ZEW-Index Konjunkturerwartungen brechen überraschend ein

Rückschlag für Konjunkturoptimisten - der Index des ZEW ist im Juli unerwartet um mehr als fünf Punkte gefallen, Volkswirte hatten mit einer Erholung gerechnet. Zwar setzt Institutschef Franz weiter auf eine Erholung, er warnt aber: 2010 werde die Arbeitslosigkeit auf über fünf Millionen steigen.


Mannheim - Die Stimmung deutscher Finanzexperten hat sich im Juli überraschend eingetrübt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien um 5,3 Punkte auf 39,5 Punkte gesunken, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit.

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Zuvor war der Index acht Monate in Folge gestiegen. Volkswirte hatten nun mit einer erneuten Aufhellung auf 45,8 Punkte gerechnet. Die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich im Juli minimal. Sie legte um 0,4 Punkte auf minus 89,3 Zähler zu.

Die Stabilisierung der Lagebeurteilung und der Erwartungen bestätige bisherige Prognosen, dass in diesem Jahr die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in der Größenordnung von sechs Prozent schrumpfe, hieß es. Bis ins nächste Jahr sei mit einer Wachstumsrate von null Prozent zu rechnen. Ein erhebliches Risiko für die weitere konjunkturelle Entwicklung sei die Frage, wie die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Haushalte funktionieren werde, teilte das ZEW mit. Die überraschend gut ausgefallenen Zahlen zu den Auftragseingängen und der Industrieproduktion hätten die Erwartungen hingegen positiv beeinflusst.

Für die Eurozone insgesamt ergibt sich ein ähnliches Bild: Hier sanken die Konjunkturerwartungen im Juli um 3,2 Punkte im Vergleich zum Vormonat auf 39,5 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum blieb unterdessen unverändert bei minus 90,7 Punkten.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz stärkte dennoch Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Konjunkturkrise. Die Konjunktur werde voraussichtlich im Verlauf des nächsten Jahres wieder anziehen, sagte Franz am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Das sei eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht sei, dass auf dem Arbeitsmarkt das Schlimmste noch bevorstehe. So werde die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr bis auf fünf Millionen wachsen. Mit etwas Glück werde die Arbeitslosenzahl etwas unter dieser Marke bleiben.

Positive Nachrichten kommen derweil von der deutschen Industrie: Bei Deutschlands zweitgrößtem Stahlproduzenten Salzgitter sind in den vergangenen Wochen wieder mehr Aufträge reingekommen. Die Auslastung der Werke erreichte im Juli Werte von 70 bis 80 Prozent, sagte ein Firmensprecher am Dienstag. Im Frühjahr hatte der Konzern seine Betriebe etwa zur Hälfte ausgelastet. "Eine Erholungstendenz bei den Auftragseingängen ist spürbar." Es bleibe aber abzuwarten, wie nachhaltig diese Entwicklung sein werde.

Von der besseren Auftragslage profitieren auch die Beschäftigten von Salzgitter. "Im Juli fahren 6200 Mitarbeiter Kurzarbeit", sagte der Sprecher. Im Mai waren noch 9000 der 24.000 Mitarbeiter von dieser Maßnahme betroffen. Allerdings sei wegen Betriebsferien und geplanten Stillständen von Betrieben derzeit von der Entwicklung noch kein stabiler Trend abzuleiten.

Am Montag hatte bereits der koreanische Hersteller Posco für Optimismus in der Branche gesorgt. Der weltweit sechstgrößte Hersteller erwartet angesichts einer steigenden Nachfrage von Autoherstellern sowie höherer Preise eine deutliche Erholung seines Geschäfts im zweiten Halbjahr.

beb/Reuters/dpa



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nemansisab, 12.07.2009
1. Nach der Krise ist vor der Krise?
Zitat von sysopDie Anzeichen für ein baldiges Ende der Wirtschaftskrise verdichten sich. Laut Industrieverband BDI gibt es erste Anzeichen für eine Erholung des Außenhandels. Auch das Wirtschaftsministerium ist optimistisch. Hat Deutschland die Talsohle durchschritten?
Welche Talsohle? Hier in HH ist alles ruhig und satt.... Mehr als satt, regelrecht fett würde ich sagen! Irgendwie wird die Nachrichtenlage zur "Krise" dünner. Vielleicht ist sie vorbei oder aber wir werden vor der Wahl eingelullt und danach kommt der große Knall. Wie auch immer, ich habe ein ungutes Gefühl. Aber was hat Wirtschaft schon mit Gefühlen zu tun.
e.schw 12.07.2009
2. Wunder über Wunder...
Zitat von sysopDie Anzeichen für ein baldiges Ende der Wirtschaftskrise verdichten sich. Laut Industrieverband BDI gibt es erste Anzeichen für eine Erholung des Außenhandels. Auch das Wirtschaftsministerium ist optimistisch. Hat Deutschland die Talsohle durchschritten?
Da behaupte mal einer, heute geschehen keine Wunder mehr.
LouisWu 12.07.2009
3.
Zitat von sysopDie Anzeichen für ein baldiges Ende der Wirtschaftskrise verdichten sich. Laut Industrieverband BDI gibt es erste Anzeichen für eine Erholung des Außenhandels. Auch das Wirtschaftsministerium ist optimistisch. Hat Deutschland die Talsohle durchschritten?
Wer kann das schon beantworten? Falls aber reine Spekulation gefragt ist: Ich lese recht gut aus Katzen-Eingeweiden..;-) In unserer Firma läuft das Geschäft im Vergleich zum Vorjahr immer noch auf -30% Niveau und das EBIT wird dank 20% Kurzarbeit auf einer "schwarzen Null" gehalten. Es ist auch fraglich, ob das Umsatzniveau der Vorjahre überhaupt nochmal erreicht werden wird. Die ganze Welt scheint ja auf Pump gelebt und bestellt zu haben, und jetzt ist das billige Geld möglicherweise auf Dauer weg und damit auch der entsprechende Umsatz. Warten wir's ab.
liborum 12.07.2009
4.
Zitat von e.schwDa behaupte mal einer, heute geschehen keine Wunder mehr.
Und wie wir uns wundern- nach der WAhl.
Adran, 12.07.2009
5.
"Deutsche Exporte mit -24,5% im Mai" (http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/07/deutsche-exporte-mit-245-im-mai.html) "Deutsche Industrieproduktion mit Jubelmeldungen" (http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/07/deutsche-industrieproduktion-mit.html) Lucas Zeise - Weltwirtschaftskrise, die nächste (http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Lucas-Zeise-Weltwirtschaftskrise-die-n%E4chste/536705.html) und last but not least, einen der keinen Wahlkrampf hat, und daher wohl nicht verschönt.. Summers On Recession: "I Don't Think The Worst Is Over" (http://www.huffingtonpost.com/2009/07/11/summers-on-recession-i-do_n_230022.html)
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