Stammzellen sind die Superstars der Biomedizin. Die Alleskönner-Zellen, die jedes Körpergewebe bilden können, lassen Biologen und Mediziner von einer völlig neuartigen Medizin träumen.
Aber sie haben unheilvolle dunkle Brüder: Krebsstammzellen. Auch sie sind eine Quelle für alle möglichen Zellarten - jedoch arbeiten sie in einem Tumor und füttern ihn mit verschiedenen Krebszellen nach. Das Teuflische: Chemotherapeutika, die Zellen an der Teilung hindern, treffen zwar normales, schnell wachsendes Tumorgewebe - den Krebsstammzellen jedoch können sie wenig anhaben. Und Strahlung überleben diese Zellen auch, eine typische Strahlenbehandlung erwischt sie also auch nicht.
Der Grund: Krebsstammzellen machen nur einen geringen Teil eines Tumors aus - und sie teilen sich verhältnismäßig selten.
So kann nach einer Chemotherapie immer ein Rest der dunklen Stammzellen übrig bleiben - auch wenn der Tumor selbst geschrumpft oder scheinbar ganz verschwunden ist. Aus ihnen kann irgendwann ein neuer Tumor nachwachsen. Das erklärt, warum nach der Behandlung eines Krebses so häufig Rückfälle auftreten - im Falle von bei Brustkrebs etwa ereignen sich 25 Prozent aller Rückfälle nach mehr als zehn Jahren. Außerdem haben viele Forscher die dunklen Stammzellen im Verdacht, bei der Streuung eines Tumors im Körper eine entscheidende Rolle zu spielen.
Neueste Strategien in der Krebsbekämpfung zielen daher darauf ab, Krebsstammzellen auszuschalten. Dies ist Wissenschaftlern nun erstmals gelungen: Forscher um Piyush Gupta, Robert Weinberg und Eric Lander vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) haben eine Substanz identifiziert, die gezielt Krebsstammzellen abtötet. Ihre Arbeit veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin " Cell".
Wie es genau wirkt, weiß man nicht
Die Forscher gingen gezielt auf die Suche: Mit einem neuen Screening-Verfahren testeten sie insgesamt 16.000 Substanzen. Die Schwierigkeit dabei: Krebsstammzellen sind im Labor schwer zu kultivieren, wie Gupta sagte. Die Zellen reifen schnell zu anderen Krebszellen aus. Die Forscher mussten daher erst eine Methode entwickeln, um aus menschlichen Brustkrebszellen die Krebsstammzellen zu isolieren und anzureichern. Danach konnten sie die Substanzen effizient daran testen.
Schließlich blieben eine Handvoll Substanzen übrig, welche sie sowohl an Zellkulturen als auch an Mäusen testeten. Eine Substanz namens Salinomycin ging dabei als klarer Sieger hervor. Im Vergleich mit dem Chemotherapeutikum Paclitaxel, was zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird, war es einhundert Mal effektiver darin, die Stammzellen von Brusttumoren zu zerstören.
Injiziert in Mäuse, verlangsamte Salinomycin das Wachstum von Brusttumoren. Und auch Krebsstammzellen, die mit der Substanz behandelt worden waren, bildeten weniger neue Tumore aus, wenn man sie Mäusen einpflanzte.
Wie Salinomycin genau wirkt, wissen die Forscher noch nicht. Es scheint aber die Aktivität der Gene in den Krebsstammzellen zu verändern - das zumindest ergaben Gen-Analysen: Die für die Krebsstammzellen typischen aktiven Gene waren durch Salinomycin teilweise deaktiviert worden.
Die Substanz wird bereits therapeutisch eingesetzt, da sie antibiotische Wirkung besitzt. So verwendet man Salinomycin, um Geflügel vor einer bestimmten Pilzerkrankung zu schützen. Auch Bakterien tötet es ab. Ob seine antibiotische Wirkung allerdings bei der neu entdeckten Fähigkeit eine Rolle spielt, ist unklar.
Bis zum Einsatz am Menschen, wird es allerdings noch Jahre dauern. Denn der Weg eines Medikaments vom Labor bis in die Apotheken ist lang und dauert im Schnitt bis zu zehn Jahre. Zuvor muss es in mehreren Tests an menschlichen Probanden zum einen seine Verträglichkeit beweisen. Und dass es bereits existierenden Präparaten überlegen ist.
lub
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Wäre schön, wenn wir endlich gegen Krebsstammzellen wirksam vorgehen könnten, denn diese sind eigentlich das Grundproblem, da sie u.a. auch im Gewebe über Jahre, Jahrzehnte überleben können. Interessant ist möglicherweise [...] mehr...
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