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Zusatzversicherung: Worauf Versicherte bei Zahnpolicen achten müssen

Von Karen Schmidt

Die Behandlung beim Zahnarzt ist teuer, und die Kassen erstatten nur einen Teil der Kosten. Deshalb haben mehr als zwölf Millionen Deutsche eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Aber welche Tarife gibt es überhaupt? Und was müssen Patienten beachten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Zahnarzt: Behandlungen sind teuer und werden es auch bleiben

Es gibt mächtig Ärger im Gesundheitswesen: Zahnärzte, Gesundheitsministerium, Krankenkassen und private Versicherer liegen im Clinch. Und natürlich geht es ums Geld. Nach 23 Jahren soll ab 2012 für die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) eine neue Fassung gelten. Sechs Prozent mehr werden die 66.000 Zahnärzte dann verdienen. Das seien rund 345 Millionen Euro, so das Ministerium.

"Optimistisch knapp geschätzt", sagt Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Für eine Vollkrone müssten die Versicherten in Zukunft rund 74 Euro mehr bezahlen, bei der Teleskopkrone seien es gar 230 Euro mehr als heute.

Die Zahnärzte hätten keinen Nachholbedarf. "Bei der Gebührenordnung handelt es sich nicht um eine fixe Preisliste", so der Verbands-Vize gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Der Zahnarzt kann selbst entscheiden, welchen Steigerungssatz er für Leistungen benutzt." Die in der GOZ angegebene Gebühr lässt sich je nach Komplexität der Behandlung steigern, etwa um das 2,3-fache oder das 3,5-fache.

Und hier bewegten sich viele Zahnärzte eher am oberen Ende, meint auch Volker Leienbach vom Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV). Von 2000 bis 2009 habe sich die Zahl der Abrechnungen mit einer Steigerung um mehr als den Faktor 2,3 um fast 65 Prozent erhöht. Und das treibt die Kosten: "Die Ausgaben der PKV für Zahnmedizin sind in den vergangenen zehn Jahren überproportional gestiegen, von 359 Euro je Vollversicherten im Jahr 1999 auf 488 Euro im Jahr 2009. Das rechtfertigt keine Ausweitung der Zahlungen um sechs Prozent."

Hoher Eigenanteil

Zahnersatz und -behandlung sind teuer und werden es auch bleiben. Auf einen Teil der Kosten bleiben gesetzlich Versicherte sitzen - gerade, wenn sie mehr als den Standard wollen. Denn die Krankenkassen zahlen von den Zahnersatzkosten nur einen Teil. Wie viel, gibt das sogenannte befundorientierte Festzuschusssystem vor. Für den komplizierten Fall von zwei Implantaten plus Knochenaufbau und einer Krone liegt er bei 863 Euro. Die ganze Behandlung kostet aber eigentlich 3.803 Euro. Bleibt ein Eigenanteil für den Patienten von 2.940 Euro. Tendenz steigend.

Diese Kosten lassen sich mit einer privaten Zahnzusatzversicherung drücken. Die Tarife sind mit Abstand die beliebtesten Zusatzprodukte in der Krankenversicherung. Von den 21,5 Millionen Menschen, die in Deutschland eine Zusatzversicherung haben, wappnen sich aktuell 12,4 Millionen mit einer Zahnzusatzversicherung für ihren nächsten Zahnarztbesuch.

