Zollfund 134 Milliarden Dollar im Koffer - Secret Service soll ermitteln

Es ist ein gigantischer Fund: Der italienische Zoll hat einen Koffer mit angeblichen US-Staatsanleihen im Nennwert von 134 Milliarden Dollar beschlagnahmt. Laut einem Zeitungsbericht ermittelt jetzt der amerikanische Secret Service. Der Fall wird immer mysteriöser.


Hamburg - Die Geschichte klingt wie der Stoff für einen Agentenfilm: Zwei Männer fahren aus Italien mit einem Zug in Richtung Schweiz. Im Gepäck - genauer gesagt unter dem doppelten Boden eines Koffers - transportieren sie angebliche US-Staatsanleihen im Gesamtwert von 134 Milliarden Dollar. Klingt unglaublich, soll sich aber nach Angaben der italienischen Finanzpolizei am 3. Juni so zugetragen haben.

Guardia di Finanza (mit Infrarotgerät am Grenzübergang Chiasso): Experten äußern Zweifel an der Echtheit der gefundenen Papiere
AP

Guardia di Finanza (mit Infrarotgerät am Grenzübergang Chiasso): Experten äußern Zweifel an der Echtheit der gefundenen Papiere

In einem geschlossenen Fach ihres Koffers hatten die Männer, die zunächst als japanische Staatsbürger bezeichnet wurden, 249 US-Staatsobligationen mit einem Nennwert von je 500 Millionen Dollar sowie zehn sogenannte Kennedy-Bonds zu je einer Milliarde Dollar versteckt. Während italienische Zeitungen schreiben, die Papiere seien dem ersten Anschein nach echt, melden Experten Zweifel an.

Nach Angaben das Online-Magazins International Business Times hat es wohl nie Kennedy-Bonds in dieser Form mit einem derart hohen Nennwert gegeben. Eine italienische Zeitung zitierte einen Experten, der sagte, er habe noch nie von solchen Wertpapieren gehört. Wenn sie existierten, dann seien sie nur an Staaten, aber nicht an Privatpersonen ausgegeben worden.

An Brisanz gewinnt die Geschichte durch die Information, dass auch ausländische Agenten in dem Fall ermitteln sollen. Laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung " Il Giornale" hat sich der US-Sicherheitsdienst Secret Service eingeschaltet, der unter anderem für die Bekämpfung von Finanzkriminalität und den Schutz des US-Präsidenten zuständig ist.

Die Zeitung, die Paolo Berlusconi - dem Bruder des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi - gehört, bezeichnete den Fund der Finanzpolizei als "kolossalen Schlag". Wenn die Wertpapiere nicht echt seien, wären es sehr gute Fälschungen, die nur eine professionelle Bande herstellen könnte.

Sind die festgesetzten Männer tatsächlich Japaner?

Das Blatt lieferte auch eine mögliche Rekonstruktion des Falles. Demnach sollen die beiden Männer in der Nacht vor ihrer Fahrt in Richtung Schweiz ein Zimmer in einem Mailänder Innenstadthotel gemietet haben. Für den Weg in den Nachbarstaat nahmen sie nicht wie üblich einen Schnellzug, sondern fuhren mit einem Bummelzug vom kleinen Bahnhof Garibaldi ab - wohl in der Absicht, kein Aufsehen zu erregen.

Besonders rätselhaft: Auch mehr als eine Woche nach dem Geschehen gibt es in vielen Fragen keine Gewissheit. Bislang wurde noch nicht einmal bestätigt, dass es sich bei den beiden festgesetzten Männern tatsächlich um Japaner handelt. Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg hakte bei japanischen Stellen nach - und bekam keine weiterführenden Auskünfte.

Weder bestätigte das Außenministerium in Tokio, dass es sich bei den beiden Männern um japanische Staatsbürger handele, noch dementierte das Ministerium diese Information. Man prüfe den Sachverhalt noch, das japanische Konsulat in Mailand suche nach einer Bestätigung für die Berichte.

Wilde Spekulationen im Internet

Wo die Gewissheit fehlt, da wuchern die Gerüchte. In Italien jubelten die ersten Medien bereits, dass die Haushaltsprobleme des Staates der Vergangenheit angehören würden, wenn die zwei Männer ein Bußgeld zahlen müssten. Nach Angaben der Finanzpolizei droht ihnen wegen Geldschmuggels eine Strafe von bis zu 38 Milliarden Euro, wenn die Wertpapiere echt sind. Damit ließe sich zwar nur ein kleiner Teil der gigantischen Staatsschulden Italiens abtragen - für den Haushalt des laufenden Jahres wäre die Summe dennoch ein willkommenes Geschenk.

