S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Warum uns Angela Merkel die niedrigen Zinsen beschert

Deutsche Anleger klagen über die niedrigen Zinsen - sie sollten sich bei der Bundesregierung beschweren, nicht bei der Europäischen Zentralbank. Die Enteignung der Sparer ist eine direkte Folge von Angela Merkels Politik in der Euro-Krise.

Eine Kolumne von


Zwei Wirtschaftsnachrichten, scheinbar ohne Bezug: Am Mittwoch wurde in Brüssel ein Verfahren gegen Deutschland eröffnet. Die Bundesrepublik steht unter Verdacht, übermäßige Überschüsse zu erwirtschaften und damit die Ungleichgewichte im Euro-Raum zu verstärken. Die zweite Nachricht war die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank vor einer Woche. Es gibt zwischen beiden Ereignissen einen kausalen Zusammenhang, der in der entrüsteten deutschen Debatte nicht gesehen wird. Die Ungleichgewichte sind die Hauptursache für die fallenden Zinsen. Beides hat seinen Ursprung in der Berliner Politik.

In der vergangenen Woche habe ich zur Verwunderung des einen oder anderen Lesers erklärt, warum das Prinzip der doppelten Buchführung auch in der Volkswirtschaft gilt. Jedem Warenstrom steht ein Finanzstrom gegenüber. Wer die Debatte über Ungleichgewichte führen möchte, kommt an den Finanzströmen nicht vorbei. Wer sich also auf die Spur des Geldes macht, entsprechend dem Titel dieser Kolumnenserie, kommt auf eine Fährte, die in Berlin anfängt und in Frankfurt am Main endet.

Was bisher geschah: Seit 1999, also dem Jahr 1 des Euro, haben sich Gewerkschaften und Unternehmer in Deutschland auf eine moderate Lohnpolitik geeinigt. Das völlig legitime Ziel war die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kamen die Hartz-Reformen der Schröder-Regierung, deren wichtigster Aspekt darin bestand, Anreize für die freiwillige Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Das Resultat war eine stetige und drastische Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland hat mittlerweile einen Leistungsbilanzüberschuss von sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. In der Vergangenheit wurden die deutschen Überschüsse durch Defizite im Rest des Euro-Raums weitgehend neutralisiert. Die Euro-Zone insgesamt hatte zumeist eine ausgeglichene Leistungsbilanz. International fielen wir nicht sonderlich auf.

Aber wir waren nur nach außen ausgeglichen. Innerhalb der Währungsunion türmten sich die Ungleichgewichte. Das Resultat war die Euro-Krise. Die politische Anti-Krisen-Strategie bestand in der Rückführung der Defizite der Krisenländer. Bei Defiziten reden wir nicht nur von staatlichen, sondern vor allem auch von privaten Defiziten. Während die Staaten sparten, bauten zugleich auch Unternehmer und Haushalte ihre Schulden ab.

Preisdruck als Konsequenz der asymmetrischen Krisenpolitik

Damit brach die Nachfrage in den Krisenländern ein, die Arbeitslosigkeit stieg. Länder wie Italien und Spanien erwirtschaften mittlerweile selbst kleine Exportüberschüsse, selbst Griechenland ist fast so weit. Deutschlands eigene Überschüsse sind aber mittlerweile sogar noch weiter gestiegen. Und die Vorhersagen deuten auf keine Trendwende hin. Überschüsse und Defizite in der Euro-Zone neutralisieren sich nicht mehr wie früher. Fast alle in der Währungsunion haben jetzt ihren Überschuss - und damit der Euro-Raum insgesamt auch. Der Überschuss ist kein Unfall, sondern eine direkte und beabsichtigte Folge unserer Anti-Krisen-Politik.

Durch die Senkung der staatlichen und privaten Nachfrage im Süden kamen dort Löhne und Preise unter Druck. Das mussten sie auch, das liegt schließlich in der Natur eines volkswirtschaftlichen Anpassungsprozesses. Aber in den Überschussländern wie bei uns sind die Preise nicht entsprechend gestiegen. Rein mathematisch haben wir somit ein Problem. Die EZB hat ein durchschnittliches Inflationsziel von knapp zwei Prozent. Wenn jetzt in der einen Hälfte des Euro-Raums die Preise stagnieren - wegen der Anti-Krisen-Politik -, dann müssten in der anderen Hälfte des Euro-Raums die Preise um knapp vier Prozent steigen. Nur so kommen wir auf den Durchschnitt von knapp zwei Prozent. Das ist aber nicht geschehen. Die Inflationsrate im Euro-Raum liegt mittlerweile bei mickrigen 0,7 Prozent.

Der Druck auf die Preise ist also die direkte Konsequenz der Krisenpolitik. Das Problem wird sich in den kommenden Jahren sogar noch verstärken. Der Internationale Währungsfonds schätzt den Leistungsbilanzüberschuss im Euro-Raum für dieses Jahr auf 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für 2015 erwartet er einen Anstieg auf 2,7 Prozent. Jetzt passiert genau das, was man erwarten würde, wenn die Leistungsbilanz stark positiv wird. Der Euro wertet auf. Dadurch fallen die Preise der Importe. Und es entsteht noch mehr Druck auf die Preise.