Die besten Zusatztarife für Zahnersatz
Die Tabelle zeigt Zahnzusatzpolicen mit guten Leistungen bei Zahnersatz. Das Analysehaus Franke und Bornberg hat dabei nur den jeweils besten Tarif eines Anbieters berücksichtigt, was Preis und Leistung angeht. In der Tabelle sind nur Produkte mit der Mindestnote "gut" zu finden.
Tabelle
Die besten Zusatztarife für Zahnersatz
Anbieter Tarif Beitrag* (€/Monat) Ratingnote Zahnersatz*** Zahnersatz
R+V Zahn comfort, ZV 23,41 FFF 70% inkl. Vorleistung der GKV, mind. Leistung in Höhe des GKV-Festzuschusses, max. verbleibende Aufwendungen
CSS CSS.flexi ZB, CSS.flexi ZE top 25,54** FFF 80% bis 90% der Zahnarztrechnung
Signal DENT-FEST, Z50-3 16,28 FF+ Verdoppelt Festzuschuss der GKV bis max. 100% des Rechnungsbetrags plus 50% der verbleibenden Aufwendungen
Allianz ZahnBest 20,98 FF+ 80% bei privatzahnärztlicher Behandlung
Arag Z100 27,06 FF+ 80% bei privatzahnärztlicher Behandlung
Deutscher Ring dent+, smile 30,22 FF+ inklusive Leistung GKV 80% bis zu einem Rechnungsbetrag von 14.000 Euro
DKV D50, DBE 14,30 FF 50% inkl. Vorleistung der GKV, 55%, wenn der Kunde zu einem Zahnarzt geht, der mit der DKV kooperiert
Janitos JA dental plus 17,83** FF 80% bis 90% abzüglich Leistung der GKV
Barmenia ZG Plus 23,24** FF 85% abzüglich Vorleistung GKV, max. 100% mit den Leistungen der GKV
Universa dentIPrivat 23,94 FF 88% bei privatzahnärztlicher Behandlung unter Anrechnung der GKV-Vorleistung
Münchner Verein Dental Care Comfort 768, Prophylax Classic 24,55 FF 100% nach Vorleistung GKV, maximal 40% der Gesamtkosten, Leistung begrenzt auf 5.200 Euro/Jahr
Württembergische ZG70, ZB 34,78 FF 70%, maximal 80% mit den Leistungen der GKV
SDK ZG70, ZGB 34,93 FF 70%, maximal 90% mit den Leistungen der GKV
* Beitrag für einen 40-jährigen Mann

** Beitrag ohne Altersrückstellungen gerechnet, Preis steigt in der Regel jedes Jahr an. Ein 60-Jähriger bezahlt beim CSS-Tarif zum Beispiel 37,55 Euro

*** FFF = hervorragend, FF+ = sehr gut, FF = gut

Quelle: Franke und Bornberg
In der Regel übernehmen die Privaten einen festen Prozentsatz der Zahnarztrechnung. Für bessere Materialien lassen sie üblicherweise 80 Prozent inklusive Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung springen. Im obigen Beispiel der Implantate wären das 2.180 Euro. Der Patient müsste also nur noch 761 Euro aus eigener Tasche zahlen. Eine andere Variante ist es, den Anteil der Krankenkasse schlicht zu verdoppeln. Hier flattert dem Versicherten aber oft doch noch eine hohe Rechnung ins Haus - etwa über 2.077 Euro, für das Implantate-Beispiel gerechnet.

Was fällt unter "Zahnbehandlung"?

Klären sollten Versicherte auch die Frage, für welchen Zahnersatz ihr Anbieter zahlt. Manche Versicherer wie Axa und Central gehen nicht genauer auf ihre Definition zu den abgedeckten Materialien ein, sprechen von Zahnersatz und Kronen.

Andere Gesellschaften äußern sich etwas klarer. Die Arag nennt beim Tarif Z100 beispielsweise Implantante und Onlays sowie Einlagenfüllungen aus Kunststoff, Gold oder Keramik. Ebenso wichtig ist es, den Begriff der Zahnbehandlung zu klären. Sind Wurzel- und Parodontose-Behandlungen abgedeckt oder nicht? Anbieter wie Ergo Direkt oder Debeka schließen diese Eingriffe in ihren Tarifen ZBB und AZ plus aus.

Große Unterschiede gibt es auch bei der professionellen Zahnreinigung. Beim Tarif ZV der R+V gibt es das Geld für eine Reinigung im Jahr zurück, Allianz übernimmt beim ZahnBest maximal 50 Euro im Jahr, Arag oder CSS etwa nennen keine Begrenzung.

Allerdings können die Leistungen auch gedeckelt sein. Die Arag erstattet im ersten Vertragsjahr zum Beispiel nicht mehr als 500 Euro, im zweiten Jahr sind es 1.000 Euro. Bei der R+V ist über vier Jahre bei 10.000 Euro Schluss. Andere Gesellschaften dagegen schenken sich die sogenannte Zahnstaffel. Hierzu gehören etwa Allianz, CSS und Debeka.

