Zahlungen HSH Nordbank schüttet trotz Milliardenverlusts Geld aus

Die HSH Nordbank will trotz eines erwarteten Milliardenverlusts Ausschüttungen an institutionelle Investoren auszahlen. Grund für diesen Schritt sei die Sorge, die Anleger könnten ihr Geld abziehen. Die Landesbank hatte in Folge der Finanzkrise staatliche Hilfe beansprucht.


Hamburg - Die Eigner hätten zugestimmt, etwa 70 Millionen Euro an institutionelle Anleger auszugeben, sagte ein Sprecher der Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein am Mittwoch. Grund seien Befürchtungen, dass die Anleger Gelder abziehen könnten und sich für die Bank damit die Refinanzierungsschwierigkeiten verschärfen.

Zentrale in Kiel: Ausschüttung von der Hauptversammlung gebilligt
AP

Zentrale in Kiel: Ausschüttung von der Hauptversammlung gebilligt

Institutionelle Investoren halten stille Einlagen im Volumen von 900 Millionen Euro an der HSH Nordbank. Sie sind nach Auffassung der Bank damit keine Anteilseigner. Die HSH erwartet Branchenkreisen zufolge für 2008 einen Verlust von über einer Milliarde Euro. Deswegen müssen die Eigner - die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, die regionalen Sparkassen sowie der Finanzinvestor Flowers - auf eine Dividende verzichten.

Die "Financial Times Deutschland" berichtet, Investoren wie Banken, Versicherungen und Investmentfonds könnten dagegen möglicherweise einen zweistelligen Milliardenbetrag abziehen, der in Fonds oder anderen Einlagen angelegt sei, wenn sie keine Dividende erhalten. Davon könne ein Teil sofort abgezogen werden. Sollte dieser Fall eintreten, wären möglicherweise weitere Rettungsmaßnahmen des Bundes nötig. Im Dezember hatte die Landesbank bereits 30 Milliarden Euro an Bundesgarantien erhalten.

In die Kritik geriet die Bank auch, nachdem bekannt geworden war, dass sie Tochterunternehmen auch in Steueroasen wie den Cayman Inseln betreibt. Die Zeitung "Die Welt" zitiert Quellen in der Bank, nach denen die Cayman-Töchter aber nicht dazu genutzt wurden, "um Kunden dort steueroptimierte Anlagen am deutschen Fiskus vorbei zu vermitteln". Der Hamburger Finanzsenator Michael Freytag (CDU) hatte in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" gesagt, das die Tochterunternehmen über Gewinne und Steuerzahlungen auch dem Haushalt der Hansestadt zugutegekommen seien.

Die HSH Nordbank war im Zuge der Finanzmarktkrise unter die Räder geraten und musste als eines der ersten Institute unter den Finanzierungsschirm des Bundes. Die Belastungen aus der Krise belaufen sich bislang auf mindestens 2,8 Milliarden Euro. Die Krise hatte den früheren Vorstandschef Hans Berger sein Amt gekostet und zur Rückbesinnung der Bank auf die norddeutsche Region und dem angekündigten Rückzug aus internationalen Geschäften geführt. Bis Ende Januar soll die Bank dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) ihr Geschäftsmodell vorstellen. Außerdem benötigt die Bank frisches Geld, um ein höheres Eigenkapital auszuweisen. Sie könnte jedoch auch ihre Bilanzsumme reduzieren, um ihre Kapitalisierung zu verbessern.

Heftige Kritik am Vorgehen der Bank kam von der Opposition im schleswig-holsteinischen Landtag. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki verwies darauf, dass der BayernLB ein solches Vorgehen im Rahmen ihrer Rekapitalisierungsmaßnahmen durch die EU-Kommission untersagt worden sei. "Es ist zudem unverantwortlich gegenüber den Steuerzahlern, die mit ihrem Geld für die Verluste der HSH einstehen müssen", erklärte er. Zudem halte er eine Ausschüttung für rechtswidrig.

Kritik kam auch von der finanzpolitischen Sprecherin der Grünen, Monika Heinold: Das Vorgehen der Landesbank sei "ein Schlag ins Gesicht der Kleinanleger, die ihr mühsam Erspartes in der Finanzkrise verloren haben".

Die HSH Nordbank widersprach den Vorwürfen. Die Ausschüttung sei im Aufsichtsrat gründlich beraten und von einer Hauptversammlung im Dezember gebilligt worden. Dabei sei auch die rechtliche Zulässigkeit geprüft worden.

Detaillierte Informationen über die Lage der Bank sind vermutlich erst gegen Ende Februar zu erwarten. Die Wirtschaftsprüfer der Firma KPMG, die noch einmal alle Kapitalmarktgeschäfte der Bank im Hinblick auf ihre Bilanzrisiken überprüfen, werden im Januar vermutlich keinen Zwischenbericht vorlegen, sagte die Sprecherin. Die Ergebnisse der Prüfung würden somit erst mit dem Abschluss für das gesamte Jahr 2008 gegen Ende Februar veröffentlicht.

Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...

kaz/Reuters/dpa

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