Arbeitszeitgesetz Wirtschaftsweiser hält Achtstundentag für "veraltet"

Ein lockereres Arbeitszeitgesetz: Dafür plädiert der Sachverständigenrat laut einem Bericht. Dass die Arbeit mit dem Feierabend ende, sei "veraltet", sagte der Chef der Wirtschaftsweisen.

Christoph Schmidt
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Christoph Schmidt


"Flexiblere Arbeitszeiten sind wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen", sagte der Vorsitzende der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, der "Welt am Sonntag". "Die Vorstellung, dass man morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet."

Bisher schreibt das Arbeitszeitgesetz vor, dass ein Arbeitnehmer in der Regel nicht mehr als acht Stunden am Tag arbeiten darf. Arbeitgeber fordern schon lange immer wieder, diese Vorgaben zu lockern.

Auch bei den Sondierungen für eine Jamaikakoalition ist das ein Streitpunkt. FDP und Union können sich vorstellen, das Arbeitszeitgesetz flexibler zu gestalten. Die Grünen sind allerdings bisher klar gegen eine Aufweichung täglicher Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten.

Auch die Gewerkschafter wehren sich dagegen: DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte laut "Welt", dass Arbeitsgesetz und Tarifverträge schon lange eine Fülle an flexiblen Möglichkeiten böten. Die Beschäftigten hätten unter anderem deswegen im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Überstunden geleistet - "die Hälfte davon unbezahlt".

Auch Wirtschaftsweise Schmidt ist sich des Problems bewusst: "Eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes darf nicht bedeuten, dass man heimlich die Arbeitszeit ausweitet", sagte er. "Es sollte lediglich darum gehen, die bestehende Arbeitszeit flexibler über den Tag und innerhalb der Woche zu verteilen."

lov

insgesamt 175 Beiträge
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frantonis 12.11.2017
1. Mit Industrie und Dienstleistung 4.0
werden einfache Arbeitsabläufe automatisiert und menschliche Arbeitskraft eingespart. Dies sollte der Anlass sein, über einen 7-Stunden-Tag nachzudenken.
CMES 12.11.2017
2. klare Grenzen sind notwendig
Ohne klare Grenzen gibt es keinen Schutz gegen übermäßige Arbeitszeiten und Regelungen zu Mehrarbeit etc. pp. Die Diskussionen über den Wirtschaftsstandort werden bereits seit 30 Jahren als Argument angebracht. Es reicht langsam, immer wieder die alte Rhetorik hervorzubringen. Der Arbeitstag hat heute schon bei vielen nicht mehr die regelmäßigen 8 h / Tag sondern effektiv 9 h - 10 h / Tag - im Rahmen der Höchstgrenze, die dauerhaft nicht überschritten werden sollte. Die Realität ist eine Abkehr von der 35 h / Woche - wo sie bereits eingeführt wurde. Selbst im öffentlichen Dienst, der mit 39 h für Angestellte und 41,5 h / Woche für BeamtInnen rechnet, entstehen horrende Überstunden. Wir brauchen keine flexibleren Arbeitszeiten sondern mehr Arbeitsstellen. Und die Erkenntnis, dass sich im Kapitalismus einfach nicht jeder alles leisten kann. Es ist notwendig die Arbeitszeiten im gesetzlich bestehenden Rahmen zu belassen. Wenn die Wirtschaft andere Zeiten aufgrund internationaler Geschäfte benötigt, dann muss sie eben global in den Ländern vor Ort sein, in dem sie Geschäfte abwickeln will und sich jeweils an die geltenden Arbeitszeitgesetze halten. Für den deutschen Arbeitsmarkt sehe ich keine Notwendigkeit Arbeitszeiten umzugestalten oder aufzulösen. Hier muss die Wirtschaft sich dem Arbeitszeitgesetz beugen, nicht das Gesetz zu ihren Gunsten umschreiben. Abgelehnt!
Zukunft3.0 12.11.2017
3.
Ich glaube, Herr Schmidt hat überhaupt keine Ahnung, was in manchen Betrieb gang und gäbe ist. Man nennt es moderne Sklaverei. Der Arbeitnehmer muss parat stehen, wenn der Arbeitgeber ruft. Der Alltag hat sich den Bedürfnissen der Arbeitgeber anzupassen. Wo leben wir eigentlich. Die Politik ist nur noch ausgerichtet auch die Unternehmen. Schön blöd, wer sich da noch Kinder anschafft. Für die Arbeitnehmer geht es nur noch rückwärts.
m82arcel 12.11.2017
4.
Ich halte den Achtstundentag ebenfalls für veraltet und denke, er sollte aufgrund stetig steigender Effizienz und Automatisierung auf maximal sechs Stunden reduziert werden - bei vollem Lohnausgleich und deutlicher Anhebung des Mindestlohns.
max-mustermann 12.11.2017
5.
"Dass die Arbeit mit dem Feierabend ende, sei "veraltet", sagte der Chef der Wirtschaftsweisen." Richtig genau so wie Gerechter Lohn für ordentliche Arbeit, Anstand, Moral und all der andere altmodiche Gutmenschen Kram. Oder mit anderen Worten die Wirtschaft wünscht sich das Feudalrecht zurück.
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