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Zahlungsausfälle: Europas Banken fürchten Kreditkartenkrise

In den USA ist die Zahl der Kreditkartenausfälle im Juni auf ein Rekordhoch geklettert - bald dürfte die Krise auch Europa erreichen: Denn wegen der wachsenden Arbeitslosigkeit können viele Kunden ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Die Kredithäuser fürchten bereits das Schlimmste.

Hamburg - Zitterpartie im europäischen Finanzsektor: Zahlreiche Kreditkartenhäuser stellen sich für die kommenden Monate auf rasant steigende Zahlungsausfälle bei ihren Kunden ein - nachdem in den USA bereits im Juni ein Rekordhoch erreicht wurde.

Geldbörse mit Kreditkarten: Milliarden sind bereits verloren
Getty Images

Geldbörse mit Kreditkarten: Milliarden sind bereits verloren

Die Gefahr ist laut Experten groß: Mit rund 2500 Milliarden Dollar stehen die europäischen Verbraucher derzeit bei ihren Kreditkarteninstituten in der Kreide, davon die meisten in Grobritannien. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnten die Kreditkartenhäuser auf etwa sieben Prozent dieser Summe sitzen bleiben, berichtet die "Financial Times".

Auch immer mehr Verbraucher sorgten sich, dass sie ihre Kreditkartenschulden und Hypotheken nicht mehr zurückzahlen könnten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Nationale Schuldenberatungsstelle in Großbritannien. Im Mai hätte die Zahl der besorgten Anrufer bei 41.000 gelegen. Im Mai 2008 dagegen seien es noch rund 20.000 gewesen. Und ein Ende des Trends sei nicht absehbar, hieß es.

Nun fürchten Analysten und europäische Banken - allen voran britische - ,dass sich die Ausfälle sehr bald schmerzlich bei ihnen bemerkbar machen werden. Denn Verluste im Kreditkartengeschäft gehen gewöhnlich mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und privaten Insolvenzen einher. Und diese gelten im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise als sicher.

In den USA - dem Ursprungsland der Krise - leiden die großen Kreditkartenhäuser daher schon jetzt massiv unter der Zahlungsunfähigkeit ihrer Kunden. Banken wie die Citigroup Chart zeigen, Bank of America Chart zeigen, JPMorgan Chase Chart zeigen und Wells Fargo Chart zeigen sowie das Kreditkartenhaus American Express Chart zeigen haben bereits Milliarden von Dollar durch Ausfälle ihrer Kunden verloren. Insgesamt kletterten die Ausfälle bei den Finanzhäusern nach dem jüngst veröffentlichten Moody's-Index im Juni auf 10,76 nach 10,62 Prozent im Mai - ein Höchststand.

Zugleich waren im Juni 9,5 Prozent der arbeitsfähigen US-Bürger ohne bezahlte Beschäftigung - ebenfalls ein Höchststand. Moody's erwartet, dass die Arbeitslosenquote schon bald auf zehn bis 10,5 Prozent steigen wird.

In Großbritannien stiegen die Kreditkartenausfälle laut Moody's im Mai auf 9,37 Prozent nach 6,4 Prozent im Mai 2008. Auch die Barclays Bank Chart zeigen, mit 11,7 Millionen Barclaycard-Kunden größter britischer Kreditkartenvergeber, hatte bereits im Mai von deutlich steigenden Ausfällen berichtet. Ebenso die Lloyds TSB Bank Chart zeigen.

Barclays versucht nun noch zu retten, was zu retten ist, und verschärft seine Konditionen: So seien die Kreditlinien gekürzt worden und auch die Zahl der ausgegebenen Kreditkarten habe sich im Vergleich zu März um 50 Prozent reduziert, schreibt die "Financial Times".

Doch Experten sind sich sicher: Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, werden sich massive Ausfälle trotz der Maßnahmen in Großbritannien und im Rest Europas nicht verhindern lassen.

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