Zeitung Medienholding übernimmt Mehrheit am Süddeutschen Verlag

Monatelang war verhandelt worden - jetzt ist klar: Die Südwestdeutsche Medienholding kann die Mehrheit am Süddeutschen Verlag übernehmen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat Eigentümerfamilie Schwingenstein verkauft, die schriftlichen Zusagen der anderen Familien stehen noch aus.


München - Die Familie Schwingenstein hat ihre Anteile verkauft, erfuhr SPIEGEL ONLINE aus dem Umfeld der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH). Damit verfügt die SWMH, die unter anderem die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" herausgibt, zusammen mit den Anteilen der Familie Friedmann, die einen Verkauf stets abgelehnt hatte, über die Mehrheit. Es sei davon auszugehen, dass nun auch die Familien Goldschagg, von Seidlein und Dürrmeier ihre Anteile verkaufen werden, hieß es.

Stammsitz des Süddeutschen Verlags in München: Kaufpreis deutlich erhöht
DDP

Stammsitz des Süddeutschen Verlags in München: Kaufpreis deutlich erhöht

Genau das scheint auch der Fall zu sein: Christian Goldschagg, der Vorsitzer der Gesellschafterversammlung, erklärte heute Abend per Pressemitteilung, dass die SWMH zum 29. Februar nächsten Jahres die Mehrheit am Süddeutschen Verlag übernehme.

Der SWMH selbst liegt ein solches Angebot allerdings noch nicht vor. "Schriftlich haben wir nur die Zustimmung der Familie Schwingenstein", sagte ein Insider zu SPIEGEL ONLINE.

Bislang hält die Südwestdeutsche Medien Holding 18,75 Prozent der Anteile am Süddeutschen Verlag. Daneben sind bisher fünf weitere Familien beteiligt: Goldschagg (18,75 Prozent), von Seidlein (18,75 Prozent), Friedmann (18,75 Prozent), Schwingenstein (16,67 Prozent) und Dürrmeier (8,33 Prozent). Die SWMH war 2002 während der Zeitungskrise als sechster Gesellschafter eingestiegen und hatte damals ein Vorkaufsrecht auf die übrigen Anteile erhalten. Das bekannteste Produkt aus dem Süddeutschen Verlag ist die "Süddeutsche Zeitung".

Die Schwingenstein-Anteile gehen nun definitiv an den neuen Eigentümer über. Laut Goldschagg folgen die anderen Familien - bis auf Friedmann - bis zum 29. Februar. Gleichzeitig sollen alle rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien beigelegt werden.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Nach Angaben der Familiengesellschafter liegt dieser deutlich über einem früheren Angebot der SWMH. Vor wenigen Monaten hatte die Holding angeboten, für 62,5 Prozent des Verlages knapp 470 Millionen Euro zu bezahlen.

Der SWMH-Insider widersprach dieser Darstellung: Der Kaufpreis sei nur leicht angehoben worden. Dass jetzt offensichtlich Bewegung in die Runde kommt, liege daran, dass die Familie Schwingenstein aus der Front der anderen Familien ausgebrochen sei.

Zuvor hatte die SWMH die mehrheitliche Übernahme des "Schwarzwälder Boten" bekanntgegeben. Die Medienholding teilte mit, die bisher mit 90 Prozent an der Tageszeitung beteiligte gleichnamige Familienholding aus Oberndorf bringe ihre Anteile in die neu gegründete Mediengruppe Süd ein. Die restlichen zehn Prozent des Kapitals an dem Regional-Blatt liegen bereits bei der SWMH. Diese Anteile sowie alle übrigen Beteiligungen bringen die Stuttgarter in die neue Holding ein und halten künftig 82 Prozent des Kapitals der Mediengruppe Süd.

wal/Reuters



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