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27.01.2012
 

Künstliche Befruchtung

Erstes deutsches Baby nach Erbgut-Diagnose geboren

Erst im Juli 2011 stimmte der Bundestag zu: Gentests an Embryonen sind umstrittenZur Großansicht
dapd

Erst im Juli 2011 stimmte der Bundestag zu: Gentests an Embryonen sind umstritten

Es ist ein Mädchen: Das erste Baby Deutschlands, bei dem Mediziner eine Präimplantationsdiagnostik (PID) durchführten, ist in Lübeck zur Welt gekommen. Mittels des Tests konnte ein tödlicher Gendefekt ausgeschlossen werden.

Im Universitätsklinikum in Lübeck ist das nach Klinikangaben erste Baby Deutschlands geboren, bei dem eine Präimplantationsdiagnostik (PID) zum Ausschluss eines einzelnen Genfehlers gemacht wurde. Dem Mädchen gehe es gut, bei der Geburt sei es 50 Zentimeter groß und 3010 Gramm schwer gewesen, teilte das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) am Freitag mit.

Bei PID werden im Reagenzglas gezeugte Embryonen auf Gendefekte untersucht, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden. Der Bundestag erlaubte 2011 die begrenzte Zulassung der umstrittenen Diagnostik. Eine Ethikkommission muss der Untersuchung zustimmen.

Zwar hatte bereits 2005 der Berliner Arzt Matthias Bloechle durch PID einer Frau nach vier Fehlgeburten zu einem gesunden Kind verholfen. Doch damals sei es darum gegangen, eine Chromosomenstörung auszuschließen. "In unserem Fall ging es um den Ausschluss einer Krankheit, die durch einen Defekt in einem einzelnen Gen verursacht wird", sagte der Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des UKSH, Klaus Diedrich.

Diese Untersuchung sei aufwendiger und komplizierter und werde derzeit bundesweit außer in Lübeck nur noch in München und in Regensburg gemacht. Auch in München gebe es eine Schwangerschaft nach einer PID-Untersuchung wegen einer monogenetischen Erkrankung, sagte Diedrich.

Die Eltern des kleinen Mädchens hatten sich nach Angaben der Klinik für die Untersuchung entschieden, weil beide die Erbanlage für eine Skelett-Anomalie in sich tragen, bei der die Kinder meist während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben. Das Paar hatte bereits drei Schwangerschaften hinter sich, bei denen der Fötus jeweils im Mutterleib gestorben war. Mit Hilfe der PID habe ein 25-prozentiges Risiko für die neue Schwangerschaft ausgeschlossen werden können, sagte Diedrich.

nik/dpa

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03.02.2012 von kirsberrydk:

Ja, haben sie. Weil laut Bluttest ein Anfangsverdacht bestand. Den Rest hatte ich ja schon geschrieben. mehr...

31.01.2012 von M. Michaelis:

Tatsache ist das bei der PID befruchtete Eizellen aussortiert werden deren Prognose Behinderung lautet. Das mag nur nicht so bewusst sein, denn es geschieht in einem technischen Prozess und bleibt unsichtbar. Heute hat man [...] mehr...

31.01.2012 von M. Michaelis:

Dass man auch auf eigenen Nachwuchs von vorn herein verzichten kann, wenn man das Risiko nicht eingehen möchte kommt Ihnen offenbar nicht in den Sinn. Das Problem ist dass Kinder bei uns das Produkt von Lebensplanung sind. Man [...] mehr...

31.01.2012 von atech: unerträglich

diese Frage spielt mit der ungeheuerlichen Unterstellung, dass Menschen, die die Präimplantationsdiagnostik befürworten, bereit wären, behinderte Menschen "auszusortieren". ---Zitat--- welche gesellschaftliche [...] mehr...

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Präimplantationsdiagnostik (PID)

Worum geht es?

DPA
Bei dem Verfahren werden einem im Reagenzglas entstandenen Embryo ein bis zwei Zellen entnommen. Es geht darum, deren Erbgut zu untersuchen. Ziel ist es, unter anderem Krankheiten aufzudecken, die auf zu viele oder zu wenige Chromosomen zurückgehen. Beim Down-Syndrom ist beispielsweise das Chromosom 21 dreimal vorhanden. Möglich sind auch Untersuchungen auf einzelne veränderte Gene, die beispielsweise für Muskelschwund, Lungen- und Stoffwechselkrankheiten oder die Bluterkrankheit verantwortlich sind.

Verfahren 1: Diagnose im Blastomerenstadium

Verfahren 2: Diagnose im Blastozystenstadium

Alternative: Polkörperdiagnostik






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