Zug-Massenausfälle Konzernchef Grube war vor Berliner S-Bahn-Desaster gewarnt

Das Berliner Nachverkehrschaos hat Bahn-Chef Grube nach SPIEGEL-Informationen keineswegs überrascht. Schon im Mai schrieb ihm Verkehrsverbund-Geschäftsführer Franz einen Warnbrief wegen Betriebsmängeln - es werde "größtenteils auf Kosten der Qualität und Sicherheit gespart", kritisiert er.

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Berlin - Bahnchef Rüdiger Grube ist frühzeitig auf Missstände bei der Berliner S-Bahn hingewiesen worden. Er wurde schon mehrere Wochen vor der jüngsten Eskalation von Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, schriftlich vor Betriebsrisiken gewarnt.

Das Eisenbahnbundesamt hatte kürzlich wegen mangelnder Wartung Hunderte von S-Bahn-Waggons aus dem Verkehr gezogen, so dass in der Hauptstadt nur noch ein Notbetrieb aufrecht erhalten werden konnte. Dabei hatte Franz schon am 12. Mai an Grube geschrieben: "In den letzten Monaten sind leider Verspätungen, Zugausfälle und sonstige Qualitätsmängel an der Tagesordnung." Die Fahrgäste hätten das Vertrauen in die Berliner S-Bahn verloren, und es könne nur durch "einen deutlichen (Wieder-)Anstieg der Qualität" zurückgewonnen werden.

Zu einem von Franz angebotenen persönlichen Gespräch kam es indes nicht. Grube reagierte lediglich sechs Wochen später mit einem allgemein gehalten Brief. Auf die von Franz angesprochenen Missstände ging er mit keinem Wort ein. Für den Chef des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg ist das kein Zufall - Franz zufolge setzt Rüdiger Grube den Kurs seines Vorgängers Hartmut Mehdorn ungebremst fort.

Der Nahverkehr werde wegen des geplanten Börsengangs der Bahn "ausgegequetscht wie eine Zitrone", warnt Franz. Allein im kommenden Jahr sollen im Konzern zwei Milliarden Euro eingespart werden. Das gehe "größtenteils auf Kosten der Qualität und Sicherheit im Nahverkehr". Die Betriebsausfälle bei der Berliner S-Bahn seien nur der Anfang: "Wir werden uns im ganzen Land an solche katastrophalen Zustände gewöhnen müssen."



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