Kredit für Unternehmen Sibur Schnäppchen-Milliarden für Putins Schwiegersohn

Wer sich in Russland Geld leiht, muss mitunter hohe Zinsen zahlen - normalerweise. Eine Chemiefirma, an der Wladimir Putins Schwiegersohn beteiligt ist, soll nun 1,56 Milliarden Euro zu besonders günstigen Konditionen erhalten haben.

Putins Schwiegersohn Kirill Schamalow: Kaum Informationen über Familie
REUTERS

Putins Schwiegersohn Kirill Schamalow: Kaum Informationen über Familie


Über Wladimir Putins Schwiegersohn ist wenig bekannt. Kirill Schamalow soll die jüngste Tochter des russischen Präsidenten 2013 geheiratet haben, sein Vermögen soll mindestens zwei Milliarden Dollar betragen. So viel ist seine 21-Prozent-Beteiligung beim Petrochemie-Riesen Sibur wert.

Eben diese Firma hat nun einen Kredit über umgerechnet 1,56 Milliarden Euro vom russischen Staat erhalten - zu besonders günstigen Konditionen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf öffentlich zugängliche Dokumente.

Konkret hat ein vom Finanzministerium kontrollierter Staatsfonds Anfang Dezember eine über 15 Jahre laufende Anleihe von Sibur gekauft. Das Unternehmen zahlt dafür derzeit zwei Prozent Zinsen im Jahr. Zum Vergleich: Laut Analysten wären für eine derartige Anleihe eigentlich mehr als sieben Prozent üblich. Irina Alizarovskaya von der Raiffeisenbank bezeichnet die Finanzierung als "ganz schön günstig".

Das sieht man auch bei Sibur selbst so. Unternehmenschef Dmitrij Konov sprach in einer Stellungnahme von "sehr günstigen Bedingungen". Man habe jedoch keine Informationen über familiäre Beziehungen zwischen den Aktionären und dem russischen Präsidenten, sagte ein Sprecher. Im Rahmen des Kredits seien alle notwendigen Abläufe eingehalten worden, die Genehmigung sei in strikter Einhaltung der Gesetze erfolgt.

Im Detail sind die Zinsen, die nun für die Milliardenanleihe fällig sind, an die Inflationsrate in den USA gekoppelt: Sibur zahlt einen Prozentpunkt mehr als die jeweils aktuelle US-Teuerungsrate, mindestens aber zwei Prozent. Derzeit liegt die Inflationsrate in den USA bei 0,5 Prozent - solange sie in ähnlichen Tiefen verharrt, bleibt es also bei den Schnäppchenzinsen für Sibur.

Eine Sprecherin des an der Entscheidung beteiligten Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung sagte, die Sibur-Anleihen seien für den Staatsfonds in Rubel gerechnet durchaus eine profitable Anleihe. Zudem würden durch das staatliche Investment auch ausländische Investoren angelockt.

Der Staatsfonds "National Wealth Fund" beteiligt sich normalerweise an nationalen Infrastrukturprojekten. Erst im Oktober hatte der russische Premierminister Dmitrij Medwedew petrochemische Betriebe auf die Liste möglicher Investments des Fonds gesetzt.

Nach Informationen von Reuters hatte sich Sibur zuvor bereits umgerechnet 3,02 Milliarden Euro von europäischen Banken geliehen. Mit dem Geld soll der Neubau eines Petrochemie-Werks in Sibirien finanziert werden. Das Projekt entwickelt Sibur gemeinsam mit dem deutschen Industriegasekonzern Linde und dem Schweizer Chemieriesen Ineos. Die Gesamtkosten für "ZapSibNeftekhim" belaufen sich auf umgerechnet 8,7 Milliarden Euro.

brk/fdi/Reuters



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insgesamt 52 Beiträge
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chefchen1 30.12.2015
1. währung
Die Frage ist nun, in welcher Währung die Anleihe läuft. Sicherlich nicht in Rubel. Bei Neuinvestitionen ist es sicherlich sinnvoll, dass der Staatsfond einsteigt, da eben nicht nur finanzielle Aspekte, sondern volkswirtschaftliche insgesamt eine Rolle spielen.
fortelkas 30.12.2015
2. Schnäppchen-Milliarden für Putins Schwiegersohn
Was ist daran so berichtenswert? Vor allem mit dem genüsslichen Unterton. Christian Wulff hat seinerzeit auch einen besonders günstigen Kredit für sein Haus erhalten. Günstige Kredite gibt es überall im Wirtschaftsleben, wenn es sich für den Kreditgeber lohnt und aus seiner Sicht etwas für ihn dabei rausspringt. Erwin Fortelka
UweZ+ 30.12.2015
3.
Warum hat "SIBUR" sich die gut 1.5 Mrd. € Kapitalspritze für sein 8,7 Mrd. € Investment denn nicht ebenso bei europäischen Banken geliehen, wie die anderen 3 Mrd €....? In Deutschland verharrt die Umlaufrendite z.B. unter 0,5 %. Und selbst ein kleiner Häuslebauer bekommt sein Peanuts-Baugeld hier doch deutlich billiger, als der Großkunde SIBUR mit den (noch dazu mit spekulativen US-Inflationsrisiken behafteten) 2 % vom russisch-staatlichen "National Wealth Fond".
muellerthomas 30.12.2015
4.
Zitat von fortelkasWas ist daran so berichtenswert? Vor allem mit dem genüsslichen Unterton. Christian Wulff hat seinerzeit auch einen besonders günstigen Kredit für sein Haus erhalten. Günstige Kredite gibt es überall im Wirtschaftsleben, wenn es sich für den Kreditgeber lohnt und aus seiner Sicht etwas für ihn dabei rausspringt. Erwin Fortelka
Auch der Wulff-Kredit war hoch umstritten und das zu Recht, weil solche Zinsen unter Marktniveau offenbar eine Form der Korruption sind. "wenn es sich für den Kreditgeber lohnt und aus seiner Sicht etwas für ihn dabei rausspringt" :-) eben, genau das ist der Punkt. Es springt eben nicht der Zins dabei raus, sondern irgendwelche anderen Vorteile, die man sich so erkauft.
ka117 30.12.2015
5.
Zitat von fortelkasWas ist daran so berichtenswert? Vor allem mit dem genüsslichen Unterton. Christian Wulff hat seinerzeit auch einen besonders günstigen Kredit für sein Haus erhalten. Günstige Kredite gibt es überall im Wirtschaftsleben, wenn es sich für den Kreditgeber lohnt und aus seiner Sicht etwas für ihn dabei rausspringt. Erwin Fortelka
Sie sind vielleicht witzig. "berichtenswert" ist, dass der Häuslekredit in einem Rechtsstaat Deutschland Wulff den Kragen gekostet hat, während ein definitiv "krummer" Milliardenkredit im Zarenteich keine Folgen haben wird.
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