Im Internet kursieren bereits kuriose Spekulationen. Dazu zählt die Version, die zwei festgesetzten Männer seien nicht Japaner sondern Nordkoreaner. Oder die Variante, dass reiche Asiaten das Vertrauen in den Dollar verloren hätten und hektisch versuchten, ihre US-Papiere abzustoßen. Oder aber der japanische Staat selbst habe versucht, sich heimlich seiner US-Anleihen zu entledigen.

Einen Beweis gibt es für keine dieser Vermutungen - sie belegen nur, wie viele Fragen in dem Fall noch offen sind. Die italienische Finanzpolizei Guardia die Finanza teilte am Freitag - knapp zehn Tage nach dem Fund - mit, es stehe immer noch nicht fest, ob die Papiere echt oder gefälscht seien.

Ähnlicher Fall in Spanien

Betrugsversuche mit US-Bonds kommen immer wieder vor. Erst Anfang Juni hat die katalanische Polizei laut den Zeitungen " La Vanguardia" und " El Mundo" drei Handkoffer mit gefälschten Anleihen und Geld im Wert von 16,5 Billionen Dollar abgefangen. Dutzende von Unternehmern in ganz Spanien könnten mit den gefälschten Papieren geprellt worden sein, vermutete die Polizei.

Die Geschichte der Betrüger erscheint abenteuerlich: Sie erzählten ihren Opfern nach Angaben mehrerer spanischer Zeitungen, Anleihen der amerikanischen Notenbank aus dem Jahr 1934 zu besitzen, die in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden seien. Das Problem sei, dass die USA die Papiere nicht eintauschen wollten - ein Rechtsstreit mit den Behörden hätte jedoch große Aussicht auf Erfolg. In dem Glauben, diesen Rechtsstreit mitzufinanzieren, liehen mindestens zwei Spanier der Bande zwischen 30.000 und 40.000 Euro.

Um die vermeintliche Echtheit der Anleihen zu untermauern, präsentierten die Betrüger Handkoffer mit Goldmünzen, Mikrofilmen, Anleihen und gefälschten Scheinen, berichtet die Zeitung "La Vanguardia". Nachdem sie das Geld erhalten hatten, tauchten die Betrüger unter.

tko/kgp/fge

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Emmi 12.06.2009
1. 4123 Fantastilliarden in Omas Matratze gefunden...
"Erst Anfang Juni hat die katalanische Polizei laut den Zeitungen "La Vanguardia" und "El Mundo" drei Handkoffer mit gefälschten Anleihen und Geld im Wert von 16,5 Billionen Dollar abgefangen." Ja, klar. Sonst noch was? Wer bietet mehr!? Emmi
Beutz 12.06.2009
2. :-|
An einer deutschen Grenze gefasst, währe die Beute schon bei Steinbrück. Liebe Grüße.
G.Suermann 12.06.2009
3. witzig....
witzig....oder gefährlich....? Aber mal im Ernst- worüber soll man hier bitte diskutieren? Ob es Nodkorea war...? (Stimmt es eigentlich, dass dort Dollars in großem Stil gedruckt werden?)
Kokeicha333 12.06.2009
4. Was fuer ein Zufall...?
Zitat von sysopEs ist ein gigantischer Fund: Der italienische Zoll hat einen Koffer mit angeblichen US-Staatsanleihen im Nennwert von 134 Milliarden Dollar beschlagnahmt. Laut einem Zeitungsbericht ermittelt jetzt der amerikanische Secret Service. Der Fall wird immer mysteriöser. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,630193,00.html
Vielleicht habe ich in meinem Leben zuviele Bond Filme angeschaut, aber nach den ersten Informationen erscheint es mir doch als grosser Zufall, dass ausgerechtnet diese beiden Maenner gefilzt worden sind? Selbst lebe ich seit vielen Jahren im Europaeischen Ausland und reise regelmaessig mit dem Zug hin und her zwischen den Laendern - und bin in den letzten 17 Jahren kein einziges Mal gefilzt worden. Es kommt dem italienischen Staat ja ueberasschend gut aus, so ein kleines Taschengeld... Bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht!! :)
Mocs, 12.06.2009
5. Titel für Beitrag
Zitat von Emmi"Erst Anfang Juni hat die katalanische Polizei laut den Zeitungen "La Vanguardia" und "El Mundo" drei Handkoffer mit gefälschten Anleihen und Geld im Wert von 16,5 Billionen Dollar abgefangen." Ja, klar. Sonst noch was? Wer bietet mehr!? Emmi
Könnte es sein, dass hier die "europäisch-amerikanische Umsetzung" von "Billions" zu "Milliarden" irgendwie lässig behandelt wurde ?? Den Originaltext http://www.lavanguardia.es/sucesos/noticias/20090603/53716300638/estafa-de-16-billones-de-dolares-falsos-mossos-tesoro-estados-unidos-barcelona-marbella-terrassa-eiv.html finde ich diesbezüglich "wenig aufschlussreich"...
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