Hamburg - Immer mehr Deutsche werden aufgrund von Depressionen behandelt. Die Ausgaben für psychische Erkrankungen in Deutschland seien von 2002 bis 2008 um fast ein Viertel angestiegen, teilt das Statistische Bundesamt mit. Die Kosten beliefen sich nun auf 28,7 Milliarden Euro. Psychische Verhaltensstörungen rangieren inzwischen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankheiten des Verdauungssystems auf Platz drei unter den Volkskrankheiten.
Das bestätigt auch die Techniker-Krankenkasse (TK). Pro berufstätigem Bundesbürger seien 2009 jeden Tag acht Tage Medikamente zur Behandlung von Depressionen verschrieben worden, berichtet die TK. Das bedeutet der Studie zufolge einen Anstieg von 113 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000. Frauen erhielten im Durchschnitt an 10,5 Tagen Antidepressiva, Männer an sechs Tagen. Doch das sind statistische Durchschnittswerte: Die Mehrheit nimmt keine entsprechende Medizin ein; Kranke mithin umso mehr.
Zwischen einzelnen Bundesländern gibt es gravierende Unterschiede. Während die Berufstätigen in Bayern mit neun Tages-Rationen Antidepressiva die höchste Pro-Kopf-Ration verschrieben bekamen, erhielten die Sachsen-Anhaltiner nur knapp sechs Tage Antidepressiva. "Das hohe Antidepressiva-Volumen in Bayern ist vor allem vor dem Hintergrund erstaunlich, dass die Berufstätigen im Freistaat, neben Baden-Württemberg und Sachsen- Anhalt, die wenigsten psychisch bedingten Krankschreibungen haben", sagt TK-Expertin Wiebke Arps.
Krank machender Leistungsdruck
Jedes vierte Kind in Deutschland zeigt nach Angaben von Medizinern psychische Auffälligkeiten. "Psychische Störungen, vor allem psychosomatische Symptome haben bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren von 20 auf 25 Prozent zugenommen", sagte der Direktor des Universitätsklinikums Eppendorf, Michael Schulte-Markwort, dem "Hamburger Abendblatt". Er verwies dabei auf eine Auswertung der Klinik von aktuellen Studien der Weltgesundheitsorganisation und des Berliner Robert-Koch-Institutes.
Besonders oft sind den Angaben zufolge Probleme wie Depression, Angst oder Hyperaktivität bei Kindern aus Familien mit geringerem Einkommen und wenig Bildung aufgetreten. In dieser Gruppe habe der Anteil der psychisch auffälligen Kinder bei 31,2 Prozent gelegen und sei damit fast doppelt so hoch gewesen wie bei Kindern aus Familien mit einem hohen sozialen Status (16,6 Prozent). "Die Ursachen für die psychischen Auffälligkeiten sind vielfältig", sagte Schulte-Markwort. Eine wichtige Rolle spielten Eltern, die ihre Kinder allzu stark unter Leistungsdruck setzten.
Die Bundespsychotherapeutenkammer forderte angesichts der Zahlen eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung. Der Präsident der Kammer, Rainer Richter, klagte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" über einen Mangel an ambulanten Therapieangeboten vor allem im ländlichen Raum. Während die Bedarfsplanung in Städten für 2577 Einwohner einen Psychotherapeuten vorsehe, müsse im ländlichen Raum ein Therapeut für 23.106 Einwohner ausreichen.
Erst kürzlich hatte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz vor Dauerstress bei der Arbeit gewarnt - er könne depressiv machen. Die Behörde hatte Beschäftigte dreier Branchen untersucht. Ergebnis: Ständiger Stress erzeugt häufig Depressionen.
boj/ddp/AP/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
Na dann erzählen Sie mal wieviel Sie einzahlen. Vermutlich hatte ich in meiner aktiven Zeit wesentlich mehr eingezahlt. mehr...
Quatsch,die Ärzte streiken nicht für den Erhalt der Hausverträge, denn die will niemand abschaffen. Die Ärzte streiken dagegen, dass die Honorare in den Hausarztverträgen nicht stärker steigen sollen als die allgemeine [...] mehr...
Das ist doch gar nicht der entscheidende Punkt. Es geht darum, dass von Ärzteseite ständig suggeriert wird, die Kassenärzte müssten in vielen Regionen mit weniger Honorar auskommen als vor der Reform 2009. Tatsächlich [...] mehr...
wenn es den Ärzten so schlecht geht, warum studieren dann so viele für diesen Beruf?? Niemand zwingst sie. Wenn nicht die Bevölkerung in Jahrzehnten so erzogen worden wäre, bei jeder Kleinigkeit [...] mehr...
Natürlich ist er das nicht, aber was sagen Sie den Krankenschwestern? Geht es denen anders? Erzählen Sie DENEN mal was von 90.000€! Richtig! Deswegen haben Sie auch Verantwortung - den Menschen gegenüber. Genauso wie die [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Medizin | RSS |
| alles zum Thema Psychologie | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH