Zumwinkel-Nachfolge Frank Appel wird neuer Post-Chef

Er war der Kronprinz, jetzt wird er schneller Chef als erwartet: Der bisherige Logistik-Vorstand Frank Appel ist vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post gewählt worden - und ersetzt damit den wegen Steuerproblemen zurückgetretenen Klaus Zumwinkel.


Hamburg - Er gilt als Zumwinkels Ziehsohn - und tritt nun sein Erbe als neuer Chef der Deutschen Post an: Frank Appel wurde heute auf einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats der Deutschen Post Chart zeigeneinstimmig gewählt. Zuvor akzeptierte das Gremium den Rücktritt des von der Steueraffäre schwer angeschlagenen Zumwinkel.

Frank Appel: Über Umwege auf den Chef-Sessel der Deutschen Post
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Frank Appel: Über Umwege auf den Chef-Sessel der Deutschen Post

Appel trete sein Amt mit sofortiger Wirkung an, teilte die Post mit. Er hat einen Vertrag bis Oktober 2012. Laut "Financial Times Deutschland" übernahm Appel allerdings schon vergangenen Donnerstag die Geschäfte, nachdem Zumwinkel in seiner Villa verhaftet worden war. Neben Appel galt Finanzvorstand John Allan als aussichtsreichster Kandidat für den Chefsessel. Sein Vertrag wurde heute um zwei Jahre verlängert und läuft nun bis Ende 2010.

"Der Aufsichtsrat ist davon überzeugt, dass Herr Appel der Garant dafür ist, das Unternehmen strategisch zu stärken und die anstehenden Herausforderungen konsequent anzupacken", sagte  Aufsichtsratschef Jürgen Weber. Appel habe bereits bewiesen, dass er bei "komplexten Themen schnell und erfolgreich entscheidet".

Zumwinkel habe in den vergangenen 18 Jahren "Großes" geleistet, sagte der neue Chef Appel nach seiner Wahl. "Auf diesem stabilen Fundament kann ich aufbauen." Er werde rasch und konsequent Handlungsschwerpunkte setzen. Appel kündigte bei seinem ersten Auftritt als Unternehmenschef an, mit Hochdruck über das chronisch mit Verlusten kämpfende US-Geschäft der Post und über die Zukunft der Postbank entscheiden zu wollen. 

Die Arbeitnehmervertreter begrüßten die Entscheidung des Aufsichtsrats. Appel sei "eine gute Wahl", sagte Aufsichtsratsvizechefin und Verdi-Bundesvorstandsmitglied Andrea Kocsis.

Für den scheidenden Chef Zumwinkel hatte der Aufsichtsrat nur knappe Worte übrig: Er dankte ihm für "die erfolgreiche unternehmerische Führung des Konzerns in den vergangenen 18 Jahren und für die hervorragende Leistung beim Aufbau des weltweit größten Logistikkonzerns". Vor dem Steuerskandal galt es als ausgemachte Sache, dass Zumwinkels Ende des Jahres mit Auslaufen seines Vertrages die Post verlässt. Einer Zeitung sagte Zumwinkel nach seinem Rücktritt: "Ich wollte eine neue Ära einleiten, aber mit einem anderen Übergang, als es jetzt geschieht."

Das Erbe des Mentors

Nach dem jähen Ende der Ära Zumwinkel muss der 1961 geborene Appel nun die Erblasten aus der 18-jährigen Amtszeit seines langjährigen Mentors schultern: Er muss eine Lösung für das hoch defizitäre US-Expressgeschäft des ehemaligen Staatsmonopolisten finden und über die Zukunft der Postbank entscheiden, um die zahlreiche Konkurrenten heftig buhlen.

Appels Lebenslauf deutete zunächst nicht auf eine Karriere hin, die auf den Chefsessel bei dem Dax-Konzern und weltweit agierenden Logistik-Dienstleister zulief: Appel legte 1989 an der Uni München sein Diplom als Chemiker ab, 1993 folgte eine Promotion als Neurobiologe. Dann nahm er einen totalen Richtungswechsel vor und stieg bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft McKinsey ein - diese gilt als Kaderschmiede für den Post-Vorstand. Denn neben Zumwinkel sammelten auch Ex-Finanzvorstand Edgar Ernst, Ex-Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann und dessen Nachfolger Wolfgang Klein Erfahrungen bei den Beratern.

Im Jahr 2000 warb Zumwinkel Appel von "McKinsey" ab und bereits 2002 saß der 46-Jährige im Post-Vorstand. Seinen Ritterschlag zum Chef-Favoriten erhielt Appel im Mai 2007: Damals übertrug ihm Zumwinkel die Verantwortung für das internationale Briefgeschäft und - noch wichtiger - für den Zentralbereich Regulierungsmanagement. Letzterer war bislang absolute Chefsache - die politische Lobby-Arbeit rund um das für die Post so wichtige Briefmonopol gilt im Konzern als Königsdisziplin.

Zumwinkel war am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft vernommen worden. Dem dienstältesten Chef eines DAX-Konzerns wird vorgeworfen, mit Hilfe von Anlagen in Liechtensteiner Stiftungen Steuern von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben. Er bot bereits am Freitag seinen Rücktritt als Postchef an.

sil/ssu/dpa/Reuters



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