Wirtschaftskrise Export bricht so stark ein wie seit 16 Jahren nicht mehr

Die deutsche Wirtschaft hängt extrem von den Exporten ab - jetzt sind die Ausfuhren im Januar erneut eingebrochen, um 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zum vierten Mal in Folge. So deutlich war der Rückgang zuletzt 1993.


Berlin - Der Rückgang war erwartet worden - allerdings nicht ganz so deutlich: Die deutschen Exporte gingen im Januar kalender- und saisonbereinigt um 4,4 Prozent im Vergleich zum Dezember zurück. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Es war bereits das vierte Minus in Folge. Experten hatten einen Rückgang von vier Prozent vorausgesagt. Die Einfuhren nahmen um 0,8 Prozent im Vergleich zum Dezember ab.

Angestellter bei Siemens: Exportverband rechnet mit Umsatzrückgang
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Angestellter bei Siemens: Exportverband rechnet mit Umsatzrückgang

Im Vergleich zum Vorjahresmonat verkauften die Unternehmen insgesamt Waren im Wert von 66,6 Milliarden Euro ins Ausland - und damit 20,7 Prozent weniger als im Januar 2008. "Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 1993 mit minus 21,4 Prozent", sagte ein Statistiker. Insgesamt wurden Waren im Wert von 58,1 Milliarden Euro importiert. Das waren 12,9 Prozent weniger als im Januar 2008.

Wegen der weltweiten Nachfrageflaute rechnet der Exportverband BGA für 2009 mit einem Umsatzrückgang von bis zu acht Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Gründung der Bundesrepublik 1949.

Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer hat Lohnsenkungen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise allerdings strikt abgelehnt. Nach dem Wegbrechen der Exporte sei nun die Nachfrage im Inland ausschlaggebend, sagte Neugebauer der "Passauer Neuen Presse": "Jetzt rettet uns nur noch die Inlandsnachfrage. Wir brauchen Kaufkraft. (...) Es wäre die größte Dummheit aller Zeiten, jetzt auch noch Löhne abzusenken."

Auch in Frankreich ist die Industrieproduktion im Januar viel stärker als erwartet gesunken. Auf Monatssicht sei die Produktion um 3,1 Prozent zurückgegangen, teilte die Statistikbehörde INSEE in Paris mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang in Höhe von 0,6 Prozent gerechnet. Im Vormonat war die Produktion um revidiert 1,5 (zunächst 1,8) Prozent zurückgegangen.

sam/Reuters/dpa-AFX/AP



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