Abtreibungen: Ärzte sollen Geschlecht von Föten geheim halten

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Ein Mädchen? Auf gar keinen Fall! In Ländern Osteuropas und vereinzelt sogar im Westen werden weibliche Föten gezielt abgetrieben, weil die Eltern sich einen männlichen Stammhalter wünschen. Der Europarat will der tödlichen Praxis jetzt einen Riegel vorschieben.

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Schwangere mit Ultraschall: Geschlecht künftig Geheimsache?

Junge oder Mädchen? Für viele angehende Eltern ist das eine wichtige Frage. Sie wollen sich emotional auf den Nachwuchs einstellen, möchten einen passenden Namen aussuchen. Auch bei der Farbe des Strampelanzugs soll ja nichts dem Zufall überlassen werden.

In Ländern wie China, Indien oder Südkorea hat die Geschlechtsfrage aber noch eine ganz andere Bedeutung: Jungen sind erwünscht, Mädchen verpönt. Spätestens Kind Nummer zwei soll ein echter Stammhalter sein - also ein Junge. Oft werden weibliche Föten gezielt abgetrieben, vor allem dann, wenn das erste Kind der Familie bereits ein Mädchen ist.

Die Folgen dieses sogenannten Gendercide sind dramatisch: In Indien kommen auf 100 neugeborene Mädchen mittlerweile 120 Jungen, in manchen Provinzen Chinas sind es sogar 130. Normalerweise liegt das Mädchen-Jungen-Verhältnis bei 100 zu 105. Im Erwachsenenalter wird das Ungleichgewicht zum Problem: Dutzende Millionen Männer finden keine Frau und können keine Familie gründen - Forscher warnen vor einer sozialen Zeitbombe im größten Männerclub der Welt. Derzeit gibt es in Asien bereits 163 Millionen weniger Frauen als Männer.

Die gezielte Abtreibung von weiblichen Föten ist jedoch nicht nur ein Problem Chinas, Indiens und Südkoreas, warnt der Europarat. Auch in einigen der 47 Länder, die Mitglied der internationalen Organisation sind, ist weiblicher Nachwuchs weniger gern gesehen. In Ländern wie Albanien, Armenien und Aserbaidschan hat das Jungen-Mädchen-Verhältnis einen Wert von 112 zu 100 erreicht. Die Schweizer Abgeordnete Doris Stump, die ihr Land im Parlament des Europarats vertritt, nennt diese Zahlen "besorgniserregend".

Druck auf Frauen reduzieren

Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Komitees für Gleichberechtigung hat Stump eine Resolution verfasst, in der die Praxis der geschlechtsspezifischen Abtreibung verurteilt wird. "Es geht in erster Linie darum, den Druck auf Frauen, einen Sohn und Stammhalter gebären zu müssen, zu reduzieren", erklärt die Schweizer Politikerin gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die vier betroffenen Länder Albanien, Armenien, Aserbaidschan und Georgien müssten die Ursachen des verschobenen Geschlechterverhältnisses bei Neugeborenen untersuchen und den Status der Frau in der Gesellschaft erhöhen, heißt es in dem Entwurf. Das Parlament des Europarats soll die Resolution bei seiner nächsten Sitzung Anfang Oktober in Straßburg verabschieden.

Zwar sind die Mitgliedstaaten nicht verpflichtet, Beschlüsse des Europarats umzusetzen. Doch allein schon die Verabschiedung der Resolution dürfte für einige Diskussionen sorgen. Darin findet sich nämlich nicht nur Politrhetorik, die am Status der Frau in den betroffenen Ländern kaum etwas ändern dürfte. Der Europarat macht vielmehr sehr konkrete Vorschläge: Zum einen sollen spezielle Leitlinien für die vorgeburtliche Geschlechtsbestimmung und -selektion erarbeitet werden, nach denen Mediziner künftig arbeiten. Zum anderen will der Europarat Ärzten nahe legen, Eltern über das Geschlecht eines Fötus erst gar nicht zu informieren.

Das Geschlecht eines Embryonen kann mit modernen genetischen Methoden schon einige Wochen nach der Einnistung des befruchteten Eis ermittelt werden, weil in der Blutbahn der Schwangeren DNA-Fragmente des Fötus zirkulieren. 2007 hat die britische Firma DNA Worldwide ein Testkit angeboten, das schon in der sechsten Schwangerschaftswoche mit 99 Prozent Trefferquote das Geschlecht des Embryonen ermitteln sollte. Einen ähnlichen Test gab es auch von einer deutschen Firma. Per Ultraschall ist eine Aussage zum Geschlecht mit hoher Zuverlässigkeit erst etwa ab der zwölften Schwangerschaftswoche möglich.

