Umstrittene Befruchtungsmethode Ein Kind, drei Eltern

Mit einer umstrittenen Befruchtungsmethode könnten erbkranke Frauen gesunden Nachwuchs bekommen. Die Folge wäre, dass deren Kinder künftig drei Eltern hätten: zwei Mütter und einen Vater. Die US-Gesundheitsbehörde diskutiert nun, ob das sein darf.

Befruchtung im Reagenzglas: Auch mit dem Erbgut dreier Eltern möglich
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Befruchtung im Reagenzglas: Auch mit dem Erbgut dreier Eltern möglich


Was im Reagenzglas schon funktioniert, soll jetzt am Menschen erprobt werden. Zumindest wenn es nach dem Wunsch ambitionierter Forscher geht. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA debattiert momentan in einem Expertengremium, ob sie die "Drei-Eltern-IVF"-Methode - die künstliche Befruchtung mit dem Erbgut dreier Menschen - zu Forschungszwecken erlauben soll.

Die Methode ist umstritten. Die Debatte schwelt, seit Forscher von der amerikanischen University of Oregon 2009 erstmals die Mitochondrien in Eizellen von Affen austauschten. Erst im vergangenen Jahr sprachen sich britische Wissenschaftler dafür aus, die Befruchtungstechnik beim Menschen zu erlauben. Noch in diesem Jahr soll das Thema im britischen Parlament diskutiert werden.

Die Technik könnte Frauen helfen, die unter einer bestimmten Form von Erbkrankheit, einer Mitochondriopathie, leiden.

So funktioniert die Methode:

  • Einer Frau, die unter einer mitochondrialen Krankheit leidet und ein Kind möchte, werden Eizellen entnommen. Im Labor wird aus einer Zelle das Kern-Erbgut isoliert.
  • Eine zweite, gesunde Frau, spendet ebenfalls Eizellen. Eine Zelle wird entkernt. Sie enthält also noch die Mitochondrien, aber nicht mehr das im Zellkern vorhandene Erbgut.
  • Der im ersten Schritt isolierte Zellkern wird in die Eizelle der Spenderin übertragen.
  • Die Eizelle wird mit einem Spermium des gewünschten Vaters befruchtet.
  • Der Embryo kann einer Frau eingepflanzt werden - wie bei jeder künstlichen Befruchtung.

Schätzungen zufolge leidet etwa eins von 5000 bis 10.000 Neugeborenen an einer Mitochondriopathie. Bei diesen Krankheiten ist das Erbgut der Mitochondrien defekt. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Arbeiten sie nicht richtig, kann das schwerwiegende Folgen haben. Zu dieser Gruppe von Erbkrankheiten zählen Muskelkrankheiten, neurodegenerative Krankheiten und bestimmte Formen von Diabetes und Krebs. Auch bei Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington könnten Mitochondrien-Defekte eine Rolle spielen, vermuten Wissenschaftler. Wie die meisten Gendefekte sind Mitochonriopathien bisher nicht heilbar, Mediziner können nur die Symptome behandeln.

Kein Wunder also, dass sich Forscher viel von der Befruchtungstechnik erhoffen. Nichtsdestotrotz sind die Experimente umstritten. Kritiker halten sie für unethisch. Auch das FDA-Gremium ist vorsichtig. Viele Teilnehmer hätten das Gefühl, dass bisher nicht genug Daten aus Tierversuchen beisammen seien, um mit Versuchen am Menschen zu beginnen. Es müssten zuerst weitere Fragen beantwortet werden, sagte Evan Snyder, Vorsitzender des Komitees und Stammzellforscher am kalifornischen Medical Research Institute in La Jolla am Ende des ersten Sitzungstages.

Eine schnelle Entscheidung ist nicht zu erwarten. Die FDA folgt zwar häufig den Empfehlungen ihrer Expertengremien, muss es aber nicht.

Eine vergleichbare Diskussion wäre in Deutschland schwierig. Hierzulande ist die Gesetzgebung sehr viel strenger, unter anderem sind Eizellspenden verboten. Eine mögliche Einführung der Methode wäre noch schwieriger durchzusetzen als in den USA oder Großbritannien.

