Adenovirus: Neuer Erreger springt von Affen auf Menschen über

Erstmals sind Adenoviren nachweislich von einem Tier auf einem Menschen übergesprungen. Ein Affenforscher hatte sich bei erkrankten Tieren angesteckt. Wissenschaftler fanden den Erreger auch in Blutspenden - und vermuten deswegen, dass das Virus schon unter Menschen kursiert.

Adenovirus unterm Mikroskop: Ursprung des neuen Erregers noch unbekannt Zur Großansicht
CDC/ Dr. G. William Gary

Adenovirus unterm Mikroskop: Ursprung des neuen Erregers noch unbekannt

San Francisco - Immer wieder überspringen Krankheitserreger aus dem Tierreich die Artengrenze und werden auch dem Menschen gefährlich. Die Gruppe der Adenoviren galt in dieser Hinsicht jedoch bislang als unverdächtig. Manche dieser Erreger verursachen beim Menschen verschiedene Probleme, von Schnupfen über Durchfall bis hin zu Lungenentzündung. Andere wiederum machen bestimmten Tierarten zu schaffen. Aber noch nie wurde bekannt, dass solche Viren von einer Spezies auf eine andere wechseln.

Nun aber berichten Infektiologen der University of California in San Francisco im Fachmagazin "PLoS Pathogens" erstmals von einem solchen Fall. Los ging es mit erkrankten Affen. Im Jahr 2009 kam es im California National Primate Research Center bei 23 von insgesamt 65 Roten Springaffen zu Entzündungen der Atemwege oder der Leber. Nur vier der infizierten Tiere überlebten. Als Ursache identifizierten die Mediziner aus San Francisco das bislang unbekannte Adenovirus TMAdV. Die Abkürzung steht für "titi monkey adenovirus".

Ein Mitarbeiter des Primatenzentrums, der viel Kontakt zu den erkrankten Affen hatte, bekam ebenfalls Fieber und Husten. Außerdem steckte er offenbar ein Mitglied seiner Familie an. Die Überraschung: Im Blut beider Patienten wiesen die Mediziner Antikörper gegen den TMAdV-Erreger nach.

Erreger findet sich in Blutspenden

Doch damit nicht genug: Als die Forscher Blutspenden von US-Bürgern im Westen des Landes analysierten, fanden sie in zwei von 81 zufällig ausgewählten Proben ebenfalls Antikörper gegen diese Art Erreger. Das könnte darauf hindeuten, dass TMAdV bereits unter Menschen kursiert, allerdings wegen der unspektakulären Symptomatik bisher nicht weiter auffiel.

Die Herkunft des Adenovirus ist unklar. Die Forscher vermuten, dass es nicht vom Menschen stammt, sondern von Tieren. Dass die Roten Springaffen das natürliche Reservoir bilden, gilt allerdings als unwahrscheinlich: Dafür reagierten diese Affen zu empfindlich. Weil das Virus die weitaus meisten infizierten Tiere dahinraffte, würde es seine eigene Existenzgrundlage gefährden und wohl nicht lange überdauern.

Unabhängig vom rätselhaften Ursprung des Erregers empfehlen die Experten, Adenoviren künftig sorgfältiger zu beobachten. Nur so könne man auf etwaige Gefahren für den Menschen zeitig aufmerksam werden. "Man kann jetzt Adenoviren auf die Liste jener Krankheitserreger setzen, die dazu fähig sind, zwischen Arten zu wechseln", warnt Studienleiter Charles Chiu.

chs/dpa

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