Pirmasens - Die deutsche Firma Convar hat sich auf die Rettung und Wiederherstellung beschädigter Festplatten spezialisiert. Derzeit versuchen die Sicherheitsspezialisten aus Pirmasens im Auftrag zahlreicher amerikanischer Firmen, Daten aus Festplatten auszulesen, die bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center (WTC) verbrannt, verkohlt oder durch die starke Staubentwicklung beschädigt wurden.
Zu den Kunden, für die Convar derzeit nach Daten fischt, gehören vor allem Kreditkartenunternehmen, Telekommunikationsfirmen und Wirtschaftsprüfer. Hintergrund der Spurensuche ist die mysteriöse Zunahme von elektronisch abgewickelten Finanztransaktionen am 11. September. Kurz bevor die beiden Passagierflugzeuge in die Türme des WTC einschlugen, waren ungewöhnlich hohe Summen, durch die Computersysteme der Finanzmetropole gejagt worden.
"Es besteht der Verdacht, dass Kriminelle ihr Insiderwissen über die Anschläge genutzt haben, um finanzielle Transaktionsbefehle und Autorisationen zu versenden, im Glauben, dass ihnen dies in all dem Chaos einen guten Vorsprung bringen würde", sagte Convars Direktor Peter Henschel der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview. Natürlich, so Henschel, könne es auch ganz normale Gründe für den Anstieg der Transaktionen geben. "Vielleicht hat die Amerikaner an diesem Dienstagmorgen auch der große Kaufrausch gepackt. Derzeit gibt es allerdings noch viele Transaktionen, die sich nicht nachvollziehen lassen", so Henschel.
Kriminelle Buchungen von über 100 Millionen Dollar?
In Europa und den USA gibt es zahlreiche Firmen, die sich auf die Rettung verloren geglaubter Daten spezialisiert haben. Convar hat nach eigenen Angaben den Löwenanteil der WTC-Aufträge erhalten. Das Unternehmen entwickelte vor zwei Jahren einen neuartigen Laserscanner, der es möglich macht, auch Daten von schwer beschädigten Computer-Festplatten auszulesen. Convar-Direktor Henschel wollte mit Verweis auf die Vertraulichkeit keine Angaben darüber machen, für welche New Yorker Firmen das Unternehmen derzeit Daten untersucht.
Richard Wagner, "Datenretter" bei Convar, sagte, kurz vor und während des WTC-Desasters könne es zu illegalen Finanztransaktionen in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar gekommen sein. "Sie (die Kriminellen) dachten, dass die Aufzeichnungen ihrer Transaktionen nach der Zerstörung der Mainframes nicht nachvollzogen werden könnten".
Nach Angaben von Henschel arbeiten die Unternehmen, für die Convar Datenbestände rekonstruiert, mit dem FBI zusammen, um ein komplettes Bild der Finanztransaktionen am 11. September zu erstellen. Der Sicherheitsexperte ist zuversichtlich, dass sich die Zielorte der fraglichen Transaktionen eines Tages ermitteln lassen. "Wir waren überrascht, von wie vielen Festplatten sich noch Daten retten ließen", so Henschel. "Der Grad der Verschmutzung ist jedoch sehr hoch. Der allgegenwärtige feine Staub wurde unter hohem Druck in die Laufwerke gepresst. Dennoch ist es uns gelungen, auf den meisten Laufwerken, die wir erhalten haben, hundert Prozent der Daten zu retten."
"Wir helfen den Unternehmen, so schnell wie möglich herauszufinden, was am 11. September mit den Computern geschah", so Henschel. "Ich bin sicher, dass sie eines Tages herausfinden werden, was mit dem Geld passiert ist."
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