khü/wbr/Reuters

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plagiatejäger 26.02.2014
1. Mitochondrien des VATERS nehmen!
Es gibt nicht nur theoretisch eine Alternative zur Dreielternbefruchtung: normalerweise, dh. fast immer stammen zwar die Motochondrien aus der Eizelle der Mutter, weil die Spermien eigtl. zu klein sind, Mitochondrien zu haben, aber ich denke, es gibt auch Ausnahmen. Diese muss man studieren und einfach die Spermien auswählen die Mitochondrien (oder eines) haben und dann "versuchen" eine Mitochondriendefiziente Eizelle der wirklichen Mutter zu nehmen. Es könnte allerdings auch schon genügen, einfach Mitochondrien des Vaters der befruchteten Eizelle zu ergänzen.
atech 26.02.2014
2. es geht nur so
Zitat von plagiatejägerEs gibt nicht nur theoretisch eine Alternative zur Dreielternbefruchtung: normalerweise, dh. fast immer stammen zwar die Motochondrien aus der Eizelle der Mutter, weil die Spermien eigtl. zu klein sind, Mitochondrien zu haben, aber ich denke, es gibt auch Ausnahmen. Diese muss man studieren und einfach die Spermien auswählen die Mitochondrien (oder eines) haben und dann "versuchen" eine Mitochondriendefiziente Eizelle der wirklichen Mutter zu nehmen. Es könnte allerdings auch schon genügen, einfach Mitochondrien des Vaters der befruchteten Eizelle zu ergänzen.
tut mir leid, aber erstens stammen die Mitochondrien immer von der Mutter, zweitens befinden sich in der Eizellhülle nicht nur Mitochondrien, sondern auch Wachstumsfaktoren, die unverzichtbar sind. Drittens müssen Sie die defekten Mitochondrien der Mutter mit der Erbkrankheit loswerden, das geht nur in dem man die Eizellhüllen austauscht - und die kann ein Vater - mangels Eizellen - nunmal nicht beitragen. Und selbst das angedachte Verfahren ist schwierig genug. Dennoch, da man - bekannte - Erbkrankheiten nicht anders von der nächsten Generation fernhalten kann als durch solche Methoden, sehe ich da überhaupt keine "ethischen Probleme" (wie im Artikel erwähnt). Zumal die Gene, die sich nachher auf das Aussehen oder andere Familienähnlichkeiten auswirken in den Zellkernen befinden. Die ja von den biologischen Eltern stammen werden. Eine Prä-Implantationsdiagnostik und eine Auswahl befruchteter Eizellen - wie bei anderen Paaren und anderen Erbkrankheiten möglich - geht hier auch nicht, da absolut jede Eizelle der betroffenen Mutter den Gendefekt in den Mitochondrien hat. Will man einem betroffenen, potentiellen Elternpaar zu gesundem Nachwuchs verhelfen (und ich sehe nicht, was daran unethisch sein soll), dann geht es nur so.
wahnsinnpur 26.02.2014
3. Traurig
Anstatt so viel Geld für solche Zwecke auszugeben, könnten Menschen auch mal darüber nachdenken, Kindern ein Leben zu schenken, die schon auf dieser Erde sind. Es gibt so viele Kinder auf der ganzen Welt, die ohne elterliche Liebe aufwachsen müssen. Wir wollen uns vermehren und an unsere Bedürfnisse denken, aber keiner ist bereit die Augen zu öffnen und sich um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, die auf dieser Erde sind. Tausende Kinder sterben täglich an Hunger, man hört es sich an, ist traurig, aber geändert wird nichts! Ein erster Schritt wäre schonmal, diesen Kindern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Und wir haben diese Möglichkeit dazu und sollten sie auch nutzen! Liebe macht einen Menschen aus und jedes Kind hat diese Liebe verdient.
thedudester 26.02.2014
4.
Zitat von plagiatejägerEs gibt nicht nur theoretisch eine Alternative zur Dreielternbefruchtung: normalerweise, dh. fast immer stammen zwar die Motochondrien aus der Eizelle der Mutter, weil die Spermien eigtl. zu klein sind, Mitochondrien zu haben, aber ich denke, es gibt auch Ausnahmen. Diese muss man studieren und einfach die Spermien auswählen die Mitochondrien (oder eines) haben und dann "versuchen" eine Mitochondriendefiziente Eizelle der wirklichen Mutter zu nehmen. Es könnte allerdings auch schon genügen, einfach Mitochondrien des Vaters der befruchteten Eizelle zu ergänzen.
Nein, Spermien enthalten praktisch immer Mitochondrien, allerdings werden diese durch die Eizelle gezielt zerstört.
WatsonCrick 26.02.2014
5. Nadel im Heuhaufen
Na, dann versuchen Sie mal 1. eine Eizelle OHNE Mitochondrien zu finden (falls es so etwas geben sollte), 2. ein Spermium MIT Mitochondrium und 3. nach der ganzen Determiniererei eine Befruchtung ohne Erbschaden hinzukriegen. Ziemlich mickrige Aussichten.
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