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Zusammenbruch nach Arcandor-Pleite: Schickedanz im Krankenhaus behandelt

War der Druck zu hoch für Madeleine Schickedanz? Am Tag, als Arcandor Insolvenz anmeldete, musste die Großaktionärin ins Krankenhaus - mittlerweile sei ihr Zustand stabil, erklärte ihr Büro.

München - Wochenlang hat Madeleine Schickedanz mit Arcandor und der Bundesregierung hart verhandelt. Mehr Geld zur Rettung des maroden Handelskonzerns wollte oder konnte die Großaktionärin nicht geben. Mehrfach lehnte sie Forderungen ab, den Konzern durch eine Finanzspritze vor der Insolvenz zu bewahren.

Milliardärin Schickedanz: "Gehofft und gebangt"
DPA

Milliardärin Schickedanz: "Gehofft und gebangt"

Doch am Dienstag ist Arcandor diesen Schritt gegangen. Wie die Illustrierte "Bunte" auf ihrer Internetseite berichtete, musste die Quelle-Erbin am Tag der Pleite auf der Intensivstation behandelt werden. Das Büro von Schickedanz bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass sich die Tochter der Quelle-Chefs Gustav und Grete Schickedanz im Krankenhaus befunden habe. Mittlerweile habe sich der Zustand der 65-Jährigen stabilisiert. Gut gehe es ihr aber nicht.

Erst am Mittwoch hatte Schickedanz eine persönliche Erklärung zur Insolvenz der Arcandor verbreitet, in der sie mitteilte: "Bis zur letzten Sekunde habe ich gehofft und gebangt, um dieses Schicksal abzuwenden."

Zugleich wies sie indirekt jede Verantwortung für die Arcandor-Pleite zurück. Sie habe sich mit ihrem "gesamten Vermögen engagiert", um die Schieflage des Unternehmens mit 43.000 Mitarbeitern zu überwinden, sagte sie. Schickedanz' Vermögen war allerdings noch im März 2009 vom US-Magazin "Forbes" auf eine Milliarde Dollar geschätzt worden, Tendenz fallend. Ihr Reichtum ist durch den Aktienkursverfall bei Arcandor bedeutend geschrumpft.

Arcandor hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet, nachdem dem Konzern zuvor staatliche Bürgschaften und Rettungsbeihilfen verweigert worden waren. Die Bundesregierung hat den Schritt damit begründet, dass sich neben Gläubigern auch die Eigentümer nicht ausreichend für die Arcandor-Rettung engagieren wollten. Eine höhere Beteiligung an einem nachgebesserten Konzept, um doch noch staatliche Rettungsbeihilfen zu bekommen, hatten die Hauptaktionäre - außer Schickedanz das Bankhaus Sal. Oppenheim - dann abgelehnt.

Sal. Oppenheim hält die drohenden Abschreibungen infolge der Pleite des Handelskonzerns Arcandor für verkraftbar. "Der Verlust aus dem Arcandor-Engagement ist für das Bankhaus Sal. Oppenheim und dessen Gesellschafter bedauerlich, aber absolut verkraftbar", sagte ein Sprecher der Privatbank am Mittwoch. Abschreibungsgefährdet seien bis zu 167 Millionen Euro.

Karstadt verbucht kleines Plus

Die Karstadt-Kaufhäuser des insolventen Arcandor-Konzerns laufen einem Zeitungsbericht zufolge besser als bislang in der Öffentlichkeit bekannt. Die Sparte habe im ersten Halbjahr des bis März laufenden Geschäftsjahrs einen operativen Gewinn von sieben Millionen Euro eingefahren, berichtet die "Financial Times Deutschland" am Donnerstagabend - für das Unternehmen ein wichtiges Argument, um eine Abwicklung abzuwenden.

