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WM-Ticket-Affäre: Claassen feiert "Freispruch allererster Klasse"

Der frühere EnBW-Chef Claassen triumphiert: Das Karlsruher Landgericht hat ihn vom Vorwurf der Bestechung entlastet. Die Anklage sei "grandios gescheitert", sagt er - und freut sich über einen "Freispruch allererster Klasse".

Karlsruhe - Der ehemalige Chef des Energiekonzerns EnBW Chart zeigen, Utz Claassen, sieht seinen Freispruch im Prozess um die WM-Ticket-Affäre als "großen Sieg für den Sport und das Sportsponsoring in unserem Land". Claassen sagte heute nach der Urteilsverkündung in Karlsruhe, damit sei weiter ein angemessener Kontakt zwischen Politik und Wirtschaft möglich.

Ex-EnBW-Chef Claassen: "Nicht auf einen Ablasshandel einlassen"
DPA

Ex-EnBW-Chef Claassen: "Nicht auf einen Ablasshandel einlassen"

Claassen sprach von einem "Freispruch erster Klasse". Sein Vertrauen in die Gerichtsbarkeit habe sich "vollumfänglich bestätigt". Er verteidigte zugleich seine Entscheidung, dem früheren Angebot der Staatsanwaltschaft zu einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage nicht zuzustimmen. "Wer unschuldig ist, darf sich nicht auf einen Ablasshandel einlassen", sagte der 44-Jährige. Er habe sich "nicht freikaufen" wollen. Die Staatsanwaltschaft sei "grandios gescheitert".

Das Landgericht Karlsruhe sah es nicht als erwiesen an, dass Claassen sich mit der Versendung von WM-Ticket-Gutscheinen an Politiker der Vorteilsgewährung schuldig gemacht hat. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von 450.000 Euro und eine Verurteilung Claassens wegen Vorteilsgewährung in sieben Fällen gefordert.

2005 hatte Claassen zu Weihnachen Tickets für Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an sieben Politiker verschickt - den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU), seinen Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP), vier weitere Landesminister und den Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig (SPD). Die Ankläger nannten das eine verbotene "Klimapflege". Die Gutscheine hätten "rein rechnerisch" einen Wert von bis zu 2600 Euro gehabt.

Dagegen sahen Claassens Verteidiger keinen materiellen Wert in den Tickets, weil die Politiker ohnehin freien Eintritt gehabt hätten. Das Gericht befand, es liege im Interesse eines Unternehmens, sein Sponsoring durch die Einladung von politischen Repräsentanten zu betonen. Dies sei nicht strafbar. Die EnBW war offizieller Sponsor der Fußball-WM 2006.

Claassen hatte gestern in seinem Schlusswort gesagt, er sei "zu hundert Prozent von der eigenen Unschuld überzeugt". Die Bestechungsvorwürfe seien absurd.

kaz/ddp/dpa

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