Die Enteignung ist kein Bug, sondern ein Feature

Die Kombination aus starkem Euro und erzwungener Anpassungsrezession in den Krisenländern hat einen deflationären Druck erzeugt. Das hat dazu geführt, dass die EZB ihr Inflationsziel mittelfristig nicht erreichen wird. Was in der empörten deutschen Diskussion nicht verstanden wird, ist, dass eine Zentralbank ihr Inflationsziel in beide Richtungen verfehlen kann. Dank Angela Merkels Krisenpolitik muss die EZB jetzt also mehr Inflation erzeugen.

Wenn Sie sich über die Enteignung der deutschen Sparer beschweren wollen, dann bitte in Berlin bei der Bundesregierung, nicht in Frankfurt am Main bei der EZB. Die Enteignung ist kein Bug im System, sondern ein Feature.

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insgesamt 144 Beiträge
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Neapolitaner 13.11.2013
1. Nirgendwo steht, dass die EZB Inflation erzeugen MUSS
Zitat von sysopAPDeutsche Anleger klagen über die niedrigen Zinsen - sie sollten sich bei der Bundesregierung beschweren, nicht bei der Europäischen Zentralbank. Die Enteignung der Sparer ist eine direkte Folge von Angela Merkels Politik in der Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-muenchau-ueber-die-enteignung-deutscher-sparer-a-933400.html
zu Zeiten, als die Inflation regelmäßig über 2% lag, war eine 2% - Quote als Zielgröße vielleicht angemessen, doch die Zeiten kreditgepumpten Wachstums sind vorbei (und diese Zeiten kommen auch nicht wieder). Die Deflation ist notwendig, weil die reale Kaufkraft in den Südländern nach dem Platzen sämtlicher Konsum/Häuser-etc. Blasen eingebrochen ist und zum überhöhten Preisniveau die Waren keinen Absatz mehr finden. Also MÜSSEN die Preise heruntergehen. Daran hat die EZB nichts herumzufummeln - mit Krediten kann man eine schwache Kaufkraft auch nicht real aufpumpen - man kann nur eine Zeitlang so tun als ob.
treehugger 13.11.2013
2. Versteh es nicht
Wie sich die Wähler wieder von dieser Frau haben einlullen lassen. Ganz nach ihrem Wahlwerbespott: Sie kennen mich! Ja, genau, deshalb hab ich sie auch nicht gewählt. Sie wird in die Geschichte eingehen, als diejenige die unser Land für ein Appel und ein Ei verschärbelt hat.
volkerkraft88 13.11.2013
3. Selten so ein pseudovolkswirtschaftliches Gebräu gelesen!
Allein schon die Tatsache, daß in dem ganzen Artikel nicht einmal die innereuropäische Abschaffung des Wechselkursmechanismus - d a s Hauptproblem - erwähnt wird, sagt alles. Und wieso Draghi Europa mit billigem Geld zumüllen muß, erschließt sich mir nicht. Weil er unbedingt Inflation machen will? Entschuldigung, aber das ist VWL ala Klein-Wölfi.
leiboldson 13.11.2013
4.
Zitat von sysopAPDeutsche Anleger klagen über die niedrigen Zinsen - sie sollten sich bei der Bundesregierung beschweren, nicht bei der Europäischen Zentralbank. Die Enteignung der Sparer ist eine direkte Folge von Angela Merkels Politik in der Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-muenchau-ueber-die-enteignung-deutscher-sparer-a-933400.html
Welcher starke Euro? Es gibt noch mehr Währungen als den US-Dollar, gegenüber vielen Währungen hat der Euro enorm an Wert verloren. Die gedankliche Konstruktion, dass am Ende immer Frau Merkel schuld hat, ist nur ideologisch zu begründen.
Privatier 13.11.2013
5. Raus aus Europa und dem Euro! Sofort!
Zitat von sysopAPDeutsche Anleger klagen über die niedrigen Zinsen - sie sollten sich bei der Bundesregierung beschweren, nicht bei der Europäischen Zentralbank. Die Enteignung der Sparer ist eine direkte Folge von Angela Merkels Politik in der Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-muenchau-ueber-die-enteignung-deutscher-sparer-a-933400.html
Fehlen unserer teuersten Kanzlerin aller Zeiten erst einmal die "Spielbank Europa" und die "Chips Euro", sind ihr mit einen Federstrich die allermeisten Möglichkeiten genommen, weiter wie bisher den Deutschen gehörendes Geld und Werte zu verspielen und nutzlos aufzureiben. Und ganz gleich ob Fr. Merkel dann im Binnenland Deutschland so eifrig sparen wird wie bisher, oder plötzlich so unerhört spendabel ist, wie seit Jahren nur jenseits unserer Landesgrenzen - bleibt das Geld dann endlich wieder in den Taschen und Händen denen es gehört, oder wird endlich zu Gunsten derjenigen verwendet, die bald bis zum 70. Lebensjahr genötigt werden, dafür zu arbeiten. MfG
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