Im gesamten vorigen Geschäftsjahr hatte Karstadt operativ einen Verlust von 272 Millionen Euro erlitten. Die neuen Zahlen gingen aus dem Gutachten über den gescheiterten Bürgschaftsantrag des Unternehmens hervor, so die "FTD". Die Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) hatte für die Expertise Zugriff auf sämtliche Daten Arcandors. Der Konzern will die Ergebnisse erst am 18. Juni veröffentlichen.

ssu/AP

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Forum - Arcandor - ist Insolvenz die beste Lösung?
insgesamt 718 Beiträge
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1. Spiegel-Online hat DIE Macht
yupii 09.06.2009
Das sich Spiegel-online damit brüstet, dass sie, durch das Vermelden der Entscheidung des Vorstands, den Antrag auf einen staatlichen Notkredit nicht zu verbessern, den Kurs um 30 % fallen sinken lassen haben finde ich überheblich und beängstigend. Wer sich so mit seiner vermeintlichen macht rühmt und auch noch so leichtfertig damit umgeht, der kann einen ja nur Angst machen. Sich mit Dingen zurühmen , die nichts Gutes sind ist man eigentlich eher von der Bild-Zeitung gewohnt
2. Faire Lösung
bringtheheat, 09.06.2009
Die Insolvenz ist wohl die fairste Lösung für alle. All die Absolventen von Studium und Ausbildung bekommen momentan keine Chance zu zeigen was sie können. Arcandor hatte seine Chance, hat sie aber nicht genutzt. Nun sind andere an der Reihe. Neben den offensichtlichen Fehlern des Big-Business-Middelhoff, die Immobilien zu verkaufen tragen aber auch die Verkäufer in den Häusern eine gehörige Mitschuld. Ich kann zwar nicht beurteilen inwiefern der Verkauf der Immobilien damals alternativlos war, aber ich kann beurteilen, das ein Unternehmen ohne Werte immer am Abgrund steht, da man speziell bei den regelmäßigen Kreditverhandlungen im Handel nichts einbringen kann und keine Sicherheiten vorlegen kann. Man geht dort einkaufen, wo man sich wohl fühlt. Auf den Cent achtet man bei der Größenordnung nicht. Bei dumm und dreist in Gruppen rumstehenden Verkäuferinnen fühlt man sich nunmal nicht wohl. In kleineren Filialen trampeln einem die Verkäuferinnen überspitzt formuliert direkt auf die Füße sobald man den Laden betritt. Die schleppende Sanierung der Häuser tut ein übriges. In meiner Stadt (330tsd Einw.) fühlt man sich bei Karstadt eher wie auf nem türkischem Basar. Interessanterweise hat Arcandor durch den Verkauf der Immobilien Vertrauen bei den Kreditgebern verloren. Der Götze einer möglichst hohen Eigenkapitalrentabilität die ja gerade durch wenig Eigenkapital erreicht wird, also möglichst wenig Risiko einzugehen ist in diesem Fall wohl auch gescheitert. Die Entscheider vergessen heutzutage oftmals, das es Käufer und Verkäufer, Schuldner und Gläubiger usw. gibt. Das ganze nennt sich wohl modernes Unternehmertum...lol Ich möchte hier mal die These aufstellen, das die Insolvenz lange Zeit absehbar war und man daher alle Vermögenswerte schon vor längerer Zeit von Arcandor abgetrennt hat. Wer steigt mit ein?...:-D
3.
idealist100 09.06.2009
Zitat von sysopArcandor gibt auf: Der Handelskonzern hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Betroffen sind die Tochterfirmen Karstadt, Quelle, Primondo, aber nicht Thomas Cook. Ist diese Insolvenz-Lösung die beste für den Konzern und seine Angestellten?
Wenn 50 % der Jobs erhalten werden zu marktüblichen Gehältern, kein Lohndumping wie bei Karstadt/Quelle, dann war es ein Erfolg. Vielleicht werden es ja auch mehr. Ich hoffe nur das kein müder Eurone für die Eigner Schicki-miki, Openeimer, Esch, middelh, Eick etc. übrigbleibt.
4. Klar
elwu, 09.06.2009
ist eine Insolvenz die beste Lösung, wäre es auch bei Opel gewesen... Zum Artikel: "Die Finanzkrise hat erstmals einen deutschen Großkonzern in die Insolvenz getrieben." Ah ja? Arcandor war schon seit Jahren siech! Auch ohne die Finanzkrise. Wenn doch wenigstens die Journalisgten aufhören würden, die Finanzkrise für jede Pleite als Begründung zu nennen. Statt richtigerweise das Versagen und/oder die Gier von Managern und Politikern.
5.
D0nJuAn 09.06.2009
Ein dank an die Regierung das sie es nicht zum kompletten Dammbruch hat kommen lassen.
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