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22.02.2010
 

Schlaganfall

Singtherapie kann Patienten zum Sprechen bringen

Chor-Olympiade in Bremen (2004): Singen als TherapieZur Großansicht
DPA

Chor-Olympiade in Bremen (2004): Singen als Therapie

Ein Schlaganfall raubt Menschen die Sprache - mit Gesang kommt sie eventuell wieder. Dies haben Neurologen in einer Studie mit Patienten festgestellt. Die Singtherapie weckt neue Hoffnungen für Betroffene und Angehörige.

San Diego - Patienten, die nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen können, könnte nach Erkenntnissen von US-Forschern mit einer speziellen Musiktherapie geholfen werden. Auf der Jahrestagung der US-Forschervereinigung AAAS präsentierte der Neurologe Gottfried Schlaug von der Harvard Medical School Videoaufnahmen, in denen die Patienten nach einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte zwar nicht sprechen, einzelne Satzteile jedoch singen können.

In einem Video ist ein Mann zu sehen, der aufgefordert wird, Textzeilen des Liedes "Happy Birthday" aufzusagen. Dies gelingt ihm jedoch erst, als er sie singt. Dabei hält ein Mediziner die Hand des Patienten und klopft im Rhythmus der Musik darauf. In einer anderen Aufnahme schafft es ein Patient, die Worte "Ich habe Durst" zu singen, sprechen kann er sie nicht.

In der linken Gehirnhälfte sitzt das Sprachzentrum, das nach einem Schlaganfall oft stark beschädigt ist. Schlaug versucht derzeit mit verschiedenen Experimenten, die Musiktherapie im Feld der medizinischen Therapie zu etablieren. Nach seinen Angaben ist die nun vorgestellte Untersuchung die erste randomisierte, kontrollierte Studie zur sogenannten Melodic Intonation Therapy (MIT) bei Schlaganfall.

"Man muss kein ausgebildeter Sänger sein", sagte Schlaug. Pflegepersonal könne die Methode erlernen. MIT könne sich unter Umständen über Jahre hinziehen. Sie umfasse fünf Sitzungen pro Woche zu je 90 Minuten. Die Behandlung sorge in der Regel für dauerhaften Erfolg. Vor zwei Jahren hatten finnische Forscher berichtet, dass selbst das bloße Hören von Musik Schlaganfallpatienten helfen kann.

Noch wissen die Forscher nicht genau, wie MIT funktioniert. Klar ist aber, dass Singen mehrere Regionen im Gehirn gleichzeitig aktiviert. Das zusätzliche Tippen des Rhythmus' wirke womöglich ähnlich wie ein Schrittmacher, sagte Schlaug. "Das Kombinieren von motorischer Aktivität und Stimme könnte das Sprechen erleichtern." Nach Angaben des Neurologen könnten 70.000 Patienten in den USA von der Behandlung profitieren.

hda/AFP

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