US-Studie Wie sich Christen das Gesicht Gottes vorstellen

Wissenschaftler haben US-Amerikaner gefragt, wie Gott nach ihrer Meinung aussieht. Das Ergebnis überrascht.

Joshua Jackson et al

Alter weißer Mann mit Rauschebart, der in den Wolken lebt: So oder so ähnlich wird Gott meist präsentiert. Dabei stellen sich Christen heute Gott offenbar ganz anders vor, nämlich jünger und femininer. Das legt zumindest eine Studie nahe, die im Online-Wissenschaftsmagazin "PLOS ONE" veröffentlicht wurde. Wissenschaftler der University of North Carolina at Chapel Hill zeigten mehr als 500 US-amerikanischen Christen zufällig ausgewählte Gesichtspaare. Die Probanden sollten jeweils entscheiden, welches Gesicht ihrer Meinung nach eher dem von Gott entspricht.

Aus den ausgewählten Bilder konstruierten die Forscher das "Gesicht Gottes" und das zeigt keineswegs einen Alten mit Bart, sondern einen jungen Mann mit femininen Gesichtszügen, krausen Haaren und breiten Lippen.

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Wie sieht Gott eigentlich aus?: Jung, feminin, ohne Bart

Göttlicher Doppelgänger

"Menschen glauben eher an einen Gott, der ihnen ähnlich sieht", begründet Psychologe Kurt Gray das Ergebnis der Studie. Jüngere Menschen stellen sich Gott demnach auch jünger vor, Frauen glauben eher an einen femininen Allmächtigen und Afroamerikaner identifizieren sich seltener mit einem weißen Gott.

"Die meisten projizieren ihre Überzeugungen und Eigenschaften auf andere und unsere Studie zeigt, dass das bei Gott nicht anders ist", sagt Gray. Die Forscher fanden sogar Hinweise darauf, dass die Befragten nicht nur an einen Gott glauben, der ihnen ähnlich sieht, sondern auch ihre Ansichten verkörpert.

Liberale stellen sich Gott anders vor als Konservative

Demnach stellten sich Menschen, die sich selbst als liberal einschätzten, Gott eher feminin und jünger vor. Konservative hätten dagegen eher streng wirkende, maskuline Gesichter bevorzugt. Deshalb unterscheidet sich das "Gesicht Gottes" der Konservativen leicht von dem der Liberalen.

Das könnte an ihrer unterschiedlichen Weltanschauung liegen, sagt Psychologe Joshua Conrad Jackson. "Vorherige Studien haben gezeigt, dass Konservative lieber in einer gut organisierten Gesellschaft leben, die am besten von einem mächtigen Gott beherrscht wird." Liberale wünschten sich dagegen eher eine offene, tolerante Gesellschaft, die von einem liebenden Gott gelenkt werde. Dazu passe ein junger, feminin wirkender Gott besser. Die Forscher begründen das mit dem egozentrischen Weltbild des Menschen.

Das hat allerdings Grenzen, wenn es um das Geschlecht geht. Denn obwohl die ausgewählten Gesichter oft eher feminine Züge hatten, gehörten sie doch fast immer Männern. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass sowohl Männer als auch Frauen eher an einen männlichen Gott glauben.

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