Wirtschaftskrise Exporteure erwarten schlimmstes Jahr seit 1949

Die Nachfrage im Ausland bricht ein: Die Ausfuhrwirtschaft befürchtet 2009 die stärkste Schrumpfung ihres Geschäfts seit Gründung der Bundesrepublik. Exportweltmeister könnte Deutschland trotzdem werden - weil Chinas Exporteure noch stärker unter der Krise leiden.


Berlin - Der deutschen Ausfuhrwirtschaft droht ein Horrorjahr: "Wir rechnen 2009 mit einem Exporteinbruch von bis zu acht Prozent", sagte Anton Börner, Präsident des deutschen Außenhandelsverbandes BGA, dem "Handelsblatt".

Siemens-Produktion: Deutschland könnte trotz Krise Exportweltmeister werden
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Siemens-Produktion: Deutschland könnte trotz Krise Exportweltmeister werden

Mit Blick auf 2010 sieht er aber nicht mehr ganz so schwarz für das deutsche Auslandsgeschäft. Dann würden die Schwellenländer die deutschen Exporteure wieder kräftig stützen, 2010 sei von leicht positiven Wachstumsraten auszugehen. "In Ländern wie China und Indien ist der soziale Druck viel zu groß, als dass sie es sich leisten könnten, nicht zu wachsen", fügte er hinzu.

So könnte Deutschland trotz Krise noch Exportweltmeister werden: China leidet Börners Auffassung nach viel stärker unter der weltwirtschaftlichen Konjunkturschwäche als Deutschland, weil das asiatische Land vor allem Konsumgüter exportiere und deren Nachfrage nun sehr stark zurückgehen dürfte. 2008 konnte sich Deutschland den Titel des Exportweltmeisters trotz der Wirtschaftskrise knapp vor China sichern: Die positive Jahresbilanz ist jedoch nur auf die Zuwächse in den ersten drei Quartalen zurückzuführen.

Dennoch verdüstern sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft zunehmend: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte am Montag ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent zum Vorquartal voraus - verglichen zum Vorjahreszeitraum würde das Bruttoinlandsprodukt damit um 4,5 Prozent zurückgehen. Noch nie in der deutschen Nachkriegsgeschichte hatte es einen derart starken Rückgang zu einem Vorjahresquartal gegeben.

Damit dürfte auch im gesamten Jahr das Minus größer ausfallen als bislang angenommen und ebenfalls einen Negativrekord markieren. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Münchner Ifo-Institut erwägen angesichts der jüngsten schlechten Daten ihre Prognosen zu senken.

Im vierten Quartal 2008 war die Wirtschaft mit 2,1 Prozent noch stärker geschrumpft als von Experten angenommen. Vor allem der Einbruch der Exporte und das kräftige Minus bei den Investitionen waren für den historischen Konjunktureinbruch verantwortlich. Zum Jahresauftakt sei damit zu rechnen, dass das produzierende Gewerbe sich weiter abkühle, teilte das DIW weiter mit.

Auch die Führungskräfte in Deutschland sind skeptisch: 74 Prozent der Top-Manager gehen davon aus, dass das Auslandsgeschäft in diesem Jahr stagnieren oder sich verschlechtern wird, fast jedes zweite Großunternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten erwartet spürbare Rückschläge. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos unter fast 800 Führungskräften im Auftrag des "Handelsblatt" und der Unternehmensberatung Droege & Comp. Knapp 60 Prozent der Befragten sind im Export tätig.

cvk/dpa-AFX/ddp/Reuters



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