Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zukunftsvisionen: Google 2010

Von

Chat-Software, E-Mail, personalisierte Homepages - Google bietet zunehmend Produkte an, die mit klassischer Internetsuche nichts zu tun haben. Was hat der kalifornische Internetriese vor? SPIEGEL ONLINE analysiert denkbare Szenarien.

Screenshot: "Quo vadis?" in Google-Typographie auf der Seite Logogle.com

Screenshot: "Quo vadis?" in Google-Typographie auf der Seite Logogle.com

Hamburg - Eric Schmidt weiß, dass man die Weltherrschaft nicht über Nacht erringen kann. Deshalb hat sich Googles Chart zeigen Vorstandschef langfristige Ziele gesetzt. Sein Unternehmen wolle sämtliche Informationen auf dem Planeten googelbar machen. "Das", so Schmidt unlängst, "wird nach gegenwärtiger Schätzung 300 Jahre dauern."

Einige Zeit lang sah es so aus, als ob Google diesem Ziel langsam aber sicher näher käme. Bei neuen Produkten konzentrierten sich die Kalifornier auf ihre Kernkompetenz: Große Datenbestände durchsuchen und für den Nutzer das Relevante herausfischen. Diese Fokussierung ist Teil der Unternehmensphilosophie: "Es ist besser, eine Sache richtig, richtig gut zu machen" statt sich auf vielen verschiedenen Feldern zu tummeln, heißt es auf Googles Webseite.

Entsprechend hatten alle bisherigen Projekte mit dem Aufspüren und Sortieren von Informationen zu tun. Der E-Mail-Service Gmail etwa googelt das Postarchiv, das Programm Google Desktop durchsucht binnen Sekunden die gesamte Festplatte von PCs. Und mit dem 3D-Kartenservice Google Earth kann der Nutzer sich beispielsweise alle Chinarestaurants auf der Upper East Side anzeigen lassen.

Masterplan oder Gemischtwarenladen?

"Google macht in Suche" heißt es auf der Homepage. Dieser Fokus scheint dem Unternehmen auf den ersten Blick etwas abhanden gekommen zu sein: Das neueste Produkt, Google Talk (siehe Kasten) hat nichts mit Suche zu tun. Auch einige andere Angebote, wie die personalisierte Homepage passen nicht unbedingt zu einer reinrassigen Suchmaschine. Kritiker spötteln bereits, Google habe einfach zu viel Geld und zu viele brillante Programmierer, die wiederum zu viel Zeit hätten.

Seit Google angekündigt hat, weitere Aktien im Wert von über vier Milliarden Dollar an der Börse platzieren zu wollen, wird fröhlich spekuliert, ob das Dotcom einen Kurswechsel plant oder sich durch Zukäufe ein weiteres Geschäftsfeld erschließen will. Kauft Google die siechen TV-Set-Topboxen-Firma Tivo? Oder den Internet-Telefonie-Anbieter Skype? Oder ein mittelgroßes Medienunternehmen, wie Trader Classified Media?

Keine der genannten Theorien erscheint wirklich plausibel. Bisher hat Google immer wert darauf gelegt, durch selbstentwickelte Produkte zu wachsen. Wenn das Unternehmen andere Firmen aufkaufte, waren es in der Regel kleine Start-Ups mit interessanter Technologie, die Googles code monkeys dann weiterentwickelten. Schließt man einen Mega-Deal aus, ergeben sich verschiedene Szenarien, für die Zukunft:

Szenario I - Reise in die Vergangenheit

Google bietet inzwischen Suche, E-Mail, personalisierte Homepage, Instant Messaging, Bildverwaltung und Nachrichten an - dieses Rundumservice-Paket soll die Marke stärken und den Nutzer möglichst lange im Google-Universum binden. Das Konzept erinnert an jene Portal-Strategie, die Yahoo! und AOL Ende der neunziger Jahre verfolgten. Das Konzept verschlang Unmengen an Geld, der Erfolg war bescheiden. Zurzeit ist das Modell wieder en vogue. Medienmogul Rupert Murdoch kauft sich momentan ebenfalls ein Portal zusammen. Allen Weiner von der Unternehmensberatung Gartner glaubt, "dass sich Google eindeutig in diese Richtung bewegt". "Wir folgen keiner Portallogik", erklärt hingegen ein Google-Sprecher.

Szenario II - Redmond, wir kommen!

Besseres Informationsmanagement ist eine der wichtigsten Neuerungen des für 2006 angekündigten Windows-Updates Vista. Defizite gibt es reichlich: Derzeit kann Microsofts Betriebssystem Festplatten de facto nicht durchsuchen, Googles Desktop-Software findet Dateien hingegen in Sekundenschnelle. E-Mails oder Bilder zu finden ist (wenn man nicht Microsofts inzwischen erhältlichen MSN Desktop installiert) bei Windows ebenfalls ein hoffnungsloses Unterfangen. Mit Google geht beides ganz leicht. Google-Produktmanager Nikhil Bhatla sagte laut "Business Week" mit Hinblick auf die eigenen Softwareprodukte: "Wir versuchen, daraus eine Plattform zu schmieden." Einige Beobachter glauben deshalb, Google werde demnächst auch einen Internetbrowser oder eine Textverarbeitung anbieten und mittelfristig ein ernsthafter Konkurrent der Gates Firma werden.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: