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09.07.2010
 

Schutz vor Aids

Forscher entdecken hochwirksame HIV-Antikörper

HIV-Antikörper: Die Illustration zeigt, wie der Antikörper VRC01 (blau und grün) an die verwundbaren Stellen des HI-Virus (rot) bindetZur Großansicht
Kwong / Stuckey / Zhou

HIV-Antikörper: Die Illustration zeigt, wie der Antikörper VRC01 (blau und grün) an die verwundbaren Stellen des HI-Virus (rot) bindet

Es könnte ein Durchbruch im Kampf gegen Aids sein: Forscher haben zwei Antikörper entdeckt, die im Labor 90 Prozent aller bekannten Varianten des HI-Virus gestoppt haben. Sie wecken die Hoffnung auf einen hochwirksamen Impfstoff gegen die Immunschwäche-Krankheit.

Die wenigen Menschen, die eine natürliche Immunität gegen das HI-Virus besitzen, stehen seit Jahren im Mittelpunkt der Suche nach einem Impfstoff gegen den Aids-Erreger. Jetzt ist US-Forschern eine Entdeckung gelungen: Sie haben zwei verschiedene Antikörper aus dem Blut eines Infizierten entdeckt, die das Eindringen des HI-Virus in die Wirtszelle verhindern können. Zudem konnten die Forscher die Wirkungsweise der Abwehrproteine aufklären.

Die neuen Erkenntnisse, die in zwei Studien unter der Führung der National Institutes of Health (NIH) in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) gewonnen wurden, sollen zum einen bei der immer noch stockenden Entwicklung eines Impfstoffs gegen HIV helfen. Zum anderen könnte eine ganze Reihe anderer Infektionskrankheiten gezielt mit ähnlich wirkenden Antikörpern behandelt werden, berichten die Forscher um Xueling Wu und Tongqing Zhou im Magazin "Science".

Das HI-Virus ist ein cleverer Gegenspieler des Immunsystems: Der Erreger wechselt fortwährend seine Gestalt, indem er die Proteine auf seiner Oberfläche verändert. Auf diese Weise entgeht das Virus immer wieder der Immunabwehr. Diese Eigenschaft macht es schwer, einen geeigneten Impfstoff zu finden - weltweit existiert eine enorme Anzahl von verschiedenen Varianten des Krankheitserregers.

Dennoch gibt es einige wenige Stellen auf der Virusoberfläche, die sich bei allen bekannten HIV-Stämmen nur wenig unterscheiden. Einer dieser wunden Punkte ist die sogenannte CD4-Bindungsstelle. Mit Hilfe dieser Proteinstruktur auf seiner Oberfläche heftet sich der Aids-Erreger an sein bevorzugtes Opfer, die Zellen des Immunsystems. Nach erfolgreichem Andocken kann das Virus ungehindert in die Zelle eindringen und die Kontrolle über die Zellmaschinerie übernehmen.

Antikörper nutzen Schwachstelle des HI-Virus

Die von Xueling Wu und seinen Kollegen identifizierten Antikörper stammen aus dem Blut eines HIV-Infizierten, dessen Körper die Krankheit seit Jahren ohne Behandlung in Schach hält. Die Abwehrproteine machen sich dazu offenbar den Schwachpunkt des Erregers zunutze: Sie blockieren die CD4-Bindungsstelle und machen so das Virus unschädlich - und das bei 91 Prozent der weltweit bekannten HIV-Stämme. Diese enorme Wirkung erklären die Wissenschaftler damit, dass die Struktur der CD4-Bindungsstelle bei allen Erregervarianten nahezu unverändert ist.

Zukünftig könnten die neu entdeckten Antikörper im Kampf gegen die HIV-Pandemie eingesetzt werden, wie die Wissenschaftler um Tongqing Zhou in der zweiten Studie berichten. Das Team untersuchte die molekulare Struktur eines der Antikörper und konnte klären, auf welche Weise das Protein die Aktivität des Aids-Erregers blockiert. Zudem konnten sie den genauen Ort des Zusammenspiels beider Kontrahenten auf der Virusoberfläche lokalisieren.

