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21.04.2010
 

Denksport

Gehirntraining macht nicht schlauer

Messung vor Hirnströmen: Keine stabilen Beweise, dass Gehirnjogging Früchte trägtZur Großansicht
dpa

Messung vor Hirnströmen: Keine stabilen Beweise, dass Gehirnjogging Früchte trägt

Von wegen Gehirnjogging: Regelmäßiger Denksport macht nach Ansicht britischer Forscher niemanden schlauer. Die Erfolge beim Gehirntraining ließen sich nicht auf andere Bereiche und Aufgaben übertragen.

London - Joggen und Fitnessstudio reichen schon längst nicht mehr aus. Wer etwas auf sich hält, trainiert auch sein Hirn. Darauf spezialisierte Computerprogramme und Bücher sind wahre Kassenschlager. Doch eine gemeinsame Studie der britischen Cambridge University und der BBC lässt am Erfolg der Schinderei zumindest zweifeln.

An der Studie hatten knapp 11.500 Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren teilgenommen. Sie mussten sechs Wochen lang Übungen auf der Wissenschaftsinternetseite der BBC absolvieren. Dabei trainierten sie unter anderem logisches Denken, Gedächtnis, räumliches Sehvermögen und Konzentrationsfähigkeit.

Die Gehirnfunktion wurde vor und nach dem Training bewertet. Es zeigte sich, dass sich die dabei erzielten Erfolge nicht auf andere mentale Bereiche übertragen ließen. Die Testpersonen konnten zwar ihre Leistung bei den speziellen Spielen verbessern. Bei Aufgaben, die sie nicht trainiert hatten, wurden sie allerdings nicht besser. Das galt auch für Spiele, die den ursprünglichen ähnlich waren, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature".

"Gehirntraining und das Streben, die Gehirnfunktion mit Computertests zu verbessern, ist eine Multimillionen-Industrie", sagt Adrian Owen vom Medical Research Council for Cognition and Brain Sciences in Cambridge und Co-Autor der Studie. "Aber bisher gibt es keine stabilen Beweise, dass es wirklich funktioniert."

Bereits im vergangenen Jahr hatten 30 führende Neurowissenschaftler, Psychologen und Altersforscher in einer gemeinsamen Erklärung festgestellt, dass die meisten angebotenen Produkte zur mentalen Leistungsverbesserung nutzlos sind. "Ein Programm trainiert möglicherweise Ihre Fähigkeit, sich Wörter zu merken", schrieben die Forscher. "Aber diese bestimmte Fähigkeit wird Ihnen sehr wahrscheinlich nicht dabei helfen, sich daran zu erinnern, wo Sie Ihre Autoschlüssel gelassen haben." Die neuen Ergebnisse scheinen das nun zu bestätigen.

Vor diesem Hintergrund plädiert der Lübecker Psychologe Jan Born für eine viel preiswertere Art der Hirnleistungssteigerung: Kindertagesstätten sollten Schlaf gezielt einsetzen, um das Gedächtnis von Kindern zu verbessern, schlägt Born aufgrund seiner Studien zum Tiefschlaf vor. "Wenn die Kinder nach dem Lernen regelmäßig Mittagsschlaf halten, wird sich dadurch ihre Lernleistung längerfristig deutlich verbessern", sagte der diesjährige Leibniz-Preisträger in einem Interview mit dem Magazin "Zeit Wissen".

Born erforscht an der Universität Lübeck den Zusammenhang zwischen Schlaf und Gedächtnis. Dabei konnte er zeigen, dass durch intensive Tiefschlafphasen Gedächtnisinhalte besser in den Langzeitspeicher des Gehirns übertragen werden.

chs/dpa

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Kurzer Wegweiser durch das Gehirn

Gehirn: Steuerzentrale des Körpers

Als Gehirn bezeichnet man den im Kopf gelegenen Abschnitt des Nervensystems, der die zentrale Steuerungszentrale des Körpers bildet. Bei höher entwickelten Tieren bildet das Gehirn zusammen mit dem Rückenmark das Zentralnervensystem. In ihm sind die Sinneszentren und übergeordnete Schaltzentren (Koordinations- und Assoziationszentren) zusammengefasst. Es ist für die Ausbildung komplizierter Handlungsabläufe, für die Fähigkeit des Gedächtnisses und für die Ausprägung von Denken, Gefühlen, Bewusstsein und Intelligenz verantwortlich.

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