Zynische Banker US-Reporter schleicht sich bei Wall-Street-Geheimbund ein

Wie vergnügen sich Finanzgrößen? Der Bericht eines US-Reporters liefert peinliche Einblicke in ein Geheimtreffen der Wall-Street-Bruderschaft Kappa Beta Phi. Deren Mitglieder bedenken die unteren 99 Prozent der Gesellschaft mit Spott und Hohn.

Harmlose Fassade: Finanzzentrum an der New Yorker Wall Street
Getty Images

Harmlose Fassade: Finanzzentrum an der New Yorker Wall Street


New York - Sie jubeln, sie grölen, sie werfen Cremetörtchen auf die Bühne. Sie kostümieren sich als Transvestiten oder mormonische Missionare, reißen Witze über Linke, Schwule oder überhaupt über den Rest der Gesellschaft. Auf dem Jahrestreffen der Bruderschaft Kappa Beta Phi präsentieren sich die Größen der Wall Street genau so, wie sie von der Außenwelt auf keinen Fall gesehen werden wollen.

Reporter Kevin Roose vom "New York Magazine" hat sich in die geschlossene Gesellschaft eingeschlichen und präsentiert der Öffentlichkeit nun pikante Details in Text, Bild und Ton. Das Ereignis liegt zwar schon zwei Jahre zurück, im Januar 2012, als draußen die "Occupy-Wall-Street"-Bewegung tobte. Doch dass Roose, damals bei der "New York Times", es gerade jetzt mit seinem Buch "Young Money" veröffentlicht, passt in die Zeit.

Denn neuerdings beklagen immer mehr US-Milliardäre, dass die reichsten ein Prozent unter Neid und Missgunst zu leiden hätten. "Auf den ein Prozent wird aus politischen Gründen herumgehackt", sagte in der vorigen Woche etwa der Finanzinvestor Wilbur Ross dem Bloomberg-Fernsehen. Eben jener Wilbur Ross trat auf besagter Feier in Smoking und lila Samtmokassins als Zeremonienmeister mit dem Ehrentitel "Grand Swipe" (etwa "großer Wisch") auf.

Kappa Beta Phi erinnert mit albern wirkenden Ritualen und den griechischen Buchstaben an die von Eliteuniversitäten bekannten Studentenverbindungen, lehnt aber ausdrücklich moralische Verpflichtungen ab. Die Wall-Street-Bruderschaft hat sich verpflichtet, "den Geist von 1928/29 wachzuhalten", also der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise, und nennt "Dum vivamus edimus et biberimus" ("Während wir leben, essen und trinken wir") als ihr Motto - im Gegensatz zur bekanntesten akademischen Bruderschaft Phi Beta Kappa, die in der "Liebe zum Lernen den Schlüssel zum Leben" sieht.

"Gottes Plan für mich ist ein siebenstelliger Bonus"

Kevin Roose nahm auf, wie Wilbur Ross sich in seiner Eröffnungsrede über das Phi-Beta-Kappa-Wappen mit einer Hand in einer Ärmelkrause als "stillschweigendes Bekenntnis zur Homosexualität" mokierte. Im begeisterten Publikum saßen prominente Kappa-Beta-Phi-Brüder wie Bob Benmosche, Chef des mit 85 Milliarden Dollar vom Staat geretteten Versicherungsriesen AIG Chart zeigen (der vor Monaten öffentlichen Unmut über Boni für AIG-Manager als "genauso falsch" wie Lynchmorde des rassistischen Ku-Klux-Klans bezeichnete).

Zu den verkleideten "wertlosen Neophyten", die neu in die Bruderschaft aufgenommen wurden, zählte der Hedgefondsmanager und Obama-Großspender Marc Lasry. Später sangen sie als Mormonen eine Parodie von "I believe": "Ich glaube, dass Gott für uns alle einen Plan hat. Ich glaube, dass zu meinem Plan ein siebenstelliger Bonus gehört." Andere Teilnehmer besangen die Finanzkrise wie ein Heldenepos aus längst vergangener Zeit.

Das Ende der Feier bekam der Reporter nicht mit, weil ihn sein Nachbar Michael Novogratz enttarnte, Gesellschafter der Private-Equity-Firma Fortress und ein kräftiger, glatzköpfiger Armeeveteran sowie Wrestling-Fan. Das Telefon mit den delikaten Aufnahmen durfte Roose offenbar behalten.