Mit Hilfe dieser Erkenntnisse wäre es nach Ansicht der Forscher möglich, einen Impfstoff zu entwickeln, der einen Großteil der HIV-Neuinfektionen verhindert. Die Arbeiten zur Entwicklung eines solchen Vakzins, welches das Immunsystem zur Produktion der Antikörper in großem Stil anregen könnte, haben bereits begonnen. Allerdings kann es Jahre dauern, bis ein Präparat klinisch einsetzbar ist. Zudem wäre es nicht das erste Mal, dass große Hoffnungen in einen Impfstoff nach ersten Erfolgen enttäuscht werden.

"Der Ansatz ist hochinteressant"

Norbert Brockmeyer von der Klinik für Dermatologie und Venerologie der Ruhr-Universität Bochum zeigt sich angesichts der Ergebnisse im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zumindest eingeschränkt optimistisch. "Der Ansatz ist hochinteressant und wird derzeit von vielen Arbeitsgruppen, auch in Deutschland, in ähnlicher Form verfolgt." Man könne deswegen darauf hoffen, schon bald noch weitere interessante Antikörper zur Abwehr des HI-Virus zu entdecken.

Doch lässt sich aus den Antikörpern eines Tages tatsächlich eine Impfung zur Aids-Prävention entwickeln? Selbst Antikörpercocktails würden wohl nie vollständige Sicherheit bieten, sagt Brockmeier. Nötig bei zukünftigen Aids-Therapien seien auch Komponenten, die den Körperzellen mehr Widerstandsfähigkeit gegen eindringende Viren verleihen. Ein möglicher Ansatzpunkt ist hier das CCR5-Gen, das es dem Virus in bestimmen Fällen schwerer machen kann, sich Zugang zur Zelle zu verschaffen.

Anthony Fauci, Direktor des NIH-Instituts für Allergologie und Infektionskrankheiten (NIAID), gibt sich angesichts der aktuellen Ergebnisse dennoch optimistisch. "Die Entdeckung dieser extrem breit neutralisierenden Antikörper ist ein aufregender Fortschritt, der unsere Bemühungen um die Entwicklung einer präventiven HIV-Impfung für den weltweiten Einsatz beschleunigen wird", sagte der Wissenschaftler. Das Vorgehen zur Entdeckung der Antikörper sei "ein neuer Ansatz, der für die Entwicklung und Anwendung einer Impfung gegen viele andere ansteckende Krankheiten genutzt werden könnte".

mbe/chs/ddp/dpa

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insgesamt 53 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.07.2010 von schawn: Na hoffen wir das es klappt!

Ich habe gerade gelesen, dass in Osteuropa die HIV-Infizierungsrate enorm gestiegen ist (http://bit.ly/daXsUk) Hoffen wir das es klappt... mehr...

13.07.2010 von Satiro: Als Optimist bin ich der Meinung:

HIViren besiedeln auch Katzen und Affen, ohne dass diese Tiere an AIDS erkranken . Da muß es doch möglich sein, auch das menschliche Immunsystem so zu stimulieren, dass nicht nur einige afrikanische Huren kein AIDS bekommen. [...] mehr...

12.07.2010 von smurfix: Immunantwort

Das Problem ist: Das Immunsystem findet an diesem Virus haufenweise Stellen zum Andocken, aber halt nur in den seltensten Fällen diejenigen, die nicht sofort durch andere ersetzt werden und damit nutzlos sind. Und dann [...] mehr...

10.07.2010 von twen_ta: @woanders

Karry Mullis ist ohne Frage ein brillanter Kopf. Aber Genie und Wahnsinn liegen leider oft dicht beieinander. Mal als kleine Kostprobe: http://www.cufos.org/IUR_spring99_addendum.html Oder aus seinem Wikipedia Eintrag "Er [...] mehr...

09.07.2010 von Wizzoe: .

Die einziegn "Argumente", die Sie vorbringen, sind doch eben jene 2 Herren! Tolle Argumente, muss ich schon sagen! Das ist auch so ein Doppelstandard bei den Hardcore-Verschwörungsfanatikern: Die Massenmedien lügen [...] mehr...

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Die HIV-Infektion

Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.

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