Zu viel Fleisch Wal-Mart verbannt Softsex-Magazine

Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart geriert sich in den USA gerne als Sittenwächter. Nun hat es die Männermagazine "Maxim", "Stuff" und "FHM" erwischt. Sie werden aus den Regalen des Riesen aussortiert.


Offenherzig, aber noch bedeckt: Christina Aguilera auf dem "Maxim"-Cover

Offenherzig, aber noch bedeckt: Christina Aguilera auf dem "Maxim"-Cover

Stephen Colvin weiß nicht so recht, was er von der Entscheidung der Konzernzentrale aus Bentonville halten soll. "Vielleicht denken sie, dass Tyra Banks nicht schwarz, sondern pink hätte angezogen sein müssen." Das Top-Model war kürzlich auf dem Titel der amerikanischen Ausgabe von "Maxim" abgebildet, das von Colvins Firma Dennis Publishing vertrieben wird. "Ich denke nicht, dass solche Entscheidungen meistens rational sind, sie sind subjektiv. Wenn ein Männermagazin auf dem Cover eine Frau zeigt, scheint sie das zu beunruhigen," sagte er der "New York Times".

Der Grund für die Verunsicherung des Zeitschriftenmanagers ist eine Entscheidung des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart. Die Männermagazine "Maxim", "Stuff" und "FHM" werden ab sofort nicht mehr in den Regalen der Riesen-Stores zu finden sein.

Den genauen Grund für diese drakonische Maßnahme wollte Wal-Mart-Sprecherin Melissa Berryhill der Zeitung nicht nennen. Die Entscheidung sei nach einer Befragung von Kunden und Mitarbeitern gefallen. "Ich weiß, dass sie von dem Angebot mindestens eines der Magazine nicht angetan waren", so die Sprecherin.

Bei "FHM" ärgert man sich über die Entscheidung. ""FHM" veröffentlicht keine Nacktbilder und wird das auch niemals tun. Und "FHM" hält sich an diese Politik weitaus genauer als die Bademodenausgabe von "Sports Illustrated" oder manche Frauenmagazine, die unter dem Deckmantel von Kunst nackte Brüste zeigen", ließ sich eine Sprecherin der britischen Emap-Gruppe zitieren, die "FHM" vertreibt.

Wal-Mart ist bereits häufiger als Sittenwächter der USA aufgetreten. So werden CDs mit anrüchigen Songtexten oder offenherzigen Bildern speziell für den Handelskonzern umgearbeitet oder mit Warnhinweisen versehen. Im September 2001 wurde außerdem eine Ausgabe des Frauenmagazins "InStyle" aus den Regalen genommen, auf dem die Schauspielerin Kate Hudson ohne Kleider zu sehen war.

"FHM"-Titel: "Weniger aufreizend als Sports Illustrated"

"FHM"-Titel: "Weniger aufreizend als Sports Illustrated"

Der Konzern aus Bentonville, Arkansas, hat längst die Macht, seinen Lieferanten die Bedingungen zu diktieren. Mit einem Jahresumsatz von 244,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr hat sich Wal-Mart uneinholbar an die Spitze aller Einzelhändler gesetzt. Auch im Zeitschriftenhandel, der nicht zum Kerngeschäft zählt, überflügelt der Konzern mit einem Marktanteil von 15 Prozent die gesamte Konkurrenz.

Nach Ansicht von Jura-Professorin Nadine Strossen wirkt der Bannstrahl des Handelsriesen in einigen Gebieten der USA wie eine Beschränkung der Pressefreiheit. "Es hat genau den gleichen Effekt wie eine staatliche Zensur." Dem widerspricht Wal-Mart-Sprecherin Berryhill: "Die meisten Lebensmittelhändler und Drogerien verkaufen auch Magazine."

Möglicherweise kommt der Druck auf das Wal-Mart-Management auch von Investoren. Vor allem Arthur Ally, Präsident des wertkonservativen Fonds Timothy Plan, hat sich mehrfach über Hochglanzmagazine beschwert, die mit Bildern schöner, halbnackter Frauen um Kundschaft buhlen. Über "Maxim" und "FHM" fällt er gegenüber der "New York Times" folgendes Urteil: "Das ist Soft-Core-Pornografie, das macht sehr süchtig und es führt zu härterem Zeug."



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