Wien - Darf man Schweine betäuben, unter Schneemassen begraben und sterben lassen, um Erkenntnisse über den Lawinentod von Menschen zu gewinnen? Forscher der Universität Innsbruck meinten: man darf. Bei den anschließenden Experimenten kamen im Januar zehn Schweine zu Tode.
Als das Forschertreiben im Tiroler Ötztal publik wurde, gab es für Tierschützer kein Halten mehr - und die Wissenschaftler mussten ihre Versuche vorzeitig abbrechen. Damit nicht genug: Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" und der deutsche Verein "Bürger für artgerechte Nutztierhaltung" erstatteten Anzeige gegen drei Wissenschaftler.
Nun hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck die Ermittlungen eingestellt. Die Behörde befand, dass es sich bei dem Projekt keinesfalls um Tierquälerei gehandelt habe. Der Versuch beruhe auf einem rechtskräftigen Bescheid des Wissenschaftsministeriums - und es gebe keinerlei Hinweise, dass das Experiment nicht "bescheidkonform" ausgeführt worden sei, zitierte die österreichische Nachrichtenagentur APA den Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr.
Für die Aktivisten kein Grund, aufzugeben: "Vier Pfoten" kündigte bereits an, einen Antrag auf Fortführung des Verfahrens einbringen zu wollen.
Ursprünglich wollten die Forscher insgesamt 29 Versuchsschweine in den Schneemassen ersticken oder erfrieren lassen. Als das Experiment nach den heftigen Protesten abgebrochen wurde, waren zehn der Schweine bereits tot. Die überlebenden Tiere sind heute in der Obhut des "Tierschutzvereins für Tirol" und leben auf Bauernhöfen.
Nach Zahlen der Bundesregierung sind 2007 mehr als 16.000 Schweine bei wissenschaftlichen Experimenten ums Leben gekommen. Weit mehr - rund 50 Millionen Tiere - landen jedes Jahr in deutschen Schlachthöfen und anschließend auf dem Teller. Rund einen Zentner Schweinefleisch isst der Durchschnittsdeutsche pro Jahr.
cib/dpa
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