Schweinegrippe

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05.11.2009
 

Seuche

Schweinegrippe derzeit einzige Influenza-Art in Deutschland

Schweinegrippe-Impfstoff: H1N1-Virus ist in Deutschland vorherrschend
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AP

Schweinegrippe-Impfstoff: H1N1-Virus ist in Deutschland vorherrschend

Wer Grippe hat, hat Schweinegrippe - diese einfache Formel gilt derzeit in Deutschland. Nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts ist das H1N1-Virus derzeit so dominant, dass die sonst übliche saisonale Influenza praktisch nicht existiert.

Schweinegrippe - was sonst? Mit dieser Frage könnte man die Ergebnisse aus deutschen Labors dieser Tage umschreiben. Denn außer dem H1N1-Virus grassiert hierzulande derzeit kein anderer Influenza-Erreger. "Wer Grippe hat, hat H1N1", sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), der "Nordwest-Zeitung". Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza beim RKI gehörten die in der vergangenen Woche nachgewiesenen Influenza-Viren ausschließlich zum Typ H1N1. Der momentane rasche Anstieg der Fallzahlen trete deutlich früher als sonst bei der saisonalen Grippe, betonte das RKI.

"Wir sehen bisher noch keine saisonalen Viren", sagte Hacker. Es sei schwierig vorauszusagen, wie lange die Schweinegrippe in Deutschland grassieren werde. "Es ist aber durchaus möglich, dass dieses neue Virus Teil des saisonalen Grippe-Geschehens in den nächsten Jahren werden wird." In den vergangenen Jahrzehnten habe man immer drei Stämme gehabt. "In Zukunft hätten wir möglicherweise mit H1N1 einen vierten Stamm, oder einer der drei bisherigen wird verdrängt", sagte der RKI-Präsident.

Aus anderen Ländern wird ähnliches berichtet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der Anteil des H1N1-Virus unter allen entdeckten Grippeviren bei 70 Prozent. Zudem seien die besonders schweren Erkrankungen und Todesfälle vor allem bei Erwachsenen unter 50 Jahren aufgetreten. Dies stehe in starkem Widerspruch zu den normalen Grippewellen, bei denen die schweren Fälle zu 90 Prozent bei Menschen im Alter von 65 Jahren und älter auftreten.

"Wir sind nach wie vor ziemlich besorgt über die Muster, die wir sehen", sagte Keiji Fukuda, oberster Influenza-Experte der WHO. Allerdings erscheine das H1N1-Virus derzeit recht stabil - selbst bei dem massiven Ausbruch in der Ukraine hätten sich noch keine Anzeichen einer Mutation des Erregers gezeigt.

Niedersachsen: Wochenlanges Warten auf Impfung

Unterdessen rief der Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler erneut zum Impfen auf. "Die Impfung ist der beste Schutz vor der Neuen Grippe", sagte der FDP-Politiker der "Bild"-Zeitung. Je mehr Menschen sich impfen ließen, desto größer sei der Schutz für alle. Rösler selbst hat sich demnach diese Woche gegen die saisonale Grippe impfen lassen, Ende kommender Woche sei die Impfung gegen die Schweinegrippe geplant. Dabei werde der Stoff verwendet, der jedem Bürger zur Verfügung stehe.

"Es sind Impfstoffe von zwei unterschiedlichen Herstellern. Diese sind aber in ihrer Wirkung gleichwertig, keiner ist besser oder schlechter", betonte Rösler. Zugleich mahnte er zu Geduld: Es könne vereinzelt zu Wartezeiten kommen, da der Impfstoff nicht "auf Halde liege". Aber: "Niemand muss sich Sorgen machen: Der Impfstoff wird laufend nachgeliefert."

Bisher wurden in mehreren Bundesländern Probleme beim Start der Impfkampagne bekannt. Am Donnerstag hieß es, dass Menschen in Niedersachsen unter Umständen Wochen auf eine Impfung gegen Schweinegrippe warten müssten. Es gebe große Probleme mit dem Nachschub des Impfstoffs, sagte Uwe Köster von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) am Donnerstag in Hannover. Viele Patienten, die sich impfen lassen wollen, müssten bei den Arztpraxen auf Wartelisten gesetzt werden.

"Diese Menschen werden telefonisch informiert, wenn sie an der Reihe sind", sagte Köster. "Das kann auch mehrere Wochen dauern." Innerhalb weniger Tage habe sich die Einstellung der Bevölkerung zur Impfung gegen die Schweinegrippe komplett gedreht. Waren zuvor viele Menschen noch wegen der Nebenwirkungen skeptisch, gebe es jetzt einen regelrechten Ansturm auf die Praxen. "Manche empfinden es als geradezu lebensbedrohlich, wenn sie die Impfung nicht sofort erhalten", sagte Köster.

Schulen in Hamburg geschlossen

Bisher wurden in Deutschland neun Todesfälle mit der Schweinegrippe in Verbindung gebracht. Drei hatten sich am Mittwoch ereignet: In Berlin starb ein 40-Jähriger an Herz-Kreislauf-Versagen, in Stuttgart eine 52-Jährige mit chronischer Vorerkrankung, in der Uni-Klinik Heidelberg ein 29 Jahre alter Mann aus Rheinland-Pfalz mit schwersten Erkrankungen der Niere und Leber.

In Hamburg wurden wegen der Schweinegrippe in sechs Schulen insgesamt 18 Klassen geschlossen. Betroffen sind drei Grundschulen, zwei Gesamtschulen und eine Grund-, Haupt- und Realschule, wie Behördensprecherin Brigitte Köhnlein sagte. Etwa 450 Schüler seien von den Schließungen betroffen. Noch ist keine Schule vollständig geschlossen worden. An einer Schule, bei der derzeit bereits acht Klassen geschlossen sind, laufen allerdings Verhandlungen von Gesundheitsamt, Schulleitung und Schulbehörde über eine mögliche Schließung der gesamten Schule.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat unterdessen für seinen Schweinegrippe-Impfstoff Celtura die Zulassung der deutschen Gesundheitsbehörden bekommen. Klinische Studien an mehr als 1850 Probanden hätten die Verträglichkeit des neuen Impfstoffs auf Zellkultur-Basis gezeigt, teilte Novartis am Donnerstag in Basel mit.

Celtura wird in Marburg produziert, ein zweites Werk wird in den USA aufgebaut. Die am häufigsten genannten Nebenwirkungen seien lokale Beschwerden an der Einstichstelle (Rötung, Schwellung und Schmerzen) sowie sogenannte systemische Beschwerden wie leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Neu an Celtura ist die Herstellungsmethode mittels Zellkulturen statt wie üblich in Hühnereiern. Diese Methode ist laut Novartis in Europa bereits zugelassen für einen Impfstoff (Optaflu) gegen die saisonale Grippe. Sie erlaube bei Bedarf rasch mehr zu produzieren. Anfangs war die Ausbeute indes geringer als erwartet.

mbe/AP/dpa

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