Wirtschaftskrise: Deutsche Industrie bekommt mehr Aufträge

Hoffnung in der Konjunkturflaute: Der Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie ist im März überraschend gestoppt worden. Das Allerschlimmste könnte überstanden sein, vermuten Analysten. Ein nachhaltiger Aufschwung sei aber nicht in Sicht.

Berlin - Die deutsche Industrie hat im März zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder mehr Aufträge erhalten. Die Bestellungen stiegen im Vergleich zum Vormonat preis- und saisonbereinigt um 3,3 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag auf der Basis vorläufiger Daten mitteilte. Analysten zeigten sich positiv überrascht, zuvor hatten sie mit einem Minus zwischen 0,2 und 0,6 Prozent gerechnet, nachdem es im Februar einen Rückgang von 3,1 Prozent gegeben hatte.

Siemens-Werk in Berlin: Die deutsche Industrie bekam mehr Aufträge aus dem Ausland
Getty Images

Siemens-Werk in Berlin: Die deutsche Industrie bekam mehr Aufträge aus dem Ausland

Das Ministerium sieht allerdings keinen Grund für übertriebenen Optimismus. Die seit September 2008 erlittenen Einbußen seien "noch längst nicht ausgeglichen". "Die jüngsten Zahlen zeigen aber, dass der bisher ungebrochene Absturz der Bestellungen sich fängt und Hoffnung auf eine Normalisierung wachsen kann", hieß es.

Dass die Industrie mit ihren zahlreichen Weltmarktführern noch immer stark unter der weltweiten Wirtschaftskrise leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresmonat. Hier sanken die Bestellungen um 26,7 Prozent. Auch im Zweimonatsvergleich (Februar/März im Vergleich zu Dezember/Januar) gab es ein bereinigtes Minus von 4,9 Prozent.

Vor allem die Auslandsnachfrage nahm im März mit 5,6 Prozent kräftig zu. Dazu hätten Großaufträge beigetragen, hieß es. Die Aufträge aus dem Inland stiegen um 1,1 Prozent. Dazu dürfte auch die staatliche Abwrackprämie für Altautos beigetragen haben, die die Autoproduktion angekurbelt hat. Alle drei großen Industriebereiche meldeten Zuwächse. Das größte Plus gab es bei den Herstellern von Autos, Maschinen und anderen Investitionsgütern mit 4,9 Prozent. Die Produzenten von Vorleistungsgütern wie Verpackungen erhielten 1,6 Prozent mehr Aufträge. Die Konsumgüterindustrie meldete ein Plus von 1,5 Prozent.

Experten sind positiv überrascht von dem Ergebnis: "Das ist ein Silberstreif am Horizont, der auf eine Stabilisierung der Industriekonjunktur im zweiten Halbjahr hoffen lässt", sagte Volker Treier, Chefvolkswirt vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die kommenden Monate blieben aber schwierig. Die Commerzbank erwartet, dass die Produktion im Frühjahr weiter schrumpft und sich das Auftragsplus erst im zweiten Halbjahr bemerkbar macht.

"Herauszuheben sind besonders die Kapitalgüteraufträge aus dem Ausland. Wir schließen aus diesen Daten, dass wir möglicherweise das Allerschlimmste überstanden haben", sagt Heinrich Bayer von der Postbank. Er gehe allerdings nicht davon aus, dass die Bestelltätigkeit von Monat zu Monat steigen wird.

Ein nachhaltiger Aufschwung sei nicht in Sicht, glaubt auch Thomas Amend von der HSBC Trinkhaus. Im ersten Quartal dürften wir den Tiefpunkt der Konjunkturentwicklung gesehen haben, vermutet er. Torge Middendorf von der WestLB zeigt sich optimistisch: Er glaube zwar, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal noch schrumpfe, allerdings nicht mehr so stark wie im ersten Quartal. "Für 2010 rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent", sagt er.

wie/Reuters/ddp/dpa

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