Zensur-Streit "Süddeutsche" wehrt sich gegen Lufthansa

Die "Süddeutsche Zeitung" wagt den offenen Kampf mit der Lufthansa. Der Vorwurf: Die Fluglinie enthalte das Blatt ihren Fluggästen vor und gefährde so die Pressefreiheit.


Fluggäste: Süddeutsche nicht mehr kostenlos
DPA

Fluggäste: Süddeutsche nicht mehr kostenlos

München/Frankfurt am Main - In eigener Sache schreibt die SZ ihren Lesern in der Ausgabe vom Mittwoch, "warum Fluggäste auf die Süddeutsche Zeitung verzichten müssen". Die Fluglinie habe die bestehenden Lieferverträge einseitig um rund 10.000 Exemplare reduziert, heißt es in dem Artikel.

Dabei will die Münchener Redaktion nicht glauben, dass die plötzliche Halbierung des Lufthansa-Auftrages nur in einem Wunsch nach "Medienvielfalt" begründet ist. Nach SZ-Angaben gibt es eine interne Anweisung der Fluglinie, die eine Auslage der Zeitung an Lufthansa-Gates untersagt. Unter Berufung auf Lufthansa-Mitarbeiter werden "atmosphärische Störungen" als wahrer Grund für die Kürzungen der SZ-Kontingente angeführt.

Original: Was die "Süddeutsche" der Lufthansa vorwirft   SZ vom 23.5.01

Original: Was die "Süddeutsche" der Lufthansa vorwirft
SZ vom 23.5.01

Hintergrund dafür ist nach Angaben der SZ die kritische Berichterstattung der Wirtschaftsredaktion über den Tarifstreit der Lufthansa-Führung mit den Piloten.

Lufthansa-Sprecherin Sigrid Bäumer widersprach dieser Einschätzung gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Süddeutsche Zeitung ist immer noch mit rund 10.000 Exemplaren im Konzern vertreten. Wenn wir die Auslage an den Gates reduziert haben, so steht das in keinerlei Zusammenhang mit der journalistischen Berichterstattung".

Die Lufthansa ist bereits mehrfach in den Verdacht geraten, unliebsame Berichte aus ihren Flugzeugen zu verbannen. Zuletzt gab es Ärger mit der "Financial Times Deutschland". Am 30 März hatte das Blatt aus internen Vorstandsdokumenten zitiert. Die Fluglinie ließ daraufhin das gesamte Kontingent dieses Tages einziehen und vernichten.



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