Dollar. Die ersten vier Milliarden Dollar würden noch diesen Monat vom Kongress gebraucht, erklärte der Vorstand des operativen Geschäfts (COO), Fritz Henderson, der zugleich warnte: "Es gibt keinen Plan B." Außerdem wolle GM zusätzlich zu dem Darlehen von 12 Milliarden Dollar eine Kreditlinie von weiteren 6 Milliarden, falls sich die Lage weiter verschlechtere.

Chrysler bat am Dienstag um einen 7-Milliarden-Dollar-Übergangskredit bis zum Jahresende, um den brutalen Einbruch bei den Verkaufszahlen aufzufangen.

Zuvor hatte bereits der Konkurrent Ford mitgeteilt, man werde den US-Kongress um eine 9-Milliarden-Dollar-Absicherung bitten. Ford-Chef Alan Mulally sagte am Dienstag, Ford werde um ein Darlehen von 9 Milliarden Dollar durch die Regierung bitten, das Geld aber möglicherweise nicht brauchen. Mulally betonte, er wolle für nur einen Dollar im Jahr arbeiten, wenn Ford Hilfsgelder von der Regierung annehmen müsse.

Ford, GM Chart zeigenund der dritte große Autobauer Chrysler unternehmen in dieser Woche einen neuen Anlauf, an Staatsgelder von 25 Milliarden Dollar zu kommen, um ihr Überleben zu sichern. Vor 14 Tagen waren sie von den Abgeordneten abgewiesen worden, weil sie keine konkreten Vorschläge für die Sanierung vorzuweisen hatten.

Auch deutsche Autobauer verlieren drastisch

Die Krise trifft auch die deutschen Autobauer hart: Bei BMW Chart zeigen ging die Zahl der verkauften Fahrzeuge 26,8 Prozent auf 19.762 Fahrzeuge zurück, wie das Unternehmen mitteilte. Seit Jahresbeginn sank der Absatz um 6,8 Prozent auf 281.564 Einheiten. Von der Marke BMW wurden mit 15.217 Fahrzeugen im November 36,1 Prozent weniger verkauft. Die Nachfrage nach Kleinwagen war hingegen ungebrochen: Die Marke Mini verzeichnete mit einem Plus von 43,1 Prozent auf 4545 Fahrzeuge.

Konkurrent Daimler Chart zeigen verkaufte im November ebenfalls deutlich weniger Fahrzeuge als im Vorjahr. Der Absatz sei insgesamt um 29,9 Prozent auf 15.991 Autos zurückgegangen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Ohne die Einführung der Marke Smart wäre der Rückgang noch stärker ausgefallen. Der Smart wird erst seit Januar in den USA verkauft und kam im November auf 1889 verkaufte Exemplare.

Porsche Chart zeigen erlitt ebenfalls einen markanten Absatzeinbruch. Die Auslieferungen seien um 46 Prozent auf 1493 Fahrzeuge gesunken, teilte das Unternehmen mit. Davon seien 1.378 Fahrzeuge auf den US-Markt entfallen. Von der Baureihe Cayenne wurden mit 781 Fahrzeugen 40 Prozent weniger ausgeliefert als ein Jahr zuvor. Auch der Absatz von Volkswagen Chart zeigen schrumpfte: Die Verkäufe seien binnen Jahresfrist um 19,2 Prozent auf 14.295 Einheiten gesunken, teilte Volkswagen of America mit. Seit Jahresbeginn gingen die Verkaufszahlen um 2,1 Prozent zurück.

Ebenso verzeichnete Toyota Chart zeigen drastische Einbußen: Der US-Absatz des japanischen Autobauers Toyota Motor brach im November um ein Drittel ein. Im abgelaufenen Monat seien in den USA mit 130.307 Fahrzeugen 33,9 Prozent weniger verkauft worden als im Vorjahr. Die Marke Toyota verzeichnete ein Minus von 33,8 Prozent auf 114.084 Stück, der Absatz der Marke Lexus ging um 34,7 Prozent auf 16.223 Stück zurück.

Die Verkaufszahlen der Volkswagen-Tochter Audi sanken im November in den USA im Vergleich zum Vorjahr um 25,4 Prozent auf 6.788 Stück. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Herndon mit. Im Oktober hatte sich Audi noch gegen den negativen Trend stemmen können und ein leichtes Absatzplus verbucht. Seit Jahresanfang verzeichnete Audi ein Absatzminus von 5,8 Prozent auf 80.048 Stück

Insgesamt signalisieren die Zahlen einen branchenweiten deutlichen Rückgang an Neuwagen-Käufen angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise in den USA hin. Im Oktober wurden in den USA 10,6 Millionen Fahrzeuge verkauft, das war der schlechteste Wert seit mehr als 25 Jahren und lag deutlich unter den 16 Millionen Fahrzeugen 2007, wie das Marktforschungsunternehmen Autodata mitteilte. Viele Analysten hatten mit Blick auf die umfangreichen Werbe- und Verkaufsaktionen und dem zurückgehenden Benzinpreis mit etwas besseren Zahlen im November gerechnet.

cvk/phw/AP/Reuters/ddp



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