Zwangsversteigerungen US-Banken reißen Tausende Häuser an sich

Die US-Kreditkrise fordert immer mehr Opfer: Allein im April ist die Zahl der Zwangsversteigerungen um 65 Prozent nach oben geschossen - Tausende Amerikaner müssen ihr Haus der Bank überlassen. Experten schätzen, dass bald jede vierte zum Verkauf stehende Immobilie einem Finanzinstitut gehört.


New York - Der Traum vom eigenen Heim ist für Tausende Amerikaner geplatzt. Im April ist die Zahl der Zwangsversteigerungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 65 Prozent gestiegen. Aktuell durchlaufen 243.000 Haushalte in den USA einen Zwangsversteigerungsprozess, jeder 519. Haushalt ist betroffen. Dies hat dem Nachrichtendienst Bloomberg zufolge jetzt das Marktportal RealtyTrac ermittelt.

Hausverkauf in den USA: Preise fallen deutlich
AP

Hausverkauf in den USA: Preise fallen deutlich

Die Zahl der Zwangsversteigerungen sei die höchste, die seit Beginn der Erhebung im Januar 2005 gemessen wurde. Allein von März bis April dieses Jahres sei ein Zuwachs von vier Prozent zu verzeichnen gewesen.

Der Grund für die Zwangslage der Hausbesitzer ist die weltweite Kreditkrise. Während immer mehr Bürger Probleme haben, ihre Darlehen zu tilgen, verschärfen die Banken ihre Sicherheitsregeln. Kann ein Kredit nicht zurückgezahlt werden, drängen sie zum Verkauf der Immobilie. Doch genau das verschärft die Krise nur weiter. Die Zwangsversteigerungen "kommen nun noch zu den Häusern hinzu, die ohnehin zum Verkauf stehen", sagte RealtyTrac-Chef James Saccacio laut Bloomberg. "Das drückt die Preise."

Im ersten Quartal sind die Preise für ein durchschnittliches US-Einfamilienhaus um 7,7 Prozent gefallen. Dies entspricht dem stärksten Rückgang seit 29 Jahren, wie der US-Immobilienverband am Dienstag mitteilte. Insgesamt standen Ende März 4,06 Millionen Eigenheime zum Verkauf, 40.000 mehr als einen Monat zuvor.

"Bauherren und Eigentümer müssen ihre Preise signifikant senken, um verkaufen zu können", sagte Brian Fabbri, Nordamerika-Chefvolkswirt der französischen Bank BNP Paribas, in einem Interview.

Was für die Betroffenen hart ist, könnte sich für die Banken lohnen. Denn immer häufiger lassen sie Immobilien pfänden, wenn die Besitzer ihre Zinsen nicht zahlen. Im April stieg die Zahl der Pfändungen verglichen mit dem Vorjahresmonat um 145 Prozent auf 54.574, berichtet RealtyTrac.

Insgesamt dürften die Banken bis Dezember 60.000 Eigenheime pro Monat an sich reißen, schätzt Rick Sharga, der Vize-Marketingchef von RealtyTrac. Zum Ende des Jahres befänden sich dann eine Million US-Häuser in Bankbesitz - dies entspräche jedem vierten zum Verkauf stehenden Eigenheim. "Das sind genau die Immobilien, die den Markt überschwemmen."

wal



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