Paris - Wer schwer ist, der sollte im Fall der Fälle auch verhältnismäßig schwere Spenderorgane bekommen. Zumindest bei Nierentransplantationen scheint diese Regel zu gelten. Anders ausgedrückt: Je weiter das Verhältnis von Patienten- und Organgewicht auseinander klafft, desto größer ist die Gefahr späterer Komplikationen.
Französische Forscher um Jean Paul Soulillou vom Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale in Paris hatten fast 1200 Nierentransplantationen ausgewertet, bei denen Organe von Verstorbenen übertragen wurden. Dabei stellten sie eine deutliche Zunahme von Komplikationen fest, wenn das Gewicht der Spenderniere weniger als 2,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht des Empfängers betrug.
Die Wissenschaftler begleiteten die Patienten nach der Operation über einen Zeitraum von durchschnittlich 6,2 Jahren, wie sie im Fachmagazin "Journal of the American Society of Nephrology" berichten. Dabei wurde die Funktionsweise der Organe überwacht. Und diese war deutlich vermindert, wenn die transplantierte Niere im Vergleich zum Körpergewicht des Patienten sehr leicht war.
Die Folgen waren eine zu geringe Filtrationsrate, die vermehrte Ausscheidung von Urin-Eiweiß, Bluthochdruck sowie die Ausbildung von Nierennarben. Das Risiko von Abstoßungsreaktionen innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Operation stieg um 55 Prozent.
"Diese Information ist möglicherweise für Tausende von Transplantationen von Bedeutung und bietet eine neue Chance, die langfristigen Überlebenschancen von Transplantationspatienten zu verbessern", sagt Soulillou. Er stuft seine Entdeckung als ähnlich bedeutungsvoll ein wie die der sogenannten Histokompatibilität, bei der anhand bestimmter Gengruppen Aussagen über die Akzeptanz eines fremden Organs getroffen werden können.
Der Transplantationsexperte Ron Shapiro von der University of Pittsburgh sagte, es müsse nun geklärt werden, ob sich die Studienergebnisse auch auf - deutlich seltener vorgenommene - Nierenlebendspenden sowie auf andere Organe übertragen lassen.
chs/ddp
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