Von Anja Haegele
Es ist eigentlich ganz einfach: "Nach dem Klo und vor dem Essen - Händewaschen nicht vergessen!"
Doch was Generationen von Kindern mit einem Reim gelehrt wurde, ist für Erwachsene anscheinend gar nicht so einfach. Vor allem für Männer nicht.
Nur jeder dritte Mann wäscht sich nach dem Toilettengang die Hände mit Wasser und Seife, berichteten kürzlich britische Wissenschaftler. Sie hatten fast 200.000 Menschen in den Waschräumen von Autobahnraststätten beobachtet.
Die Frauen waren doppelt so reinlich. Immerhin 64 Prozent wuschen sich die Hände - was aber immer noch bedeutet, dass etwa jede Dritte mit Fäkalkeimen und Viren an den Händen zurück ins Auto stieg.
Etwa 150 verschiedene Arten von Keimen tummeln sich auf einer ungewaschenen Hand und zögern nicht, ihr Zuhause zu wechseln. Eklig? Nicht nur das. Über die Hände werden Erkältungen und auch die Schweinegrippe übertragen. Heinrich Maidhof vom Robert-Koch-Institut (RKI), Deutschlands Seuchenbekämpfungs-Zentrale, erklärt, warum: "Menschen fassen sich ständig und unwillkürlich mit den Händen an den Mund, die Nase und die Augen. Dabei gelangen Viren und Bakterien von den Händen an die Schleimhäute, wo sie sich vermehren und eine Grippe auslösen können."
Das RKI hat deshalb gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die Aktion "Wir gegen Viren" gestartet, deren wichtigster Punkt das Händewaschen ist: "mehrmals täglich 20 bis 30 Sekunden, mit Seife".
"Wasser allein tötet keine Keime"
Weil Infektionsschutz "davon lebt, dass möglichst viele mitmachen" (Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zum Kampagnenstart), wurden tonnenweise hübsche Broschüren, Poster und witzige Aufkleber gedruckt und ein Fernsehspot gedreht. Er zeigt einen Staffellauf gefährlicher Keime durch eine Stadt: von der Hustenhand über die Grußhand, den Geldschein, den Aufzugknopf, eine Türklinke, den Hosenschlitz, einen U-Bahn-Haltegriff und das Treppengeländer... bis endlich schäumende Seife und klares Wasser dem Grauen ein Ende setzen und die Bösewichter gurgelnd im Ausguss verschwinden.
Ob die Kampagne Erfolg hat, ist ungewiss. Die Ergebnisse der britischen Studie stimmen pessimistisch. Die Wissenschaftler bemühten sich ebenfalls, ihre Landsleute zu mehr Reinlichkeit zu erziehen. Dazu ließen sie in den Waschräumen öffentlicher Toiletten Monitore installieren, auf denen verschiedene Botschaften angezeigt wurden, zum Beispiel "Wasser allein tötet keine Keime". Dabei stellten sie fest, dass die Menschen sich in ihren Reaktionen deutlich unterschieden: Männer reagierten vor allem, wenn an ihr Schamgefühl appelliert wurde, also auf Nachrichten wie "Sei kein schmutziger Seifenhasser". Frauen dagegen ließen sich von sachlichen Argumenten überzeugen. Insgesamt zeigte die Aktion jedoch kaum Wirkung. Nur maximal zehn Prozent mehr Menschen benutzten Seife.
Etwas erfolgreicher waren sowohl bei Männern als auch bei Frauen Botschaften, die den Eindruck erweckten, dass sie beobachtet würden: "Wäscht sich die Person neben Ihnen mit Seife?", als Aufkleber an einem Spiegel platziert, steigerte den Anteil der Seifennutzer um zwölf Prozent bei den Männern und elf Prozent bei den Frauen. Das Ergebnis bestätigt zahlreiche Experimente aus der Sozialpsychologie: Allein der Hinweis auf soziale Kontrolle kann erstaunliche Verhaltensänderungen bewirken. Experimente zeigen zum Beispiel, dass Menschen freiwillig mehr Geld in eine Kaffeekasse zahlen, wenn Fotos menschlicher Augen daneben aufgehängt werden.
Was spräche gegen Augen-Aufkleber in öffentlichen Toiletten?
Was spräche also, im Namen des Allgemeinwohls, gegen Augen-Aufkleber in öffentlichen Toiletten? Oder Kamera-Attrappen, die den Eindruck erwecken, Schmutzfinken würden bei der unterlassenen Hygieneleistung auch noch gefilmt?
Für RKI und BZgA sind solche Maßnahmen derzeit kein Thema. Ein kollektiver Waschzwang ist nicht das Ziel der Gesundheitswächter. Ohnehin hängt es stark von den Lebensumständen ab, wie oft man sich die Hände waschen sollte. "Wer den ganzen Tag zu Hause bleibt, muss nicht ständig waschen", sagt Maidhof, die Einhaltung des alten Kinderreims reiche dann völlig. Wer dagegen viel unterwegs ist, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln, sollte immer wieder zwischendurch Wasser und Seife an seine Hände lassen. "Ich selbst gehe, wenn ich am Arbeitsplatz ankomme, als Erstes zum Händewaschen ", bekennt Maidhof.
Desinfektionsgels und feuchte Reinigungstücher, die neuerdings in vielen Apotheken, Drogeriemärkten und Kiosken ganz vorn im Regal liegen, hält der Seuchenbekämpfer allerdings nur für bedingt geeignet: "Diese Dinge sind besser als nichts. Aber Wasser und Seife, richtig angewendet, sind billiger, wirksamer und hautschonender!"
Dann also los. Die Operation "Saubere Hände" erfordert sechs Schritte.
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Neuerdings kann man bei uns den Griff des Einkaufswagen mit bereitgestellten Spezialtüchern desinfizieren. Doch kaum jemand nutzt dieses Angebot. mehr...
Das gilt für Frauen scheinbar genauso. Wenn nicht schlimmer. mehr...
Wenigstens sind Sie ehrlich. Ich bin schon viel gereist, auch in der 3. Welt unter sehr einfachen Verhältnissen. Nie bin ich ernsthaft krank geworden. Mit Händewaschen nach dem Klo hat das wenig zu tun, denn wo ist der [...] mehr...
Mit Interesse lesen wir die Kommentare zu diesem Artikel. Eines ist dabei wieder offensichtlich: Die Wissenschaft bringt uns keine endgültigen Beweise, sondern nur punktuelle Erkenntnisse. Die Interpretation und das in [...] mehr...
Das kann niemand beantworten, denn sie wurde ja verhindert. Und über eine Seuche, die es nicht gegeben hat, kann man nichts sagen. mehr...
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