Zocker-Bank Neue Milliardenhilfe für WestLB - 1300 Stellen fallen weg

Die WestLB kann weitermachen – aber mindestens 1300 Jobs fallen weg: In nächtlichen Krisengesprächen haben sich die Eigner der Landesbank doch noch auf weitere Milliarden-Garantien geeinigt. Voll mit im Risiko: die Steuerzahler in NRW.


Düsseldorf - Die erste offizielle Verlautbarung kam von der Bank selbst. "Zukunft gesichert" hieß der Tenor einer Mitteilung, die die WestLB am frühen Morgen verschickte. Demnach haben sich die Eigentümer der Bank in ihrer nächtlichen Krisensitzung "auf eine umfassende Risikoabschirmung" verständigt. Die Eigentümer selbst - die Landesregierung Nordrhein-Westfalens, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie die Landschaftsverbände - äußerten sich noch nicht.

WestLB-Büroklotz in Düsseldorf: Die Details der Einigung sind noch unklar - aber sie ist teuer
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WestLB-Büroklotz in Düsseldorf: Die Details der Einigung sind noch unklar - aber sie ist teuer

Wer wie viel Geld bereitstellt, ist offiziell noch unbekannt. In Finanzkreisen war von drei Milliarden Euro die Rede. Die Bank selbst teilte nur mit, dass eine Restrukturierung beschlossen wurde. Es gebe eine Vereinbarung zum Geschäftsmodell und zur Konsolidierung des Landesbankensektors. Was das genau heißt, soll am Vormittag um 11 Uhr bei einer Pressekonferenz mitgeteilt werden.

Die Einigung kam auch auf Druck der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin zustande. Deren Chefs, Axel Weber und Jochen Sanio, hatten an der nächtlichen Krisenrunde teilgenommen. Die Eigentümer der WestLB waren zuvor lange tief zerstritten. Die Sparkassenverbände wollten die Pläne des Landes zur sogenannten Vertikalisierung der Bank blockieren - das heißt letztendlich zum Einstieg ins Privatkundengeschäft. Das Land wollte den zusätzlichen Drei-Milliarden-Risikoschirm aber nur unter dieser Bedingung bereitstellen.

In einem ersten Schritt will die WestLB 1300 ihrer 5900 Stellen streichen. Auch dies sei auf dem Eigentümertreffen beschlossen worden, schrieben die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa. Mit dem Personalabbau sowie einem Umbau der Bank sollten 300 Millionen Euro jährlich gespart werden.

Die WestLB hatte 2007 durch Fehlspekulationen mit Aktien und die Verwerfungen auf den Finanzmärkten einen Verlust von rund einer Milliarde Euro eingefahren. Zusätzlich sind Abschreibungen von einer Milliarde Euro angekündigt.

Es ist nicht das erste Hilfspaket für de WestLB. Die Eigner hatten sich erst im Januar auf ein Hilfspaket von rund zwei Milliarden Euro geeinigt, um Verluste und Risiken aus der US-Immobilienkrise auszugleichen. Diese Zusage reichte aber nicht mehr aus, denn in den Büchern der Bank schlummern weitere Risiken. Insgesamt stehen der Bank nun fünf Milliarden Euro aus Finanzspritzen und Garantien zur Verfügung.

itz/AP/dpa/AFP/Reuters

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