Zusammenschluss TÜV Süd und TÜV Rheinland stehen vor Fusion

Die Prüf-Giganten schließen sich zusammen: Der TÜV Rheinland und der TÜV Süd gaben überraschend bekannt, fusionieren zu wollen. Der neue Konzern wäre weltweit die Nummer Zwei nach der Schweizer SGS.


München - Deutschlands Prüfstellen schmieden einen Riesenkonzern: Ein Sprecher des TÜV Rheinland bestätigte auf Anfrage, dass es Pläne für eine Fusion mit dem TÜV Süd gibt. Beide Unternehmen luden kurzfristig und überraschend zu einer Pressekonferenz ein, die morgen in Düsseldorf stattfinden wird. Auf ihr sollen Einzelheiten der Fusion bekannt gegeben werden.

TÜV-Prüfer bei der Arbeit: Sondierungsgespräche für den Riesenkonzern
DDP

TÜV-Prüfer bei der Arbeit: Sondierungsgespräche für den Riesenkonzern

Die Pläne zum Zusammenschluss könnten weiter fortgeschritten sein als von den Prüfstellen angegeben: Die Aufsichtsräte der beiden TÜV haben den Weg für einen Zusammenschluss laut "Financial Times Deutschland" bereits frei gemacht. Auch der Chef des neuen Konzerns stehe schon fest, berichtet das Blatt. Axel Stepken, bislang Chef des TÜV Süd, solle den neuen Superkonzern leiten, Bruno Braun, Chef des TÜV Rheinland, den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.

Der TÜV Süd ist mit 12.000 Beschäftigten und 1,2 Milliarden Euro Umsatz Marktführer und seit längerem international auf Expansionskurs. Der TÜV Rheinland ist mit rund 12.000 Mitarbeitern in 62 Ländern aktiv. Gingen die beiden TÜVs zusammen, würde der mit Abstand größte Prüfkonzern in Deutschland entstehen. Er wäre mit 2,2 Milliarden Euro Umsatz und 24.000 Beschäftigten außerdem weltweit die Nummer Zwei nach der Schweizer SGS.

Der TÜV Nord in Hannover, dessen geplante Fusion mit dem TÜV Süd im vergangenen Jahr nach langen Verhandlungen gescheitert war, bliebe nach der Fusion allein zurück. "Für die Bildung eines nationalen Champions wäre die Fusion von TÜV Süd und TÜV Rheinland der richtige Schritt", sagte Guido Rettig, Vorstandschef des TÜV Nord, der FTD.

Angesichts der Marktpositionen der beiden Konkurrenten sieht Rettig allerdings kartellrechtliche Hürden. "Bei unserer geplanten Fusion mit dem TÜV Süd wäre das Kartellrecht ein Thema geworden. Das dürfte nun nicht anders sein." Für sein eigenes Unternehmen sieht er trotz der überragenden Größe des neuen Marktführers aber keinen Handlungsdruck. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der TÜV Nord bis 2010 in irgendeine größere Fusion geht", sagte er.

Die geplante Fusion zwischen TÜV Süd und TÜV Nord war im vergangenen August in letzter Minute gescheitert. Als Gründe wurden ein erheblicher Integrationsaufwand und kartellrechtliche Bedenken genannt. In der Branche war aber spekuliert worden, dass die unterschiedlichen Interessenlagen der beiden Unternehmen einem Zusammenschluss entgegenstanden. Kurz zuvor war das Übernahmeangebot des TÜV Süd für den Schiffsprüfer Germanischer Lloyd gescheitert.

In Deutschland, wo die letzten Monopole der ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Technischen Überwachungsvereine Ende Dezember ausgelaufen sind, geht es für den TÜV vor allem um die Verteidigung der Positionen. Konkurrenten wie SGS oder das französische Bureau Veritas engagieren sich in international wachstumsstarken Teilsegmenten wie Produkt-Zertifizierung oder Management-Zertifizierung. Die großen deutschen TÜV-Gesellschaften wollen auf diesen Wachstumsmärkten dabei zu sein.

ssu/AP/dpa



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