Eher selten verzichten die Gesellschaften auf die übliche achtmonatige Wartefrist zu Beginn des Vertrags. Sie soll die Versicherungen davor schützen, dass Kunden sich schnell noch versichern, wenn der Zahnarzt eine komplette Gebisssanierung ankündigt. In diesem Fall leisten private Zahnzusatzversicherungen grundsätzlich nicht. Behandlungen, die zum Vertragsabschluss schon in Planung oder angekündigt sind, schließen alle Versicherer von der Leistung aus.

Ergo zahlt auch in der Not

Alle Versicherer? Nein. Ergo Direkt hat im April den Tarif "Zahnersatz-Sofort" gestartet. Er sieht weder Wartezeiten noch Altersbegrenzungen noch Zahnstaffeln vor und greift auch dann, wenn der Zahnarzt mit seiner Behandlung schon angefangen hat. Die Ergo verdoppelt den Festzuschuss der GKV. Dafür müssen sich Kunden 24 Monate an die Ergo binden und 29,90 Euro im Monat an Prämie zahlen. Außerdem können sie den Tarif nur einmal abschließen. Kündigen sie, ist der Weg zurück in das Produkt zu späterer Zeit versperrt.

Und das hat seinen Grund: "Erstmals können sich Kunden versichern, wenn der Schaden bereits eingetreten ist", sagt Peter M. Endres, Vorstandsvorsitzender des Direktversicherers. Das verstößt eigentlich gegen uralte Versicherungspraxis. Aber: "Wir gehen ein kalkulierbares Risiko ein." Die Hilfe in der Not würden die Versicherten honorieren und nicht nach abgelaufener Mindestvertragslaufzeit und abgeschlossener Gebissüberholung wieder kündigen.

Wenn dem doch so ist und die Kunden sich finanzrational verhalten, wie es im Ökonomen-Deutsch so schön heißt, "dann wird dieser Tarif nicht auskömmlich sein", so Endres.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Wichtig
heutedoch 28.08.2011
Diese zusatzversicherungen GENAU zu pfrüfen, am besten bei der Verbraucherzentrale beraten lassen, kostet zwar, erspart aber eine Menge Ärger und Enttäuschung und Geld. Es würde mich interessieren, woher der Autor die Liste der Versicherungen hat... da fehlt nämlich eine gute -die Hanse Merkur. Dafüre ist die Signal Iduna aufgeführt. Warnung: Die ersetzt nur 1250-1750 PRO Jahr, dabei werden auch Füllungen angerechnet oder die anderen kleinen Leistungen, die man bei dem Jahresbeitrag auch selber zahlen kann. Wobleibt dann das Geld für den Zahnersatz? Mit dem Betrag kommt man nicht weit... gerade bei Implantaten. Da zahlt sie nicht dazu, wenn nicht auch die Krankenkasse zahlt. Und für ein Implantat zahlt die Kasse nicht. Der Spiegel hätte lieber auf einen Vergleich der alle Konditionen vergleicht zur Verfügung stellen sollen. Schlecht recherchiert.
2. .
Methados 29.08.2011
"Anbieter wie Ergo Direkt oder Debeka schließen diese Eingriffe in ihren Tarifen ZBB und AZ plus aus." wunder mich das nun, dass gleich die ERGO den negativ bock abschiesst ? nein, nicht wirklich. die, die am meisten geld in irreführende, verbrauchereinsüselnde werbung schmeissen sind eigentlich immer die schlechtesten.
3. Lohnt das wirklich?
lauterbachheiner 29.08.2011
Mal ehrlich, das Risiko das eine Zahnversicherung zahlen muss liegt doch bei nahezu 100%. Folglich sind die Kosten so kalkuliert das die Versicherung nach Möglichkeit keine Verluste macht. Also lohnt sich das am Ende wohl nicht für den Verbraucher. Mein Zahnarzt meinte auf Anfrage auch das er da seinen Patienten nicht wirklich dazu rät. Ihn nervt wohl auch der enorme Papierkram den er damit hat.
4. Wichtige Versicherung
kleister-90 16.08.2013
Die kosten beim Zahnarzt steigen seit langem massiv an. Mein Zahnarzt fährt bestimmt einen Porsche oder ähnliches. Durch eine Zahnzusatzversicherung kann man seine Kosten doch erheblich senken. Ich habe einen Vergleich auf http://www.kostenloser-online-versicherungsvergleich.com/zahnzusatz.php gestartet und meine Zahnzusatzversicherung gefunden.
5. Welche Leistungen sind wichtig
spon-facebook-10000470098 05.01.2014
Das ist das erste was man sich beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung stellen sollte, welche Leistungen sind mir wichtig? Professionelle Zahnreinigung, Inlays, Hohe Kostenübernahme, Zahnersatz, Zahnerhalt (finde ich sehr wichtig). Diese Fragen bitte vorher für sich selber klären. Meine Zusatzversicherung habe ich auf http://www.kostenloser-online-versicherungsvergleich.com gefunden, war recht einfach. Eine Zahnzusatzversicherung für Kinder kann man auf http://www.zahnzusatzversicherung-für-kinder.de finden.
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Zahnzusatzversicherungen - Ausgewählte Anbieter
R+V Zahn comfort, ZV
Zahnersatz und Zahnbehandlung:
Bei Regelversorgung zahlt der Versicherer zusammen mit den Leistungen der GKV 100 Prozent der Kosten für den Zahnersatz. Bei höherwertigem Zahnersatz gibt's zusammen mit den Leistungen der GKV 70 Prozent der Kosten für Zahnersatz. Zum Zahnersatz zählen unter anderem Zahnprothesen, Inlays, Keramikverblendungen, Kronen und Implantate. Zahnbehandlungen werden einmal im Jahr komplett erstattet. Dazu zählen etwa die professionelle Zahnreinigung, Fluoridierung zur Zahnschmelzhärtung und die Fissurenversiegelung. Bei Wurzel- und Parodontosebehandlungen gibt es das Geld komplett zurück, auch die Akupunktur zur Schmerztherapie ist abgedeckt.