Gewissheit nach wenigen Wochen

In Deutschland ist die Rechtslage eindeutig: Vor Ende der zwölften Schwangerschaftswoche darf ein Arzt die Eltern nicht über das Geschlecht des Fötus informieren. So steht es in § 15 des Gendiagnostikgesetzes. Diese Frist ist bewusst gewählt, denn bis zur zwölften Woche sind hierzulande Schwangerschaftsabbrüche straffrei möglich.

Die deutsche Regelung findet Stump sinnvoll. "Wenn das Geschlecht des Ungeborenen erst nach der 12. Schwangerschaftswoche und wertneutral bekanntgegeben wird, wird ein Abbruch der Schwangerschaft unwahrscheinlicher."

Doris Stump glaubt, dass der Gendercide vereinzelt auch in Ländern Westeuropas geschieht. "Es gibt Indizien, dass in gewissen Migrationsgruppen Föten wegen des Geschlechts abgetrieben werden." Dies müsse aber noch genauer erforscht werden.

Statistiken über derartige gezielte Abtreibungen existieren zumindest in Deutschland keine. Kaum verwunderlich: Es darf diese Schwangerschaftsabbrüche ja laut Gesetz gar nicht geben. Und die Betroffenen wissen das in der Regel.

Auch wenn das Gendiagnostikgesetz eindeutig ist, wird es kaum verhindern können, dass ein Arzt einer schwangeren Frau im vertraulichen Gespräch mehr verrät, als er darf. Nach einer DNA-Untersuchung weiß der Doktor über den Fötus Bescheid - lange vor der zwölften Schwangerschaftswoche. Die Frau könnte ihn bitten, ihr doch zumindest schon mal das Geschlecht zu sagen, weil sich die ganze Familie doch so sehr auf das Kind freut. Was die Familie dann mit der Information macht, kann der Arzt nicht mehr beeinflussen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 120 Beiträge
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1. Endlich
Flightkit, 13.09.2011
wird auch hier beherzt eingegriffen. Die der Menschheit entstehenden Probleme hängen eindeutig nicht mit dem Geschlecht zusammen, aber vielleicht ließe sich irgendwann einmal Pränatal feststellen, welche der Föten eine Karriere in der Politik anstreben wird.
2. .
Methados 13.09.2011
dolle wurst. so wird technische entwicklung mal wieder mit nem anderen grund abgewürgt. also ich will schon wissen, obs nen junge oder mädel wird. ich will auch wissen ob es gesund ist, ob es von mir ist und - sollten wir irgendwann mal soweit sein - verdammt ja ich würde es auch gentechnisch oder sonstwie tunen lassen denn: in dieser welt frisst der starke den schwachen und das ist auch gut so.
3. Schwachsinn..
robertll 13.09.2011
Schon mal was von künstlicher Befruchtung gehört? Da kann man sehr einfach wählen was man will. Übrigens sehr beliebt bei homosexuellen Frauen, die wollen doch keinen Jungen großziehen!
4. Wie wäre es...
FMK 13.09.2011
Wie wäre es Abtreibungen generell einen Riegel vorzuschieben? Man sieht ja was dabei herauskommt. Nicht nur Selektion nach Geschlecht - also im Endeffekt nach Genen, denn das Geschlecht ist ja durch die Gene festgelegt - sondern auch ein riesiges Demographieproblem. Zudem verstößt es gegen die Menschenwürde, die die körperliche Unversehrtheit des menschlichen Lebens beinhaltet. Das allein sollte schon reichen.
5. ...
mitbürger 13.09.2011
Ich habe 4 Kinder, 2 Mädchen und 2 Jungs. Ich glaube, dass man mit Schwester oder Bruder aufwachsen sollte, sonst fehlt einem was. Vor allem die Verklärung von Frauen wird mit der Schwester nicht eintreten. Ich kenne auch eine Familie, die unglücklich darüber ist, dass sie nur Jungs haben, der Trend in Deutschland geht eindeutig zum weiblichen Geschlecht. Mädchen haben es leichter im Leben. Ich merk's ja jeden Tag. Vor allem bei den Lehrern. Mit den Jungs haben die weniger Geduld. Ich übrigens auch. Meine Frau und ich wollten das Geschlecht auf keinen Fall vor der Geburt wissen, weil sonst etwas wichtiges vorweggenommen wird und die Psychologie zum Kind auf nicht vorhersehbare Weise beeinflusst wird. Leider muss man den Ärzt(innen) das unbedingt vor der Ultraschalluntersuchung sagen, weil die das einem sofort mitteilen wollen.
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