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22.04.2010
 

Spanien

Ärzte verpflanzen erstmals komplettes Gesicht

Spanischen Chirurgen ist offenbar ein spektakulärer Erfolg gelungen: Die Ärzte haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals ein komplettes Gesicht verpflanzt - inklusive Haut und Muskeln, Nase, Lippen, Oberkiefer, Zähnen, Gaumen, Wangenknochen und Kinn.

Barcelona - Spanische Ärzte haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals ein vollständiges Gesicht verpflanzt. 30 Mediziner verhalfen im Krankenhaus Vall d'Hebron in Barcelona einem jungen Mann in einem 22-stündigen Eingriff zu einem neuen Antlitz. Wie der Leiter des Ärzteteams, Joan Pere Barret, am Donnerstag mitteilte, war das Gesicht des Patienten durch eine Verletzung bei einem Unfall so sehr entstellt gewesen, dass der junge Mann kaum atmen, schlucken und sprechen konnte.

Die Transplantation sei am 20. März erfolgt und erfolgreich verlaufen. "Wir hoffen, dass der Patient in einigen Wochen anfangen kann, zu sprechen und zu essen und vielleicht auch zu lächeln", sagte der Mediziner. Nach Angaben des Chirurgen waren bis dahin in verschiedenen Ländern der Welt zehn Gesichtstransplantationen erfolgt, bei denen aber jeweils nur Teile des Antlitzes verpflanzt worden waren. Bisher galt die Operation der US-Amerikanerin Connie Culp als umfangreichste Gesichtstransplantation.

Bei der Operation in Barcelona seien nicht nur die Haut und Muskeln des Gesichts transplantiert worden, sondern auch die Nase, die Lippen, der Oberkiefer, die Zähne, der Gaumen, die Wangenknochen und das Kinn, sagte Barret. Die Transplantation erfolgte bereits im März. Eine Woche nach dem Eingriff habe sich der Empfänger in einem Spiegel sehen wollen, sagte Barret. Der junge Mann habe sich "mit Ruhe und Zufriedenheit" betrachtet. Er schrieb demnach, dass er mit dem Ergebnis des Eingriffs zufrieden sei. Er soll in den nächsten Wochen beginnen können, zu sprechen und zu essen.

Keine Ähnlichkeit mit dem Spender

Der Patient sehe dem Spender keineswegs ähnlich. Das verpflanzte Gesicht sei den Formen des Schädels und des ursprünglichen Antlitzes des Empfängers angepasst worden. "Der Patient wird nicht mit dem Gesicht eines Anderen durch die Straßen laufen", betonte der Chirurg. Er machte keine näheren Angaben über die Identität des Spenders und des Empfängers.

Barret sprach sich dafür aus, Gesichtstransplantationen nur in äußersten Notfällen vorzunehmen, wenn lebenswichtige Körperfunktionen betroffen seien. In keinem Fall sollte ein Gesicht aus Gründen der Ästhetik verpflanzt werden. Der Patient habe nun noch eine harte Phase der Rehabilitation vor sich. Danach werde er voraussichtlich beinahe wieder ein Leben führen wie vor dem Unfall. Vor dem Eingriff sei er von Psychologen auf seine Eignung untersucht worden.

Die weltweit erste Empfängerin eines neuen Gesichts war die Französin Isabelle Dinoire im Jahr 2005. Bei der Operation erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. Zehn Monate nach der Operation konnte Dinoire ihre Lippen ganz schließen, nach 18 Monaten wieder normal lächeln.

mbe/dpa/AFP

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