Besonderheiten: In den ersten vier Jahren gibt es einen Leistungs- Deckel auf insgesamt 10.000 Euro.
CSS.flexi ZB+ZE top
Zahnersatz und Zahnbehandlung:
Bei Regelversorgung übernimmt CSS 100 Prozent der Kosten. Darüber hinaus werden 80 Prozent der Kosten für Zahnersatz, Aufwand des Zahnarztes und zahntechnische Laborleistungen abzüglich der Leistungen der Krankenkasse übernommen. Als Zahnersatz gelten Brücken, Implantate, Inlays, Kronen, Stiftzähne, Zahnersatz-Reparaturen und Zahnprothesen. Bei Zahnbehandlungen übernimmt CSS die Rechnung komplett, darunter fallen etwa Füllungen, Schienen und Wurzelkanalbehandlungen. Auch die professionelle Zahnreinigung ist komplett abgedeckt.

Besonderheiten: Der Tarif ist ohne Altersrückstellungen berechnet. Hier steigt der Beitrag also in der Regel mit jedem neuen Lebensjahr an. Durch den sogenannten Schadenfreiheitsrabatt gibt's für Versicherte Geld zurück – im Jahr zwischen 5 und 25 Prozent – wenn die CSS nicht in Anspruch genommen wird.
Ergo Zahnersatz-Sofort
Zahnersatz und Zahnbehandlung:
Der Tarif der Ergo-Direkt verdoppelt den Festzuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bis zu 100 Prozent der Gesamtrechnung. Als Zahnersatz gelten Kronen, Brücken, Prothesen und implantatgetragener Zahnersatz, die Reparatur sowie die jeweils notwendigen Laborarbeiten und Materialien. Über die Höchstleistungen der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) oder Ärzte (GOÄ) hinaus leistet der Versicherer nicht.

Besonderheiten: Der Direktversicherer zahlt auch bei bereits begonnenen Behandlungen, wenn diese noch nicht länger als sechs Monate laufen oder abgeschlossen sind. Das ist einzigartig am Markt. Es gibt keine Wartezeiten, Altersbeschränkungen, Gesundheitsfragen, Leistungsstaffeln oder dauerhaften Leistungsbegrenzungen. Dafür aber eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Der Preis liegt bei 19,90 Euro für Jugendliche und 29,90 Euro für über 21-Jährige.

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