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Wirtschaftsspionage-Verdacht: Pentagon prüft Ausschreibung für Tankflugzeug

Das US-Verteidigungsministerium hat offenbar eine Untersuchung eingeleitet, ob Pentagon-Insider dem Flugzeughersteller Boeing vorschriftswidrig geheime Details über ein Angebot des Erzrivalen Airbus verschafft haben. Zwischen Pentagon und dem Flugzeug-Riesen aus Seattle bestehen überaus vertrauensvolle Kontakte.

Pentagon: Seilschaften mit Boeing
Ken Hammond/ USAF

Pentagon: Seilschaften mit Boeing

Washington - Die Untersuchung soll sich laut "Financial Times" (FT) auf Darleen Druyun konzentrieren, eine einst einflussreiche Pentagonmitarbeiterin, die im US-Verteidiungsministerium für Materialbeschaffung zuständig war. Druyun hat mittlerweile im Boeing-Konzern eine Führungsposition inne.

Sie soll dem Bericht zufolge Boeing die Höhe des Angebots verraten haben, das Boeing-Erzrivale Airbus für einen lukrativen Vertrag über den Bau von Tankflugzeugen abgegeben hatte, als beide Flugzeug-Hersteller noch mit dem Pentagon verhandelten.

Die Untersuchung könnte sich noch ausweiten, berichtet die "FT" unter Berufung auf die Untersuchungsstelle im Pentagon. "Wenn wir genügend Beweise finden, werden wir die Angelegenheit zur Strafverfolgung an das Justizministerium weitergeben", sagte ein Sprecher.

Donald Rumsfeld: Kumpel bei Boeing
DPA

Donald Rumsfeld: Kumpel bei Boeing

Die Untersuchung ist ein weiterer Rückschlag für die Pentagon-Ausschreibung. Bereits John McCain, Vorsitzender des Senat-Wirtschaftsausschusses, hatte die Tank-Flugzeuge als unnötig kritisiert. Vielmehr solle der 21-Milliarden-Dollar-Deal Boeings kränkelnder 767 wieder zum Umsatzerfolg verhelfen, hatte er beklagt.

Die Vermutung ist nicht ganz unbegründet: Denn Boeing habe eine "geheime Waffe" in ihren Reihen, glaubt die "FT": Boeings künftiger Vize-Kommunikationschef Tod Hullin ist ein alter Kumpel von Rumsfeld. Der PR-Profi war unter Präsident Gerald Ford der Sprecher des heutigen US-Verteidigungsministers.

Jetzt veröffentlichte E-Mails deuten darauf hin, dass zwischen Druyun und Boeing eine überaus vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit bestand. In einer E-Mail vom 1. April 2002 berichten Boeing-Manager über ein Treffen mit der damaligen Pentagon-Angestellten Druyun. Sie habe "uns mehrmals berichtet", dass der Preis für den Tank-Airbus 5 bis 17 Millionen Dollar unter dem der Boeing 767 liege.

Eine weitere E-Mail spricht Bände: Während die Ausschreibung noch lief, teilten hochrangige Pentagon-Offizielle dem Flugzeugbauer aus Seattle mit, dass "nur Boeing die Anforderungen erfüllen kann". Airbus fehle Erfahrung und das Unternehmen sei technisch zurückgeblieben.

Boeing 767: Pentagon-Hilfe für ein kränkelndes Modell
AFP

Boeing 767: Pentagon-Hilfe für ein kränkelndes Modell

Boeing dementierte, jemals Informationen über das Airbus-Angebot bekommen zu haben. Man habe auch keine Kenntnis einer offiziellen Untersuchung des Falles. Airbus' Muttergesellschaft EADS sagte, das Pentagon habe sie ermutigt, weiter an der Entwicklung eines A330-Tankflugzeuges zu arbeiten. Man werde die Entwicklungen weiter sehr genau beobachten.

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