Zinssenkung US-Notenbanker beglücken die Börsen

Stimmungsaufschwung an den Börsen - aber keine Entwarnung: Nach der überraschenden Zinsentscheidung der US-Notenbank haben Wall Street und die deutschen Börsen im Plus geschlossen. Trotzdem sind Experten skeptisch: Die Krise ist noch nicht überstanden.


Hamburg - Nichts für schwache Nerven: In Japan stürzte der Nikkei-Index am Freitag ab - die Aktienbörsen in Europa verzeichneten dagegen zum ersten Mal seit Tagen wieder Kursgewinne. Und auch die Wall Street schloss mit einem Plus von 1,82 Prozent. Dank einer Entscheidung der US-Notenbank Fed.

Angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und einem "deutlich gewachsenen Risiko für das Wachstum" der US-Wirtschaft hatte die Fed heute überraschend den Diskontsatz gesenkt, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können - um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent. Es war das erste Mal seit den Turbulenzen nach den Anschlägen vom 11. September 2001, dass die Fed zwischen zwei regulären Sitzungen an der Zinsschraube drehte.

Die Entscheidung war das bislang deutlichste Signal, das die Notenbank zur Beruhigung der von der US-Hypothekenkrise aufgewühlten Finanzmärkte ausgesandt hat. Die wichtigere Fed Funds Rate, der Tageszinssatz für Leihgeschäfte der amerikanischen Finanzinstitute untereinander, bleibt bei 5,25 Prozent. Beobachter halten es für möglich, dass die Notenbank im September diesen entscheidenden Leitzins senkt, sollte die Negativentwicklung an den Finanzmärkten anhalten.

Trotz der Kursgewinne in Europa und den USA warnen Händler jedoch vor Euphorie: "Die Maßnahme der Fed zeigt, dass die Lage fragil ist. Wenn sich die Notenbanker schon zu einem solchen Schritt gezwungen sehen, dann zeigt das, dass wir kurzfristig weiter mit sehr hoher Nervosität und damit hohen Schwankungen rechnen müssen", sagte ein Börsianer in Frankfurt.

Die Kurse an der Wall Street waren nach der Zinsentscheidung zu Handelsbeginn in die Höhe geschossen: Allein in den ersten zehn Minuten schnellte der Dow-Jones-Index Chart zeigender 30 führenden Industriewerte über 300 Punkte nach oben und überwand die Marke von 13.000 Punkten. Der Index schloss bei 13.079 Punkten.

Der Dax Chart zeigen, der am Morgen noch unter 7200 Punkte gerutscht war, kletterte nach der US-Zinsentscheidung steil nach oben, lag zeitweise mit 2,4 Prozent im Plus - und schloss bei 1,49 Prozent mit 7378 Zählern.

Schnäppchenjäger deckten sich auf dem deutschen Aktienmarkt vor allem mit den zuletzt arg gebeutelten Finanzwerten ein, wo es ein wahres Kursfeuerwerk gab und die Kurse teils um fünf Prozent und mehr stiegen. Zum Schluss lag das Plus nach Gewinnmitnahmen nicht mehr ganz so hoch. An der Spitze der Liste der Gewinner standen Commerzbank Chart zeigen (plus 4,4 Prozent), Postbank Chart zeigen (4,0 Prozent) und Hypo Real Estate Chart zeigen (3,9 Prozent). Die Aktie der Deutschen Börse Chart zeigen legte 2,4 Prozent zu. Hier dürfte zudem das Übernahmeangebot der Börse Dubai für die skandinavische Börsenbetreiberin OMX neue Fusionsfantasien für die Branche geweckt haben. Die Aktie lag zwischenzeitlich knapp 5 Prozent im Plus.

Der MDax Chart zeigen notierte praktisch unverändert (minus 0,01 Prozent) bei 9507 Punkten. Der TecDax Chart zeigen kam 1,3 Prozent auf 844 Punkte voran. Kurssprünge verzeichneten ebenfalls die Börsen in London und Paris.

Der Euro Chart zeigen legte gegenüber dem Dollar etwas zu. Der Referenzkurs wurde bei 1,3454 nach 1,3405 Dollar am Vortag festgesetzt.

In Tokio dagegen standen am Freitag die Zeichen auf Sturm: Der Nikkei-Index Chart zeigen stürzte um mehr als fünf Prozent ab. Belastet wird der japanische Aktienmarkt dadurch, dass der Dollar gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit Juni 2006 gefallen ist. Ein hoher Yen-Kurs verteuert die japanischen Ausfuhrartikel, weshalb besonders die exportorientierten Werte Abschläge hinnehmen mussten. Der Nikkei-Index schloss, bevor die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekannt gab, bei 15.274 Punkten. Das war der niedrigste Schlusskurs seit dem 7. August 2006.

jul/rts/dpa/ap

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