Hier können Sie die Reportage im Original nachlesen.

ak/mmo

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insgesamt 9 Beiträge
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raber 21.02.2014
1. Peinliche Banker
Da muss man sich ja beherrschen um sich bei einem Treffen mit einem Banker in Nadelstreifenanzug, diesen Gesprächspartner nicht gleichzeitig als Transvestit verkleidet vorzustellen. Jeder hat seine Art und Weise sich zu vergnügen und wenn sie so ihren Stress abbauen wollen, ist es deren Angelegenheit. Die Wortauswahl und ihre Anschauung der breiten Bevölkerung, zeigt im Grunde genommen einmal mehr wie krank diese Menschen sind. Vielleicht sollten Banker doch noch weniger als 39% Vertrauensbonus erhalten. Die breite Masse der Bankangestellten sind allerdings ehrliche Menschen und werden durch solche absurden Situationen mit Gehältern, Boni und Betrügereien ihrer Bosse leider in den selben Topf geworfen. So etwas ist peinlich für die gesamte Branche.
quellmeister 21.02.2014
2. Das habe ich schon sehr oft gelesen
So benehmen sich eben Leute, die nicht begreifen, das sie alles was sie "haben" geschenkt bekommen haben. Kinder in Erwachsenen - Körpern, die einfach einen Riesen-Dusel gehabt haben, benehmen sich so. Die sogg. "Deregulierung" der Finanzmärkte, war nichts anderes, als das Legalisieren von Wirtschaftskriminalität. Letztlich begreifen diese arroganten Dummbeutel nicht, das sie ohne das Volk, das sie (nur dank fehlgeleiteter Politiker und nicht dank eigenen Könnes oder Wissens) nun ausnehmen können, wie eine Riesen-Weihnachtsgans, das sie ohne das von ihnen verlachte Volk, ärmer als alle Anderen wären, denn die haben ihr Geld mit Produktivität und Arbeit verdient und nicht mit Schmarotzertum, wie sie selbst. Im Grunde sind sie nix weiter als hohle kleine Schmarotzer, die nie was geleistet haben in ihrem Leben und sich darüber maßlos freuen, das das wohl nie auffallen wird - dank Steuerzahler ! Aber ich habe auch schon erlebt, in was für Jammergestalten, die jubelnden, über das Volk höhnenden Sektschlürfer sich verwandeln, wenns dann schiefgeht (bei einer Spekulation, die in die Hose ging z.B.)
ossimann 21.02.2014
3. Abschaum des Kapitalismus .
Diese Bande ist weit aus gefährlicher als jede Talibanhorde . Man lebt mit den Geld anderer wie eine Made in Speck . Diese "Übermenschen" mit Grössenwahn haben den Freibrief einen Staat in den Bankrott zu spekulieren . Während man auswärts sündhaft teure Feldzüge führt um Kalschnikow tragende Sandalenträger mit Hellfireraketen "clean" in Jenseits zu befördern sitzt der eigentliche "Staatsfeind" an der Wall Street und zündelt am Finanzsystem um eine Minderheit zu bereichern . Ein System das auf Staatshaftung durch Zockerei ständig versucht ohne Wertschöpfung Milliardäre zu bereichern deren Geld der Wirtschaft als Kaufkraft fehlt gehört in die Tonne der Geschichte getreten .
robert.c.jesse 21.02.2014
4. Nur Mut meine Herren...
Nachdem Sie sich durchgefi..t, gefressen und gesoffen haben und somit den Sinn des Lebens in vollster Leere erkannt haben, treten Sie bitte an das weit geöffnete Fenster und springen in die Arme von Mammon. Bis zur ersten Stockwerk, können Sie dann immer noch frohlocken: "Soweit, so gut!"
bedarogs 21.02.2014
5. Lasst sie doch...die tun ja nix...
Dies arrogante, abstossende Bande von Möchtegernelite wird solange weitermachen, bis die Schulden so hoch sind, dass keine Regierung sie mehr übernehmen kann. VOR einem großen Crash wird sich nichts ändern. Mir tun die "normalen" Angestellten der Bank/Versicherungsbranche leid, die sich abrackern, gegängelt und finaziell immer kürzer gehalten werden, nur damit oben noch mehr verteilt wird. Die wahren Schuldigen sind alle Politiker, die für Deregulierung der Märkte waren (und sind). Sie haben Geister gerufen, die wir nicht mehr loswerden. Die Krise ist nicht vorbei, sie schläft nur. Ich arbeite seit mehr als 30 Jahren in dieser Branche und einiges widert mich an.
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